Histories

Todesurteil für Andreas Steyer

Claudia Fischer /

Darstellung aus der Bambergischen Peinlichen Halsgerichtsordnung
Auf Burg Mildenstein wurden seit dem Mittelalter Gerichtsprozesse geführt. Einige auch mit Todesfolge. Heute blicken wir in die alten Gerichtsakten: Andreas Steyer muss sich unter anderem für Kirchenraub verantworten.

Am Morgen des 11. Juni 1677 hört Andreas Steyer vor der Burg Mildenstein sein Todesurteil: 

So möchte Er [...] mit dem Schwerdt von Leben zum Tode gerichtet und gestraffet [...] werden.

Urteil des Landgerichtes Leisnig, Burg Mildenstein

Doch das ist nicht alles. Nach der Hinrichtung des Schwertes soll sein Leichnam auf ein Rad geflochten werden. Geschockt? Nein, das ist Andreas Steyer nicht. Er wusste was ihn erwartet. Den ganzen Tag schon betete und sang er mit den Geistlichen für sein Seelenheil. Auch das letzte Abendmahl hat er bereits am Abend zuvor empfangen.

 

 

Kirchen- und Straußenraub

Andreas Steyer aus Steina (heutiger Ortsteil von Hartha) werden Raub und Kirchendiebstahl vorgeworfen. Auf offener Landstraße hat er eine Frau namens Anna Catharina Frizschin überfallen, sie zu Boden gerissen und sich auf sie gekniet. In einem Säckchen findet er Geld, Ringe, Armbänder und Ketten. Mit dieser lohnenswerten Beute kann er fliehen. Doch es reicht ihm nicht. Er schlägt wieder zu! Sein Ziel: das Vermögen der Kirche in Merckwitz bei Oschatz.

Hier bricht er in die Sakristei ein und flieht mit einem Schloss und einem Altartuch aus dem Fenster. Beides kann er wenigstens für 10 Groschen an Bauern verkaufen. Nicht viel. Also versucht er es ein zweites Mal: Doch umsonst! Er kann nichts Wertvolles mitnehmen und geht mit leeren Händen.

 

Andere Kirche – gleiches Unglück. Bei seinem Einbruch in die Leipziger Universitätskirche St. Pauli (Paulinerkirche) geht auch alles schief. Den alten Holzkasten, der mit Eisenbändern gesichert ist, bricht er auf – doch dieser enthält statt Geld nur nutzlose Dokumente. 

Der Stab wird gebrochen

Nun hat er sich vor dem Landesgericht des Amtes Leisnig zu verantworten. Über seine Festnahme ist in den Akten nichts zu finden. Die Gerichtstische und Bänke werden an der Burgbrücke, also in aller Öffentlichkeit, aufgestellt. Nach dem sich Andreas, nach der peinlichen Befragung (unter Folter), abermals zu seinen Taten bekennt, wird der Stab über ihm gebrochen und vor die Füße geworfen. Mit dem Brechen des Gerichtsstaben ist es amtlich: Er wird zum Tode verurteilt.

 

 

Aber eine Bitte hat er noch: Sein Bruder soll sein Geld behalten und sich um seine Kinder kümmern. Dann wird er von den Herren "Geistlichen Cantore und Schülern zur Richtstatt nach Fischendorff uffen Sand begleitet". Unterhalb der Burg vollstreckt der Scharfrichter das Urteil und flechtet ihn aufs Rad. Nun kann jeder sehen, was mit Räubern und Kirchendieben geschieht.  

 

 

Claudia Fischer ist Museologin auf Burg Mildenstein und urteilt heute nur noch über den Zustand der Exponate in der Ausstellung und im Depot. 

Wie man sich im Mittelalter gegen Kircheneinbrüche wappnete...


Letzte Änderung: 30.04.2020

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