Gartenkunst

Die stille Vielfalt im Schlosspark

Bennet Knienieder /

Artenreiche Wiese im Großen Schlossgarten mit großer Zahl an Wiesen-Margeriten
Der Schlosspark Pillnitz hält mit der Kamelie und vielen anderen besonderen Gehölzen einige botanische Kostbarkeiten bereit. Doch auch der Blick unter die Bäume und Sträucher, in die Wiesen und Staudenfluren lohnt sich. Denn der Park bietet hier einer Vielzahl an Wildpflanzen einen wertvollen Lebensraum. Diese Vielfalt an Pflanzen und Lebensräumen wurde im Zuge einer studentischen Abschlussarbeit untersucht.

Vielfalt der Pflanzen

Obwohl der Schlosspark mit 27 ha im Vergleich zu anderen Anlagen eher klein ist, konnten über 380 heimische Gräser, Kräuter und von selbst gewachsene Gehölze nachgewiesen werden. Das sind mehr als in vielen anderen, zum Teil größeren Parkanlagen. Es handelt sich bei den vorkommenden Pflanzen nicht nur um häufige Allerweltpflanzen. Auch in Sachsen sehr seltene, in ihrem Bestand abnehmende oder gefährdete Pflanzen bereichern die Artenvielfalt. Sehr häufig tritt in den Wiesen und Rasen des Parks das in Sachsen vom Aussterben bedrohte Erdbeer-Fingerkraut auf. Der Schlosspark beherbergt eines der letzten Vorkommen dieser Art im Freistaat. Ähnliches gilt auch für den Bouché-Milchstern. Diese Zwiebelpflanze fällt unter solche Arten, die typisch für Parkanlagen sind und teilweise aus ehemals angepflanzten Beständen verwildert sind. Auch das in Sachsen gefährdete Zwiebel-Rispengras zählt zu diesen Arten und wächst in Pillnitz vor allem im direkten Umfeld der Baumstämme. Aufgrund des milden Klimas im Elbtal kommen weiterhin Arten vor, die sonst eher in Süd- und Osteuropa auftreten. Beispiele hierfür sind die in Sachsen gefährdeten Arten Kleines Mädesüß, Feld-Mannstreu, Wiesen-Salbei und Gelbe Skabiose. All diese Arten wachsen auf den Wiesen am Elbufer.

 

Vielfalt der Lebensbedingungen

Die Vielfalt der Pflanzen lässt sich auf die Vielfalt an Lebensräumen im Schlosspark zurückführen. Der kleinräumige Wechsel von Wiesen und Gehölzgruppen, Blumenbeeten und häufig gemähten Rasen, Teichen und Mauern führt zu vielfältigeren Lebensbedingungen, als sie oftmals in einer eintönigen Agrarlandschaft oder monotonen Forsten vorzufinden sind.  Dazu trägt auch das in Pillnitz kleinräumige Nebeneinander verschiedener Gartenstile bei. Weiterhin wird ein Großteil der Wiesen des Parks nicht gedüngt und nur zweimal im Jahr gemäht. Man spricht dabei von extensiver Pflege. Über die lange Zeit der Nutzung hinweg wurden den Böden im Schlosspark viele Nährstoffe entzogen. Die daraus resultierende Nährstoffarmut der Böden führt gemeinsam mit der seltenen Mahd dazu, dass die Wiesen artenreicher sind als viele der häufig gemähten und gedüngten landwirtschaftlich genutzten Futterwiesen.

Vielfalt der Lebensräume

Die Wiesen im Großen Schlossgarten, dem Chinesischen Garten und dem Elbufer sind besonders artenreich und können einem Lebensraumtyp zugeordnet werden, der sogar europaweit geschützt ist. Auffällig in diesen Wiesen sind die strahlend weißen Blüten der Wiesen-Margerite oder die violetten der Wiesen-Flockenblume. An manchen trockenen und mageren Stellen im Park bildeten sich Magerrasen und Halbtrockenrasen aus, die von unscheinbaren Gräsern geprägt und ebenfalls geschützt sind. Staudenfluren, die im Park ebenfalls an solchen Stellen vorkommen, sind sachsenweit gefährdet. Selbst manche kurz gehaltenen Rasenparterres sind für solche noch besonders artenreich. Einige gefährdete Pflanzen finden sich außerdem entlang des Elbufers auf der gepflasterten Uferbefestigung, wo der Schnittlauch auffällig blüht, oder den im Sommer trockenfallenden Kiesflächen der Elbe. Für höhlenbewohnenden Tiere ist der Baumbestand in Pillnitz bedeutsam. Viele der alten Bäume weisen Höhlen auf, oft sogar mehrere oder besonders große, und sind als Lebensraum geschützt.

 

Vielfalt erhalten

Diese Vielfalt an Pflanzenarten und Lebensräumen im Schlosspark Pillnitz ist zum Teil von sachsenweiter Bedeutung und muss erhalten werden. Parkanlagen generell bieten gute Voraussetzungen zur Förderung und zum Erhalt der natürlichen Vielfalt, da hier im Vergleich zu forst- oder landschaftlich genutzten Flächen kein wirtschaftlicher Verwertungsdruck des Mahdguts oder der Baumernte besteht. Diese Chance für einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität wird bereits durch die Pflege des Schlossparks gesehen und genutzt. So tragen die seltene Mahd und die ausbleibende Düngung auf vielen Flächen maßgeblich zur Artenvielfalt bei. Auch werden Flächen nicht vollständig an einem Stück gemäht, sondern abschnittsweise und zeitversetzt. So verlieren Insekten nicht ihren Lebensraum und können in der noch stehenden Vegetation Schutz suchen. Möglicherweise können weitere Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen in der Zukunft einen zusätzlichen Beitrag leisten.

Die vorangegangenen Erkenntnisse entstammen einer Abschlussarbeit des Studiengangs Umweltmonitoring an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD). Deren Fakultät Landbau/Umwelt/Chemie befindet sich in direkter Nachbarschaft zu Schloss und Park Pillnitz.

Bennet Knienieder, Bachelor-Absolvent der HTW Dresden, vermisst immer noch ein Lineal und zwei Bleistifte, die während der Kartierungen zwischen den Pflanzen verloren gingen.


Letzte Änderung: 24.01.2020

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