Das Pferd war über viele Jahrhunderte hinweg weit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel: Es galt als Statussymbol, als Ausdruck von Macht und als Sinnbild ritterlicher Tugenden. Wer ein Pferd besaß, zeigte damit gesellschaftliches Ansehen und Wohlstand. Kein Wunder also, dass der Umgang mit diesen edlen Tieren schon früh geübt wurde – oft spielerisch, mithilfe von Steckenpferden. Dieses Kinderspielzeug, bestehend aus einem Stab und einem Pferdekopf, wurde bereits in der Antike erwähnt.
Statussymbol Pferd - Was früher das Pferd war, ist heute das Auto
Vom Steckenpferd zum echten Reittier: Für adlige Gutsbesitzer waren Pferde über viele Jahrhunderte hinweg unverzichtbar. Sie dienten nicht nur als Transportmittel zwischen verschiedenen Wohnsitzen, sondern wurden auch für Reisen, Ausflüge und Jagden genutzt. Das Wissen um den Umgang mit den Tieren wurde von den Vätern an ihren Nachwuchs weitergegeben.
Doch Pferd war nicht gleich Pferd. Unterschieden wurde zwischen den kräftigen Arbeitspferden, die in der Landwirtschaft eingesetzt wurden, und den wesentlich teureren Reit- und Kutschpferden der adligen Herrschaften. In Rammenau waren diese „edlen Rösser“ im sogenannten Ehrenhof untergebracht – räumlich getrennt von den Arbeitstieren. Heute können Besucherinnen und Besucher dort Spannendes über „Fortbewegung im Wandel der Zeit“ und über das Leben der Pferdeknechte erfahren, die sich tagtäglich um die Tiere kümmerten.
Doch wer konnte sich überhaupt ein Pferd leisten? Schon damals war das eine teure Angelegenheit. Bereits ein Arbeitspferd kostete so viel wie der Jahreslohn von 17 Kuhmägden (ohne Verpflegung und Unterkunft). Zwar musste man keine Reifen wechseln oder Benzin tanken – doch im Vergleich zu den geringen Löhnen der Menschen um 1800, waren die Kosten für Futter, Stall und Hufschmied kaum erschwinglich. Kein Wunder also, dass sich die Menschen um die Gesundheit ihrer Tiere sorgten. Dabei kamen unterschiedliche, teilweise ziemlich abenteuerliche Hausmittel zum Einsatz:
Wenn einem Pferd die Würmer im Körper plagen:
„So nimm guten Essig, ein Kännchen Branntwein
für 6 Pfennige, 1 Hand voll Eisenspäne auf das kleinste gestoßen,
klein gestoßene Eierschalen von 10 Eiern, vermenge alles
miteinander und flöße es dem Pferd ein.
Dann verschwinden die Würmer in 3 bis 4 Stunden.“
Blick hinter die Kulissen
Heute stehen im Pferdestall von Schloss Rammenau wieder Pferde – wenn auch aus Holz. Neben spannenden Einblicken in die Wirtschaftsgeschichte rücken vor allem die Menschen in den Mittelpunkt, die einst in der Schloss- und Gutsanlage lebten und arbeiteten. Dafür haben wir in verschiedenen Archiven geforscht, Dokumente gesichtet und die spannendsten Geschichten ans Licht gebracht. Gemeinsam mit dem Berliner Kreativbüro studio klv entstanden daraus neue Vermittlungsformate, die die historischen Lebenswelten lebendig werden lassen. Die neue Dauerausstellung „Kuhstall und Silberteller – Adel und Alltag in Rammenau“ lädt Besucherinnen und Besucher jeden Alters dazu ein, die gegensätzlichen Lebenswelten von Schlossbewohnern und Bediensteten hautnah und interaktiv zu entdecken.
Mehr Geschichten, Einblicke und Hintergründe rund um Schloss Rammenau gibt es außerdem in unserer digitalen Ausstellung.
Julia Kynast-Schmidt ist Kunsthistorikerin und durfte die Ausstellungsvorbereitungen während ihres Volontariats und darüber hinaus begleiten. Sie hätte die edlen Rösser und einige der früheren Schlossbesitzerinnen gern einmal persönlich kennengelernt.





