Kunst & Gut

Meet & Piep: Jagdfalken und Haselhühner

Oder: Kann man Eichhörnchen essen?

Regina Thiede /

Im fünften Teil unserer Reihe zu den Vögeln auf sächsischen Schlössern und Burgen soll es um mittelalterliche Jagd- und Essgewohnheiten und um die Albrechtsburg in Meißen gehen.

Beizjagd mit edlen Falken

Die Jagd spielte immer eine große Rolle an Herrscherhöfen. Die Beizjagd mit Greifvögeln war eine der kostspieligeren Arten, weil man viel Personal zur Pflege und Abrichtung der Vögel bezahlen musste. Aber die hohe Zeit der Jagdschlösser ist lange vorbei und so sind auch die Spuren der Falknerei verschwunden. Und doch findet sich ein kleiner Hinweis auf der Meißner Albrechtsburg. 

 

Der Falke in den Wandmalereien der Albrechtsburg

Hier ist in einer Raumausmalung des 19. Jahrhunderts Mechthild von Bayern, die Gemahlin Friedrichs II., dargestellt, wie sie einen Greifvogel auf der Hand hält. Friedrich war Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen. Zu seiner Gattin und ob sie eine besondere Freundin der Beizjagd war, ist uns nichts Näheres bekannt. Sie war eine Tochter Kaiser Ludwigs und vielleicht steht der Falke hier auch für die besondere Prachtentfaltung am Kaiserhof. Der Falke selbst ist zwar so vereinfacht dargestellt, dass er nicht näher bestimmt werden kann, aber trotzdem weist ihn die Art, wie er auf der Faust getragen wird eindeutig nicht als Attribut einer Tugend, sondern als Beizvogel aus. Auch sind die Linien auf seinem Kopf ein Hinweis auf die Kappe, die ein Falke trägt, um ihn ruhig sitzen zu lassen.

Sidonia und die Haselhühner

Sidonia war die Mutter des sächsischen Herzogs Georg dem Bärtigen. Und Sidonia aß gerne Haselhühner und – Eichhörnchen! Das Essen jeglicher Tiere, derer man habhaft werden konnte, war auch bei uns damals ganz normal. Und weil Sidonia in ihren Briefen oft auch alltägliches schreibt, erwähnt sie zweimal Haselhühner: 1493 bittet sie Georg, dass er ihr Haselhühner und Eichhörnchen fangen und bringen lässt. Im Jahre 1500 lässt sie über Georg die Bitte zum Jäger schicken, man möge ihr die Hälfte der gefangenen Haselhühner schicken und Georg die andere Hälfte. Man fing die Tiere lebend in Fallen und schlachtete sie erst am Ort des Verzehrs, damit sie frisch waren. Und sie bittet Georg, er möge ihr den hinkenden Knecht Andreas lassen, denn er sei gut im Jagen und Fahren der Haselhühner und es sei nicht so gut, wenn er nur im Keller arbeiten solle.

 

Das Haselhuhn ist in Mitteleuropa heute ein seltener Vogel. Zu Lebzeiten von Sidonia (1449 bis 1510) gab es diese schönen Vögel noch häufig. Aber da ihr Fleisch als besonders wohlschmeckend galt, wurden sie stark bejagt. Heute gibt es sie in Russland noch häufig, in Deutschland jedoch nur noch in den Tiefen des Bayerischen Waldes.

So erfahren wir von Sidonia etwas über frühere Jagdgewohnheiten, heute selten gewordene Vögel und nebenher auch, dass man Eichhörnchen essen kann.

Regina Thiede, Museologin im Schloss Colditz, findet neben alten Gemäuern auch die bunte Vielfalt geflügelter Schlossbewohner faszinierend..

Weitere Teile unserer Reihe "Meet & Piep"

Die Sache mit den Störchen – Was die großen Zugvögel im Schloss Rochlitz außer einem guten Eindruck noch hinterließen.

Verschollen in den Wendewirren – Schloss Colditz vermisst Phönix und Pelikan.

Nestlinge und Ästlinge – Wie zahlreiche kleine Jungvögel unsere Museologen auf Schloss Rochlitz und Colditz auf Trab halten.

Emmaus und Schlaggan – Warum man Vogelnamen einfach so erfinden kann.

Stockenten im obersten Stock – Wie schaffen es die Küken ins Wasser?

Japan bei Dresden – ein Schloss für Fasane.

Da lachen ja die Hühner! – Die Vogeltapete von Schloss Weesenstein.

Irokesentaube und Äffcheneule – Lange blieb in Colditz eine umwerfende Vogelwelt versteckt.


Letzte Änderung: 30.04.2020

Weitere Artikel