Kunst & Gut

Lieblingsobjekt: Die Grabplatte Dietrichs des Bedrängten

Dr. Peter Dänhardt /

Museologe Peter Dänhardt kniet vor der Grabplatte Dietrich des Bedrängten
Das Mittelalter fasziniert Jung und Alt. Und manchmal wird das Hobby sogar zum Beruf. Museologe Peter Dänhardt stellt sein Lieblingsobjekt aus dieser Zeit vor.

Im Klosterpark Altzella ist die Auswahl an Museumsexponaten nicht sehr groß. Die meisten Objekte, die von vergangenen Jahrhunderten berichten könnten, sind längst verkauft, zerstört, verloren. Zu den wenigen Dingen, die aus der alten Klosterkirche noch erhalten sind, zählen die mittelalterlichen Grabplatten der Familie des Klosterstifters: des Wettiners Otto dem Reichen. Von diesen Grabplatten betrachte ich am liebsten diejenige, die einst das Grab Dietrichs des Bedrängten bedeckte. Wahrscheinlich hat es mit der Faszination für Ritter zu tun, die schon kleinen Jungs eigen ist. Die Sandsteinfigur mit einer Idealdarstellung Dietrichs ist nicht nur die künstlerisch anspruchsvollste dieser Denkmale. Sie weist darüber hinaus auch auf eine der spannendsten Herrscherpersönlichkeiten des Meißner Landes.

 

Dietrich wurde vermutlich 1162 (und damit im Jahr der Klostergründung) geboren. Als zweitgeborener Sohn Markgraf Ottos hatte Dietrich eigentlich keine Chance, seinem Vater in Amt und Würden zu folgen. Zunächst war nämlich der ältere Bruder Albrecht an der Reihe. Dietrich suchte sich indessen Unterstützer. Durch seine Heirat mit Jutta, der Tochter des mächtigen Thüringer Landgrafen Herrmann, stand Dietrich bald in enger Verbindung zur Wartburg – dem kulturellen Zentrum Mitteldeutschlands. Zu seinen Bekanntschaften zählten daher auch Minnesänger wie Heinrich von Morungen oder Walter von der Vogelweide – die Popstars ihrer Zeit.

 

Als Albrecht 1195 starb (angeblich wurde er vergiftet), versuchte Kaiser Heinrich VI. die Wettiner aus ihrem angestammten Besitz zu drängen. Dietrich begab sich daher zunächst auf eine abenteuerliche Reise ins Heilige Land. In Jerusalem wohnte er der feierlichen Gründung des Deutschen Ritterordens bei. Nach Überwindung einiger Hindernisse gelangte Dietrich schließlich doch selbst in das Markgrafenamt. Als Markgraf von Meißen besuchte er mehrmals mit großem Gefolge das Kloster Altzella. Und auch die Ersterwähnung Dresdens 1206 fällt in seine Amtszeit. Im Juli 1221 starb Dietrich. Angeblich fiel auch er einem Mordanschlag zum Opfer. Geblieben ist seine Grabfigur. Die Mönche von Altzella ließen sie vermutlich ein halbes Jahrhundert nach Dietrichs Tod fertigen. Sie zeigt ihn als stolzen Herrscher und gerüsteten Krieger. Und auch wenn die Zeit ihre Spuren hinterlassen hat – die Waffen sind zerbrochen, der stolze Meißner Löwe auf dem Schild ist zur Unkenntlichkeit verblasst – so beflügelt dieser steinerne Ritter die Fantasie und entführt mich von Zeit zu Zeit in ein Mittelalter voller Gefahren und Abenteuer.

Dr. Peter Dänhardt ist vom Mittelalter fasziniert, seit er mit elf Jahren die erste Lego-Ritterburg geschenkt bekam und hat sein Hobby inzwischen zum Beruf gemacht.


Letzte Änderung: 30.04.2020

Weitere Artikel