Hinter den Kulissen

Eine Heimat für Batman - Fledermäuse in Altzella

Dr. Peter Dänhardt /

Ein Großes Mausohr fliegt mi ausgebreiteten Schwingen durch die Nacht.
Das ehemalige Zisterzienserkloster Altzella steht für eine wechselvolle, jahrhundertlange Geschichte. Inzwischen ist es aber auch zum Refugium seltener Tier- und Pflanzenarten geworden. Ein Besuch bei unseren Fledermäusen.

Viele Besucher und Besucherinnen unseres Klosterparks bewundern den hoch aufragenden Dachstuhl des sogenannten Konversenhauses, dem Gebäude, in dem im Mittelalter die Arbeitsmönche schliefen. Nur betreten dürfen sie die imposante Konstruktion aus dem 16. Jahrhundert meistens nicht. Wir, das Team vom Klosterpark Altzella, übrigens auch nicht. Gebälk und Mauern des Häuserdaches bieten über die Sommermonate nämlich Rückzugsmöglichkeiten für geschützte Fledermäuse. Hier wachsen auch die kleinen Fledermäuse heran – und dafür brauchen sie viel Ruhe.

 

Laufkäfer sind lecker!

In den Abendstunden bekommt man diese scheuen Gesellen manchmal trotzdem zu Gesicht. Dann fliegen und flattern Exemplare der Spezies Großes Mausohr (Myotis myotis) über die Wiesenflächen des Parks, um Insekten für ihren Nachwuchs zu fangen. Ihre bevorzugte Mahlzeit sind Laufkäfer und Spinnen. Der lichte Buchenbestand des Klosterparks bietet den Fledermäusen dafür gute Jagdbedingungen. Im Meißner Raum gibt es nur noch in Deutschenbora und auf der Meißner Albrechtsburg weitere Kolonien dieser streng geschützten Tiere.

 

Keine Angst vor fliegenden Mäusen

Und mindestens zwei weitere Fledermausarten sind bei uns im Klosterpark Altzella schon gesichtet worden: die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die im alten Weinkeller offenbar ein passendes Winterquartier gefunden hat, und die Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus). Im Mittelalter zählte man die „fliegenden Mäuse“ übrigens zu den Vögeln. Die Zisterziensermönche, die vor 700 Jahren in Altzella lebten, dürften sich kaum über die nachtaktiven Tiere gefreut haben, galten sie doch meist als dämonische und teuflische Wesen.

Inzwischen sind wir froh, Fledermäuse im Klosterpark zu haben. Natürlich hinterlassen sie auch eine Menge Dreck. Und so müssen wir Ende September, wenn die Schutzsaison vorüber ist, erstmal ordentlich putzen. Dann aber dürfen wir und alle Interessierten hinauf auf den alten Dachboden, um bei einer der angebotenen Führungen die mächtigen Holzbalken, die drei begehbaren Ebenen und die eingeritzten Abbundzeichen zu erkunden und zu bewundern. Wenn man sich hier oben umschaut, erscheint es fast logisch, dass sich die Fledermäuse in dieser schummrigen Dunkelheit wohlfühlen. Und so werden wir sie auch im kommenden Jahr dort in Ruhe lassen.

Dr. Peter Dänhardt schätzt am Klosterpark Altzella nicht nur das mittelalterliche Erbe, sondern auch den Frieden, den dieser Ort versprüht. 


Letzte Änderung: 30.04.2020

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