Gartenkunst

Gartenplaner, Forscher, Spielplatzbauer – die Brüder Terscheck

Stefanie Schuster /

Blühende Kamelie
Die Kamelie im Pillnitzer Schlosspark ist eine Berühmtheit und ihre Herkunft sagenumwoben. Wer sie vor 220 Jahren an ihren heutigen Platz gepflanzt hat, ist dagegen überliefert. Allerdings sind dieser Name und die Personen dahinter etwas in Vergessenheit geraten – zu Unrecht!

Im Dresdner Stadtteil Johannstadt, in der Nähe des Uniklinikums, zwischen der Neubert- und der Hertelstraße, befindet sich die Terscheckstraße. Namensgeber dieser nur circa 120 Meter langen Straße sind die Brüder Carl Adolph und Johann Gottfried Terscheck. Ihr Name ist mit den Gärten der Stadt Dresden und dem Schlosspark Pillnitz verbunden. Überhaupt gehören die Terschecks zu den bekanntesten Gärtnerfamilien Sachsens.

Familienbande

Die Terscheckbrüder entstammen einer Gärtnerfamilie mit Tradition. Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts kommt der Großvater Gottfried nach Dresden und betreibt eine Gärtnerei. Sein Sohn Johann Matthäus geht in den Dienst des Prinzen Karl von Sachsen. 30 Jahre lang pflegt er den Schlossgarten in dessen Residenz Schloss Elsterwerda. Danach wechselt er nach Dresden in den Garten am Japanischen Palais.

 

Johann Matthäus ist der Vater unserer beiden Terschecks. Carl Adolph, der ältere der beiden Brüder, wird im königlichen Schlossgarten des Prinzen Xaver in Zabeltitz ausgebildet und ist danach zwei Jahre als Geselle im Pillnitzer Schlossgarten tätig. Es ist überliefert, dass er 1801 die berühmte Kamelie an ihren heutigen Standort pflanzt. Nach Stationen in Schönbrunn, Paris und Leipzig wird er 1809, wohl als Nachfolger seines Vaters, Hofgärtner im Dresdner Palaisgarten. Unter seiner Leitung entsteht der englische Teil des Gartens zwischen dem Japanischem Palais und der Marienbrücke. Hier sowie im Brühlschen Wallgarten ist nun auch der jüngere der Brüder, Johann Gottfried, als Gehilfe gärtnerisch aktiv.

Von Botanik bis Spielplatz

Allein die Planung von Gärten reicht den Brüdern nicht. Sie haben auch einen wissenschaftlichen Anspruch. Gemeinsam mit dem Botaniker und Zoologen Ludwig Reichenbach entwerfen sie einen botanischen Garten für Dresden. Diesen realisieren sie in der Nähe des Kurländer Palais. 1889 wird der botanische Garten an den heutigen Standort, an die nordwestliche Ecke des Großen Gartens verlegt.

Als wissenschaftlich angelegtes Pflanzenverzeichnis dokumentiert das leider verschollene Werk „Hortus Regius Pillnitziensis“ die Sammlung von circa 16.000 Pflanzenarten im Pillnitzer Schlosspark.

Weitere Facetten ihres Wirkens sind die Anlage von Grünflächen in der Dresdner Innenstadt, die nicht für den Adel, sondern als öffentliche Anlagen für die Dresdner Bürger gedacht sind. Mit wachsendem Bewusstsein speziell für die Bedürfnisse von Kindern entstehen in den 1820er Jahren erste städtische Kinderspielplätze. Wissenschaftliche Grundlagen dafür liefern die Abhandlungen des Arztes Bernhard Faust und des Pädagogen Friedrich Fröbel. Davon inspiriert legt Carl Adolph weitere Kinderspielplätze südlich des Pirnaischen Tores und in der Nähe des Antonplatzes an. Im Jahr 1838 plant er die Gartenanlagen am Dresdner Zwinger, den ersten, sogleich realisierten Teil der Inneren Bürgerwiese und den Herzogingarten. 

Pillnitz wird privater

In Pillnitz ist Johann Gottfried 1832 bis 1865 als Hofgärtner aktiv. Die Umgestaltung des Lustgartens ab 1837 plant vermutlich der ältere Bruder – die Formensprache lässt an seine Projekte in der Dresdner Innenstadt denken. Der zentrale Teil des Pillnitzer Gartens verliert vollständig seine barocke Anmutung und wird im Stil des Biedermeiers modernisiert. Geschwungene Wege, nierenförmige Rasenbeete mit einjährigen Pflanzen und Stauden, Blütensträuchern und Gehölzen gliedern nun die Fläche und schirmen die vorhandenen Sitznischen ab. So wird der repräsentative Lust- und Flaniergarten zu einem privateren Ort. Diese Gartengestaltung hat nur wenige Jahre Bestand. Schon 1867 – nur kurz nachdem die Brüder nicht mehr tätig sind – wird der Lustgarten erneut umgestaltet. Der neue Zeitgeschmack hat andere Ansprüche an einen Garten.

In die aktive Zeit der Terschecks fällt die Planung des Palmenhauses, welches 1859 fertiggestellt wird und heute eine der ältesten erhaltenen Stahl-Glas-Bauten ist. Ein nicht realisierter Entwurf zeigt neben der geplanten Architektur auch den Holländischen Garten vor dem Palmenhaus. Auch hier findet sich die typische organische Formensprache der Tschernecks.

Mit der Abkehr vom Biedermeier verschwinden die auf Privatheit bezogenen Elemente im Schlosspark. Heute kann nur noch daran erinnert werden.

Stefanie Schuster arbeitet als Kulturvermittlerin in Schloss und Park Pillnitz. Hier hat sie das Thema "Spiele" - nicht nur wegen der Terscheck-Brüder - besonders gefangen genommen.


Letzte Änderung: 30.04.2020

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