Die Burg Stolpen hat im Sommer 2026 ein kleines Konvolut von insgesamt fünf handschriftlichen originalen Briefen der Gräfin Cosel als Schenkung erhalten. Die Briefe stammen aus den Jahren zwischen 1712 und 1748. Sie sind unterschiedlichen Themen gewidmet und geben Einblicke in den Lebensalltag der Gräfin.
Hier finden Sie eine Übersicht sowie die vollständigen Transkriptionen der Dokumente.
Quittung - Neujahrsmesse Leipzig 1712
Die Gräfin Cosel quittierte mit Siegel und Unterschrift für den Erhalt von 3.000 Talern aus der General-konsumtionsakzise ([Mehrwert-]Steuer-Kasse) als 2. Rate einer Abfindung von insgesamt 6.000 Talern, die sie an den (die) Grafen von Rantzau ausgereicht hatte.
Vollständiger Wortlaut
Vollständiger Wortlaut
HochEdel gebohrner Herr:
Hochgeehrter Herr Obrister:
Auff der Frau Reichs Gräfin von Cossell
Excellentz Gnädigen Befehl, soll Ew. Hoch.
Edelgebl. ersuchen: 12 Stück Lederne Waße
Eymer, vor dieselbte aufs dauerhaftteste,
verfertigen zu laßen, ihr, den gefallen
zu erzeigen, was wegen befürchtende Schwer,,
ren gewitters, und weiten [hochgelegenen] Platzes, solche
erforderlich und benöthiget seyn; Es hat
vor diesen, da hochgedachte Frau Gräfin Excell:
in dreßden gewohnet, der damahlige Herr
OberzeugMeister Schmied, vor dieselbte ein paar
duzend, von alten Pontons-Leder machen laßen,
die aber im Feuer, und sonst verlohren gangen,
solte aber nun dergleichen Pontons Leder nicht
mehr da sein, so mögte nur ander gut Leder
dazu genommen werden; Sie dürffen nicht mit
Nahmen oder Wappen angemahlet [sein], nur tüchtig
Zeug, wohlverpicht [verpecht], und 4. Stück zur Probe,
erstl. heraus geschickt werden, die bezahlung
soll [ver-]gel[ts]. Gott, nach der Lieverung mit aller
obligation erfolgen; und übrigens vor meine
Persohn mit allen respect verharren
Ew. HochEdel gebohrnen
Meines hochgeehrtesten Herrn Obristens
ergebenste diener
Stolpen d 22. May Johan Holm
1748.
Höchst geehrtester Herr oberster
ich versehe mich baldiger antwort[,] ob ihnen bilibich
sein mögte[,] mein bedürffniß zu übernehmen[,]
oder an allen falß hant reichung zu leisten[,] wo
hin ich mich wenden soll, die bedrauhichliche [bedrohliche]
gefahr[:] [dem-]nechst gott zu begegnen [zu sterben], ich bin mit
Consideratsion [Erwägung/Betrachtung].
ihre wohl affecsionirte [zugeneigte]
La Comtesse de Cossell
Gräfin Cosel an einen Hofrat (wohl Wichmannshausen), Stolpen, den 31. März 1737
Sie erinnert an ihre Erbschaftsansprüche nach dem Tod der Mutter, die bevorzugt zu befriedigen seien, ehe die anderen Nachkommen abgefunden würden. Sie sorgte sich, dass nicht genügend Erbmasse da sei, um alle Schulden zu begleichen. Zuerst die leiblichen Kinder, vor den Enkeln und Urenkeln!
Vollständiger Wortlaut
Vollständiger Wortlaut
64 No. 64 …(?)
Wohlgebohrner Hochst geehrter Herr Hoffraht
ihre meinung wegen den mißbrauch der Eyde ist wohl zu horen[,]
man siehet aber bey der[,] daß die früchte der von adamico [von Adam/Sündenfall] seint
und wohl dem[,] der dieses alles entnüßiget gehet[,] wan schon
durch gewalttahtichkeit oder sonsten übeln hair kommen
hair[,] sich nicht dar mit beflecket und liber abganck leidet[,]
an das zeitlich[,] als daß ienige[,] so strickete verbothenes[,]
kann niemant beßer dar von iondiciren [hinweisen,] als der ieni
ge[,] so mit indiference [Neutralität] in den mittel punckt stehet und [sich]
in der Circonferents [Umkreis] umbschauet[,] waß vor greül daraus ent
springen und wie kein achterlich der schatz der Seelichkeit
ein gesehen wirt[,] weilen dießes aber auch ein relicapel[?]
aus bandora bucße [Pandoras-Büchse,] ist es ein ieden zu überlaßen[,]
wie er will zu recht kommen und ihm frey zu stellen[,]
vor sein gelt zu Eßen[,] waß ihm schmekt: wan man
schon in dreß[d]en andrer meinung[,] ist an den Herren Secretaire
prangen gelangen zu laßen[,] daß ihm belieben wolle[,] sich zu
vor zu stehen[,] so beharre doch dar bey und wirt ver
muhtlich ihm keine prevaricotion [Partei-/Interessenverrat] beygelegt werden können[,]
nach dem daß mütterliche testament weder von die samt
lichen creditores noch kintliche Erben vor gültich lauften kann[,]
weilen nicht genug in reromnatura [natürliche Sachen] befi[n]tlich[,] daß die schulde
ner abgefunden werden mögen und nach so viel überle
bliebe[,] daß die Enklen part [Teil] dran haben[,] es wirt allein
rechten gemaß sein[,] das erstl[.] die befridiget werden[,]
so durch baren vorschuß hair geben[,] nach mals die rechten
Kinder[,] wan sie sich durch erhebliche ursachen sich es nicht
unwürdich gemacht und gott behütte[,] so dießes auch wehr[,]
muß ihnen doch die legitima werden[,] und waß sie durch
gutte und beweißliche dokumenten vor mals ihre Eltern
zur bey steüer und soulagement wohl meinent pres
tiret ergetzet[,] wann nun waß vor handen ist, da aber
scheint das [es] unmüchlich[, dass] die alten schulden getilget werden
können[,] so ist es doch billich[,] daß so viel es auch sein
mach[,] die leiblichen Kinder vor die Encklen und uhr Encklen
gehen[,] ich will mich nicht in streit ein laßen[,] als [in] so weit[, wie]
es die grade gefunde vernufft mit bringet[,] daß daß
testament poure null und nichtich[,] weilen meine frauch
mutter nicht so viel hinterlaßen[,] als sie andren hoffnung
gemacht[,] consequenter ist es eine imbosibilitet [Unmöglichkeit] und wo
selbige predominiret [vorherrscht,] ist nimant gehalten[,] weder
testament codecill oder particulare donation [Teilschenkung] an
zu nehmen[,] vor zu treten oder [zu ver-] suchen zu mainte
niren [vorzutäuschen], ich will noch gedult nehmen[,] bis [ich] sehe[,] waß aus ge
kostet wirt[,] wo [ich] aber mercke[,] daß es in der lange gezogen
und mir dahin geziehlet[,] daß daß gegenwertige bare
gelt verschleüdert und so zu raiden ein arm recht
drauß werde[,] da ein ieder sich ein spiele und ich der
bezahler werde[,] meine billiche forderung cadiren auf
gewiße conventsions da dan gott und die zeit aufprechen
werden[,] wehr es erlebet[,] so komme auf ein mal aus
aller verdrißlichkeit und wirt es doch einer aus den stam
genießen[,] der am nachsten dar zu ist[,] wand an dersel
bige so kluch[,] daß er sich mit die fremden creditores [hin-]zetzet[,]
wirt er sein laiben auf daß vatterliche gut können
enden[,] das wider unb auf den herren secretaire prange
komme[,] so muß ohne aus satz [ohne Zeitverzug] an ihm geschrieben werden[,]
waß ich verlange und so er es nach mals recusirt eine
specification seines verdienst aus gezahlet werden[,]
welches aber nicht als mit meiner aufsicht geschehen solte[,]
er ist ein Ehrlicher man und [es] wehrt[,] wohl bezahlet
und [ihm] wohl begegnet zu werden[,] bitte auch noch mals er
wehnung zu thun[,] wegen der Ehestifftung des herr graff
Hoimy[,] es ist daß haupt stück des fundaments[,] sie wollen
belieben[,] mein vorigen brief nach zu sehen[,] da ich keine ander
vertrostung geben [kann,] daß depenauer inventarium zu [be]schaffen[,]
als daß ich meine Kinder drum begrüßen wollte[,] ich habe
nicht so schlegtes gedachtniß[,] von waß vor mals passirte[,]
mit dis instrucksion[,] so sie ins gesamt den herren
prangen zu gestelt[,] daß sie wehre verlohren gangen[,]
nehmlich daß consept[,] vielleigt ist das inventarium
auf Lartan[?] spiel vertauscht[,] wehr kann die seltsamen
fallen und avanturen [Abenteuer] ergründen[,] doch will mein
versprechen gemäß an der frauh grawin moschinsky
und meinen Sohn drumb anligen und sollen sie alles[,]
waß [ich] dar von erfahre[,] benachrichtiget werden[,]
schließlich bitte [ich] die sentens proverbiorum ca 13 v: ii ein
gedanck zu sein[,] dan daß ist hochst notich[,] ich und mein
Sohn bedürffen [es,] nechst gott[,] [sich] an das[,] waß da ist[,] zu
halten und keine hoffnung auf das entlaigneste
zu machen[,] sonsten müßen wier beede noht
laiden[,] sant misericorde – ni un bor pourquoy
Stolpen[,] d 31 martyi
1737
der herr docktor
maeder hat nach langen harren
alles mit gefallichkeit und gütte
aus geführt[,] in des bedancke mich aufs schonste vor die
beliebte willfehrichkeit ihres bezeigens
Gräfin Cosel an Hofrat Wichmannshausen, Stolpen, den 23. Juni 1737
Die Gräfin Cosel erläutert neuerlich ihre Erbschaftsansprüche nach dem Tod der Mutter Frau von Brockdorff auf Depenau in Holstein. Das letzte mütterliche Testament, das die Enkel und den Urenkel begünstigte, focht sie an – sie müsse als Erste abgefunden werden!
Sie begründete ihre Ansprüche mit der auf dem elterlichen Gut als Schuldverschreibung zu 4 % jährlicher Verzinsung liegengebliebenen Mitgift von 10.000 Reichstalern anlässlich der Heirat mit Freiherrn von Hoym 1703, mit 4.000 Talern zuzüglich Zinsen, die sie einst für ihre Eltern an den Freiherrn von Löwendal für einen Kredit Löwendals an die Eltern zurückzahlte und mit den Ansprüchen ihres Sohnes an sie selbst, der nicht einen baren Heller erhalten habe, obwohl beide Töchter je 100.000 Taler aus ihrem Vermögen als Mitgift zur Hochzeit und je 20.000 Taler als Abfindung auf einen zukünftigen Erbschaftsanspruch zugesprochen bekommen hatten.
Sie werde in keinem Punkt von ihrer Forderung abweichen und glaubte, nur sie allein könne ihre Interessen angemessen vertreten. Ich sitze hier (auf Stolpen) wie ein Stummer und Tauber, der sich von Aberwitz regieren lassen müsse, war ihr Resümee.
Vollständiger Wortlaut
Vollständiger Wortlaut
66. No. 66. …(?)
Wohlgebohrn Hochgest[ellt] geehrter Herr Hoffraht
Es gehoret eine aus nehmende gedult [dazu,] der gleichen fata[litäten] als [wie sie]
mier begegenen[,] mit gelaßen heit zu wider stehen, und so
viel mehr, da mier alle mittel entrißen werden[,] daßienige
billiche zu prosequiren [gerichtlich zu verfolgen], daß nach den gebrauch der rechten [Rechte]
nimant versaget ist, ich sitze hier wie ein stummer und
tauber[,] der von aber witz sich muß regieren laßen und die
ienigen[,] so mier zu gegeben worden[,] seint mit solche
Enge schrancken des gehor samst umb geben, daß sie
weder ihre gutte officia [von Amts wegen] noch vortreffliche geschicklichkeit
dürffen [mir] an gedeyen laßen, ich werde aber dar durch ver
anlaßet[,] auch nichts zu tuhn[,] was meine gegener zur
ersprießlichkeit gereichen kann und soll ich mein vätter
liches und mütterliches [Erbe] verliehren[,] werden sie ihr conto [Rechnung]
nicht darbey finden[,] noch weniger Saigen [Segen] und ruhen [, was sie]
sich [, wie] zu vermuthen [zu erhoffen,] haben; mit gutten Excempel
bin ich ihnen vor[an] gegangen[,] in dehm [ich] aus Ehrfurcht
vor meine Eltern nicht allein die ienigen interessen [Zinsen]
nicht gehoben habe[,] so ver möge der Ehestiftung davor
10000 rhlt [Reichstaler] ohne bedencken ein streigen [streichen] können[,]
Sondern habe auch von bohren [geborgten?] gelt durch den Herren
obermarschschalck Lovendall [Löwendal] Excellens meine Eltern vor
schuß gethan[,] ohne die geringste belästigung[,] ihnen
zu zu muthen. mehrers [des weiteren] da mein Herr Vatter gestorben[,]
offerirte ich meine Frau mutter[, sie] von allen [ihren] schulden [bei mir] zu
befreyen und [sie] biß an [das Ende] ihre Lebzeit kein interes [Zinsen] noch
andern zu ganck zu forderen[,] dor mit ohne aus nahm
meine gnaidige mama nicht allein des respects meines
kindlichen gehorsams über führet[,] sondern auch [und] da mier
keine rechnung vorgezeiget worden[,] welches mich billich
mißfalt[,] ich kann sehr gut laißen aber schlegt schreiben[,]
deßen unbeschadet werde wohl so viel zu waige
bringen[,] daß die rechnung[,] so weit als sie billich seint[,]
contresigniren [prüfen] kann[,] wo sie wißenschaft dar von haben[,]
so bitte ganß ein trägtlich hinführo [es] zu ver wehren[,]
dar mit der gleichen unordnung nicht weiter ein
reiße[,] auch die schon bezahlte rechnung mier zu
zu schicken, es sein domestieque sachen[,] da ich von
wißen muß und [es] nimant verstraiten kann[,] mit
gutten gewißen, sie beliben[,] so weit dießer punckt
ihnen angehet[,] meine generall protestasion gelten zu
laßen und zu glauben[,] daß ich daß aller geschickste
und gerechtsamste von ihm hoffe und [in] ver muhten
bin[,] ich verbleibe in übrigen mit aller hoflichen
heit Wohlgebohrn hochst geehrter Herr
Hoffraht
Stolpen d 23 juni
1737 derro dienstwillige freündin
La Comtesse de Cossell
PS Ich mus ihnen bemühen[,] bey Seiner Excellens den Herren
Geheimten raht von gerstorff an zu halten[,] das Er
der Gütte sey und seiner verstorbenen frauh mutter[,]
der geheimte rahts directerin leichen predigt
auf eine Kurtze Zeit verleihe[,] sie soll Treühlich
widrum zu gestellet werden: das Buch Geistliche
singe stunden[,] welches [ich] vormals begehret [habe,] wirt auch
bey dem Herren von gerstorff an zu treffen sein:
An den Hr Hoffraht zehmen habe nicht geschrieben[,]
weil [mir] sein Tauff nahm unbewust [ist,] über dießes
gerne erstl[.] mit ihnen gesprochen haben [möchte,] gewißer
umb stände halber zu erkundigen[,] so sie gelegenheit
haben[,] bitte ich mich bestens zu entschuldigen[,] es ist nicht
aus grobheit noch andre urachen aus gesetzet blieben[,]
als nur das die motiven ignorire[,] was hiezu anlas
gegeben und ob vielleicht bei meinen laiben etwas
vorgegangen[,] so der billichkeit und wohlstandt
wider spricht: ich wünsche glückliche feyertage[,]
vergnügt zu laiben und meiner allezeit im besten
ein gedenck zu sein[,] adieu
Gräfin Cosel an einen Hofrat (Wichmannshausen), Stolpen, den 12. Januar 1740
Die Gräfin Cosel bedankt sich für die Neujahrswünsche und erwidert sie mit guten Wünschen an den Hofrat. Sie sei so weit gelanget, dass sie alles wie ein Würfelspiel betrachte. Sie leide, dulde in der Stille über alles, was nicht zu ändern stehet, und fand, dass diese Methode das stärkste Hilfsmittel sei, den Geist so zu bemeistern, dass die menschlichen Gefühle, wenn schon nicht überwunden, dennoch beruhigt werden können und ihr alles ganz erträglich vorkomme.
Vollständiger Wortlaut
Vollständiger Wortlaut
90. No. 90. …(?)
Wohlgebohrner Hochst geehrter
Herr Hoffraht
ich bin ihnen schuldichst verbunden vor die
güttige condolens und vernünfftigen neuh
iahrs wunsch[;] es ist wohl an dehm[,] daß
das ersterer nichts anders als schmertzliche
emfindung fruchten kann[,] nach dehm
es aber den hochsten gefallen [hat,] eine
so lange vorbereitung zu gestatten[,]
will mier obligen[,] mit aller gelaßen
heit zu begeben[,] in deßen willen
und vertrauhen mein thun und wün
schen so viele iahre bestandich geruhet
hat, waß mein übriges wohl ergehen [angeht,]
bin [ich] so weit gelanget[,] daß alles wie ein
würffel spiel considerire [betrachte] und mein dato [Ableben?]
auf nichts weiter als auf den allmachti
gen henaus schiebe[,] ohne ein zu sehen [zu überblicken,]
ob menschliche hilffe bei tretten wirt[,]
der billichkeit zu hanthaben[, ich] leide[,] dulde
in der stille[, über] alles[,] waß nicht zu andren [ändern]
stehet[,] finde auch[,] daß dieße methode daß
starckste remedium [Hilfsmittel ist,] dan geist so zu be
meistern[,] daß die menschliche affecten [Gefühle,]
wo nicht ganß und gar über wunden[,]
dennoch in solche geziehmenden schranck
en beruhiget werden[,] daß mier alles
ganß erträglich vor komt: ich nehme
mier die ehre[,] nehbenst gutte gesuntheit[,]
alles zeitliche und Ewiges wohl ergehen ihm
und ihr samtliche angehörige an zu wün
schen[,] dor bey mich und mein interes[sen] ihrer
wohlgewogenheit zu empfehlen[;] gegenwer
tiger wunsch ist interessierlich [von Interesse] vor mich[,] alßo
können sie [daran] desto gewißer abnehmen[,]
daß er mit auffrichtichkeit des hertzens
ihnen zu geschrieben wirt[,] befehle
mich ihr bestandiges gebeht und ange
nehme freüntschafft und verharre
dagegen wie allezeit
Wohlgebohrner hochst
geehrter Herr Hoffraht
Ergebneste freündin
und dienerin
La comtesse de Cossell
Stolpen[,] d 12 janer
1740
Hauptmann Holm an einen Oberst, mit eigenhändigem Zusatz der Gräfin Cosel, Stolpen, den 22. Mai 1748
Die Gräfin Cosel beauftragte Hauptmann Holm dafür zu sorgen, dass für sie 12 Löschwassereimer aus altem Ponton-Leder gefertigt werden (4 Stück vorab zur Probe, ohne ihrem aufgemalten Wappen aber gut mit Pech abgedichtet), so wie sie selbst solche einst in Dresden hat vom Oberzeugmeister fertigen lassen. Die Kosten werde sie übernehmen.
Vollständiger Wortlaut
Vollständiger Wortlaut
90. No. 90. …(?)
Wohlgebohrner Hochst geehrter
Herr Hoffraht
ich bin ihnen schuldichst verbunden vor die
güttige condolens und vernünfftigen neuh
iahrs wunsch[;] es ist wohl an dehm[,] daß
das ersterer nichts anders als schmertzliche
emfindung fruchten kann[,] nach dehm
es aber den hochsten gefallen [hat,] eine
so lange vorbereitung zu gestatten[,]
will mier obligen[,] mit aller gelaßen
heit zu begeben[,] in deßen willen
und vertrauhen mein thun und wün
schen so viele iahre bestandich geruhet
hat, waß mein übriges wohl ergehen [angeht,]
bin [ich] so weit gelanget[,] daß alles wie ein
würffel spiel considerire [betrachte] und mein dato [Ableben?]
auf nichts weiter als auf den allmachti
gen henaus schiebe[,] ohne ein zu sehen [zu überblicken,]
ob menschliche hilffe bei tretten wirt[,]
der billichkeit zu hanthaben[, ich] leide[,] dulde
in der stille[, über] alles[,] waß nicht zu andren [ändern]
stehet[,] finde auch[,] daß dieße methode daß
starckste remedium [Hilfsmittel ist,] dan geist so zu be
meistern[,] daß die menschliche affecten [Gefühle,]
wo nicht ganß und gar über wunden[,]
dennoch in solche geziehmenden schranck
en beruhiget werden[,] daß mier alles
ganß erträglich vor komt: ich nehme
mier die ehre[,] nehbenst gutte gesuntheit[,]
alles zeitliche und Ewiges wohl ergehen ihm
und ihr samtliche angehörige an zu wün
schen[,] dor bey mich und mein interes[sen] ihrer
wohlgewogenheit zu empfehlen[;] gegenwer
tiger wunsch ist interessierlich [von Interesse] vor mich[,] alßo