Kunst & Gut

Meet & Piep: Irokesentaube und Äffcheneule

Regina Thiede /

Äffcheneule
Im letzten Teil unserer Reihe zu echten, seltsamen und seltenen Vögeln auf unseren Schlössern und Burgen sollen Vielfalt und Schönheit der Vogelwelt gefeiert werden.

Dafür kehren wir noch einmal ins Schloss Colditz zurück. Hier steckte 1997, nach dem Auszug des Pflegeheims, ein Student der Dresdner Restaurierungsfachklasse ein medizinisches Endoskop durch Löcher in den einfachen Brandschutzdecken des Kellerhauses und entdeckte Erstaunliches. 

Versteckte Schönheiten

In der gesamten ersten Etage waren die farbigen Deckengestaltungen der Zeit um 1600 in großer Farbenpracht erhalten geblieben, denn sie waren schon seit 200 Jahren für die Nutzung als Irrenanstalt und Pflegeheim abgedeckt, verbaut und vergessen. Die schönsten Räume sind die Jagdstube mit grünen und besonders putzigen Phantasie-Vögeln in grün-weißen Kartuschen und die Tafelstube mit großen bunten Kartuschen und diversen realen Vögeln darum herum. 

Grün-weiße Pracht

Die grünen Vögel der Jagdstube lassen sich nicht bestimmen. Sie sehen aus wie Enten mit Greifvogelschnabel oder Tauben mit Irokesenkopfputz. Auch eine Eule mit Äffchengesicht ist dabei. Sie korrespondierten farblich einmal wundervoll mit den grünenweißen Ledertapeten der Wände, aber von dieser Pracht ist leider nichts mehr vorhanden. Die Deckenmalereien wurden vor einigen Jahren mit großem Aufwand konserviert. 

 

Erkannte Schönheiten

Bei den bunten Vögeln der Tafelstube haben wir Bestimmungsversuche angestellt. Ein schwieriges Unterfangen, denn es fehlen leider vieles an  Binnenzeichnung und Pigmenten bei den mehr als 400 Jahre alten Darstellungen. Es ist nicht nur die Farbgebung der Vögel entscheidend, sondern auch ihre Sitzposition und Körperhaltung. Ein Zaunkönig zum Beispiel ist für den Kenner sofort am hochgereckten Schwänzchen zu erkennen. Einige der Vögel sind heutzutage in unseren Breiten fast nicht mehr bekannt und wie es mit ihrer Verbreitung vor 400 Jahren aussah, lässt sich nicht so leicht beantworten. Möglicherweise gibt darauf aber gerade unsere Deckenbemalung eine Antwort und genau die dargestellten Vögel waren damals die häufigsten. Wer weiß ...

Hier präsentieren wir die ersten Ergebnisse des Bestimmungsversuchs:

Regina Thiede kann sich als Museologin des Schlosses Colditz seit vielen Jahren an der Deckenmalerie erfreuen und weiß, dass diese bisher geschlossenen Räume bald auch für Besucher zugänglich sein werden. 

Weitere Teile unserer Reihe "Meet & Piep":

Die Sache mit den Störchen – Was die großen Zugvögel im Schloss Rochlitz außer einem guten Eindruck noch hinterließen.

Verschollen in den Wendewirren – Schloss Colditz vermisst Phönix und Pelikan.

Nestlinge und Ästlinge – Wie zahlreiche kleine Jungvögel unsere Museologen auf Schloss Rochlitz und Colditz auf Trab halten.

Emmaus und Schlaggan  Warum man Vogelnamen einfach so erfinden kann.

Jagdfalken und Haselhühner – Oder: Kann man Eichhörnchen essen?

Stockenten im obersten Stock – Wie schaffen es die Küken ins Wasser?

Japan bei Dresden – ein Schloss für Fasane.

Da lachen ja die Hühner! – Die Vogeltapete von Schloss Weesenstein.


Letzte Änderung: 30.04.2020

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