Histories

Herrschaftlicher Besuch auf der Burg

Falk Schulze /

Porträt von Kaiser Karl V. in einem Bleifenster auf der Burg Gnandstein
In der Nacht vom 18. zum 19. April 1547 übernachtete der römische Kaiser Karl V. (1500-1558) (vermutlich) auf Burg Gnandstein! Welch‘ eine Schlagzeile! Wie kam es zu diesem denkwürdigen Ereignis?

Kaiser Karl V. befand sich auf dem Zug gegen den protestantischen Schmalkaldischen Bund. Dieser wurde 1531 unter Führung von Sachsen und Hessen als Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten und Städte gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers gegründet. Zunächst konnte der Bund seine Macht ausbauen und neue Mitglieder gewinnen. Aber ab 1542 kam es vermehrt zu Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern, was die Schlagkraft des Bundes zunehmend verringerte.

Im Schmalkaldischen Krieg 1546/1547 gelang es schließlich ihm, den Bund zunehmend unter Druck zu setzen und ihn am 24. April 1547 in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe entscheidend zu schlagen. Herzog Moritz von Sachsen (1521-1553) stand zu diesem Zeitpunkt auf Seiten des Kaisers und unterstützte damit das Heilige Römische Reich. Bereits Mitte Oktober 1546 erklärte er seinem Vetter, dem sächsischen Kurfürsten und Führer des Schmalkaldischen Bundes, Johann Friedrich, den Krieg.

Ende Oktober 1546 überschritten böhmische Truppen unter König Ferdinand (1503-1564), dem Bruder des Kaisers, die sächsische Grenze und nahmen Plauen im Vogtland ein, während Herzog Moritz unter anderem Zwickau unter seine Kontrolle brachte. Die Kriegswirren griffen nun auch auf die unmittelbare Umgebung von Gnandstein über. So wurde die Georgenkirche in Borna zerstört. Mit Einbruch des Winters zogen sich Ferdinands Truppen aber wieder nach Böhmen zurück. Dies brachte eine enorme Entlastung für den Schmalkaldischen Bund, der die feindlichen Truppen unteranderem aus dem Gebiet um Jena und Weimar vertreiben konnte.

 

König Ferdinand und Herzog Moritz erachteten in dieser Situation die persönliche Anwesenheit des Kaisers für dringend notwendig. Nach anfänglichem Zögern verkündete Karl V. schließlich Anfang März 1547, dass er persönlich kommen werde. Auf seinem Zug von Nürnberg über Eger gelangte das katholische Heer nach Sachsen. Zahlreiche Zerstörungen und Plünderungen in der Umgebung legen davon Zeugnis ab. So zogen spanische Truppen plündernd durch Tautenhain bei Geithain und zerstörten unter anderem die Finkenmühle. Auch die Kirchen in Jahnshain und in Bocka wurden aufgebrochen und geplündert. Schließlich erreichte das kaiserliche Heer am 18. April 1547 die Nähe von Gnandstein. Während der Kaiser wohl auf Burg Gnandstein übernachtete, wohnte König Ferdinand im Gasthof Gnandstein und Herzog Moritz übernachtete in einem großen Zelt.

Bezüglich der Übernachtung des Kaisers auf Burg Gnandstein war man sich Ende des 19. Jahrhunderts sehr sicher. Im danach benannten und noch heute zu besichtigenden Kaisersaal im Südflügel der Anlage zeugt eine Tafel von dieser Zuversicht. Allerdings dürfte Karl V. nicht in den Räumlichkeiten des Südflügels, sondern vielmehr in der Kaplanswohnung im Nordflügel, über der spätgotischen Kapelle, sein Quartier genommen haben.

Falk Schulze, Museologe der Burg Gnandstein, schläft zwar nicht auf seiner Burg, wohnt aber fast da.


Letzte Änderung: 24.01.2020

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