Wohin mit den „Pflegefällen“?
Die Antwort führt an einen Ort, der lange Zeit in Dresden fehlt: ein sicheres Zuhause für die kostbaren Skulpturen des sächsischen Barock.
Seit ihrer Studienzeit beschäftigt sich Dr. Sabine Wilde mit barocken Skulpturen. In Forschungsprojekten und ihrer beruflichen Tätigkeit begegnet ihr oft dieselbe Frage: Was geschieht mit Originalen, die aus konservatorischen Gründen nicht mehr an ihrem historischen Standort verbleiben können?
„Permoser im Palais“ – eine erste Rettung
Eine erste Antwort entsteht 2004 mit der Ausstellung „Permoser im Palais – geborgene Originale des sächsischen Barock“. Gezeigt werden wertvolle Originalskulpturen, die aus konservatorischen Gründen nicht länger an ihren ursprünglichen Standorten verbleiben können.
Das Palais im Großen Garten bietet dafür einen passenden Rahmen. Insgesamt 62 Skulpturen vermitteln einen eindrucksvollen Einblick in die sächsische Bildhauerkunst des Barock. Doch mit den Jahren zeigt sich auch die Kehrseite: Für die empfindlichen Originale ist der Ausstellungsort auf Dauer zu belebt und nicht optimal geeignet.
Ein Weckruf für die Skulpturen des Großen Gartens
Ein einschneidendes Ereignis macht die Dringlichkeit des Problems sichtbar: Als 2013 an der Skulpturengruppe die „Zeit raubt die Schönheit“ der Flügel des Chronos abbricht, wird deutlich, wie kritisch der Zustand vieler Figuren im Großen Garten ist. Jahrzehntelange Luftverschmutzung und Wetterverhältnisse haben deutliche Spuren hinterlassen.
Daraufhin beginnt ein umfangreiches Restaurierungsprojekt, das bis 2026 läuft. Ziel ist es, den weiteren Verfall der historischen Skulpturen aufzuhalten und ihren Bestand langfristig zu sichern. Im Mittelpunkt stehen 162 Figuren, Vasen und Postamente sowie weitere 90 Fragmente.
Gleichzeitig bleibt lange die Frage ungelöst, wohin die gefährdeten Originale nach ihrer Sicherung gelangen sollen. Nach dem Anfertigen von Kopien verbleiben viele Werke in Werkstätten, geraten in Vergessenheit oder werden sogar verkauft.
Umso bedeutender ist der Neubau des Depots für Skulpturen im Großen Garten. Erstmals steht ein Ort zur Verfügung, an dem die Originale dauerhaft bewahrt werden können.
Ein neues Zuhause für die Originale
Auf dem Gelände der Gartenmeisterei entsteht ein modernes Depot, das ideale Bedingungen für die langfristige Bewahrung der Kunstwerke bietet. Eine große Fensterfront ermöglicht Einblicke in die Sammlung, die künftig bei Führungen und besonderen Anlässen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.
Der große Umzug
In der ersten Hälfte dieses Jahres ziehen die bislang im Palais bewahrten Skulpturen in ihr neues Zuhause links des Schmuckplatzes im Großen Garten.
Rund 130 Skulpturen, Gipsabgüsse und Fragmente finden hier eine sichere Heimstatt. Dazu gehören ehemalige Ausstellungsstücke aus dem Palais ebenso wie Originale aus dem Großen Garten. Ergänzt wird die Sammlung durch Gipsabgüsse als wichtige Zustandsdokumentation sowie durch Originalskulpturen aus dem Dresdner Zwinger.
So entsteht im Herzen des Großen Gartens ein Ort, an dem die steinernen Schätze Sachsens bewahrt werden können – geschützt vor Wind, Wetter und dem Zahn der Zeit.
Mehr zur Kopie von "Zeit raubt die Schönheit" und seiner Entstehung gibt es im Blogartikel "Marmor in Perfektion".
Für die Kunsthistorikerin und Mitarbeiterin bei den Staatlichen, Schlösser, Burgen und Gärten gGmbH, Dr. Sabine Wilde schließt sich damit ein Kreis: Die Frage, die sie seit ihrer Studienzeit begleitet, findet mit dem neuen Depot erstmals eine dauerhafte Antwort.










