Kunst & Gut

Lieblingsobjekt: Peter Allan und Jimmy Yule

Regina Thiede /

Zwischen 1939 und 1945 war Schloss Colditz ein Kriegsgefangenenlager für Westalliierte. In dieser Zeit entstanden bemerkenswerte Porträtfotografien von gefangenen Offizieren. Museologin Regina Thiede stellt ihr Lieblingsobjekt aus der Sammlung vor.

Es gibt aus der Zeit des Kriegsgefangenenlagers auf Schloss Colditz Hunderte von Fotos. Und unter ihnen eine Reihe von Doppelporträts, die offensichtlich auf Wunsch der Gefangenen selber entstanden und in die Heimat zur Familie geschickt werden sollten. Dieses Foto zählt dazu. Mag sein, dass ich die Beiden mag, weil ich ihre Geschichten kenne, aber ich glaube, das ist es nicht allein. Es sind echte Typen – charismatisch, cool und schick!

Peter Allan und Jimmy Yule im Oflag IV C Schloss Colditz
Fotografie von Johannes Lange, um 1941

Glasplatte, 6,1 x 9,2 cm, Schloss Colditz, Inv. Nr. Col_Fo_001514
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Leutnant Peter Allan war als einer der ersten Briten schon 1940 nach Colditz gekommen. Trotz diverser Fluchtversuche sollten ihn erst die Amerikanischen Truppen im April 1945 befreien. Die „Toilettenflucht“, zusammen mit zehn Kameraden, scheiterte gleich innerhalb der Mauern. Ein geheimer Durchbruch vom Gefangenenquartier zu den Toiletten der Wachmannschaften hatte sich durch nächtliche Kratzgeräusche verraten. Im August 1941 schaffte er es dann, sich in einem Strohsack zu verstecken, als dieser auf ein Fuhrwerk verladen wurde. Als Zivilarbeiter verkleidet erreichte er Wien. Die Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft verkannten dort tragischerweise seine Identität und verweigerten ihm die Hilfe. Er wurde krank und kam in ein Krankenhaus. Dort nahm man ihn fest und schickte ihn nach Colditz zurück.

Leutnant Jimmy Yule war ein begabter Musiker, der in Colditz in mehreren Bands Klavier spielte. Auf etlichen anderen Fotos, die wir haben, sitzt er am Klavier. Als man nach dem Krieg eine geheime Funkerkabine auf dem Dachboden fand, lagen dort neben den Kriegsverlaufsberichten viele Zeichnungen und Gedichte von ihm herum. Fluchtgeschichten gibt es über ihn nicht zu berichten.

Die Jungs sind Anfang Zwanzig. Selbstbewusst und ernst blicken sie in die Kamera – der ihnen noch bevorstehenden Länge der Gefangenschaft ungewiss, jedoch ob ihrer Sonderposition und natürlich gegenüber dem deutschen Fotografen stolz und unnahbar. Peter Allan trägt einen Kilt. Den trägt er auf allen Fotos, die wir von ihm haben. Jimmy Yule musste bei der Kleiderwahl schon improvisieren. Aber Uniform zu tragen war nicht Pflicht im Lager.

Momentan müssen wir uns wegen zu kleiner Ausstellungsflächen noch sehr beschränken und auch dieses Bild ist im Schloss nicht öffentlich zu sehen. Ich hoffe sehr, dass bald mehr möglich ist. Immerhin besuchen uns jedes Jahr ca. 10.000 Briten, die sich über eine Erweiterung des Fluchtmuseums freuen würden.

Regina Thiede arbeitet als Museologin auf Schloss Colditz und kümmert sich dabei auch um die Fotosammlung des Fluchtmuseums.

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Letzte Änderung: 30.04.2020

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