Hinter den Kulissen

Meet & Piep: Japan bei Dresden

Margitta Hensel / Regina Thiede /

Das Fasanenschlösschen von der Gartenseite
Die sächsischen Kurfürsten liebten den fernen Osten. Und ließen sich mit dem Fasanenschlösschen ein Stückchen Asien in Sachsen errichten. Zur Ausstattung des Baus dienten einheimische und exotische Vögel – tot und lebendig.

Ein Schloss für Fasane

Unweit des Schlosses Moritzburg bei Dresden steht ein kleines Lustschloss - das Fasanenschlösschen. Einst war es das Zentrum und der Zutritt zu großen hölzernen Volieren, die aussahen wie chinesische Pavillons und in denen exotische Silber- und Goldfasane gehalten wurden. Diese Vögel stammen ursprünglich aus Asien und sie wurden hier zur Zierde gehalten. 

 

 

Kuckuck an der Wand

Es wurden aber auch einheimische Jagdfasane für die Speisetafel des Kurfürsten gehalten. Friedrich August III., der Urenkel von August dem Starken, hatte die gewöhnliche Fasanenzucht seines Urgroßvaters um das kleine Palais, Gärten und eben jene chinesisch anmutenden Volieren ergänzt. Der junge Kurfürst konnte direkt aus seinem Palais in die Vogelvoliere gelangen, wo er sich an der Farbenpracht der Tiere erfreute. Einige der dort gezüchteten Fasane wurden nach deren Ableben präpariert und auf kleine Konsolen gesetzt, die als Wandschmuck im Speisesaal des Fasanenschlösschens dienten. Aber nicht nur Fasane wurden haltbar gemacht. Eine vielfältige Vogelsammlung vor allem einheimischer Sumpf- und Wasservögel, Singvögel sowie Greifvögel entstand im Laufe der Jahre. Das erste Rauminventar aus dem Jahr 1816 verzeichnete insgesamt 69 Vögel. Dazu gehörten verschiedene Entenarten, wie Löffel- und Knäckenten, eine Rohrdommel, ein Nachtreiher, Rallen, Schnepfen, Rot- und Rebhühner, Drossel, Ziegenmelker, Kuckuck, Pfauen und zwei exotische Papageien.

Alle Vöglein wieder da

Die Sammlung wurde um 1900 vollständig entfernt. Die Präparationskunst steckte in jener Zeit noch in den Kinderschuhen. Schnell kam es durch Insektenfraß zum Verderb der Präparate, so dass man sie lieber verschwinden ließ. Während der Restaurierung des Speisesaales wurden 1996 auf den hölzernen Wandflächen die Nagellöcher für die Aufhängung der Vogelkonsolen entdeckt. Nun bot sich die Möglichkeit der Rekonstruktion der Vogelsammlung. Heute schmücken wieder 60 Konsolen den Raum, worauf annähernd die gleichen Vogelarten zu finden sind, wie Ende des 18. Jahrhunderts.


Letzte Änderung: 30.04.2020

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