Kunst & Gut

Nikolaus: ein Heiliger, der Geschenke bringt

Dr. Peter Dänhardt /

In vielen Familien wird der 6. Dezember, der Nikolaustag, sehnlichst erwartet. Doch wer war dieser Nikolaus eigentlich? Und was hat er mit der sächsischen Geschichte zu tun?

"Lustig, lustig tralalalala, ...

..., bald ist Nikolausabend da!“, heißt es in einem Adventslied aus dem 19. Jahrhundert, das bei Kindern für fiebrige Vorfreude, bei Erwachsenen hingegen für einen nervigen Ohrwurm sorgt. Dann heißt es, nur noch schnell die Schuhe putzen und schon sorgen die milden Gaben des Nikolaus für eine kurze Ablenkung während des unerträglichen Wartens auf den Weihnachtsmann …

Auch im Schloss Nossen gibt es einen Nikolaus. Er ist 500 Jahr alt und ganz aus dunklem Holz. Würdevoll steht er in der Vitrine und erinnert dabei eher an den Papst als an einen alten Mann, der Geschenke bringt. Vermutlich stand er einst in einer Dorfkirche oder Schlosskapelle. Er ist eine Leihgabe der Familie von Schönberg für unsere Ausstellung. Was hat es mit diesem Nikolaus auf sich, welche Rolle spielt er in der sächsischen Geschichte und warum dürfen sich Kinder über seine Geschenke freuen?

 

 

Der verehrte Bischof

Eigentlich ist Nikolaus ein Heiliger. Vor ungefähr 1.700 Jahren lebte er als Bischof in Myra, einem kleinen Städtchen in der heutigen Türkei, das damals zum Römischen Reich gehörte. Bischof Nikolaus von Myra führte seine Kirchgemeinde, half den Armen, spendete Trost nach dem Vorbild Jesu Christi – und das in einer Zeit, in der die römischen Kaiser durchaus noch dazu neigten, Christen zu verfolgen und im Kolosseum den wilden Tieren zum Fraß vorzuwerfen. Auch Nikolaus soll in jungen Jahren von den Römern verhaftet und gefoltert worden sein.

Seine letzte Ruhe fand Nikolaus in der Bischofskirche von Myra. Das Grab wurde zur Pilgerstätte, an der Gläubige um himmlischen Beistand baten. Man erzählte Geschichten von seiner Nächstenliebe, seiner Güte, seiner Mildtätigkeit und von den Wundern, die Nikolaus vollbracht haben soll. Es dauerte folglich auch nicht lange bis er ganz offiziell als Heiliger verehrt wurde.

 

Knochen von Heiligen waren im Mittelalter eine begehrte Handelsware. Und so gelangten die Gebeine des Bischofs bald ins süditalienische Bari. Von dort aus verbreitete sich die Verehrung des heiligen Nikolaus in ganz Europa. In vielen Städten wurden Nikolaikirchen als geistliche Zentren aufstrebender Kaufmannssiedlungen gegründet - auch in Sachsen. Noch heute kann man in Leipzig die berühmte Nikolaikirche besuchen. Und auch die Kreuzkirche in Dresden ist ursprünglich als Kirche zu Ehren des heiligen Nikolaus entstanden.

 

Ein vielseitiger Heiliger

Nikolaus gilt als Patron der Kaufleute, Seefahrer, Bäcker und vieler anderer Berufsgruppen. Aber auch Diebe, Prostituierte und Gefangene sowie Alte, Kinder, Schüler und Studierende stehen der Tradition nach unter seinem Schutz.

 

Es verwundert daher nicht, dass der Heilige häufig Pate für die Namenswahl stand. Wichtige sächsische Namensträger im 16. Jahrhundert waren zum Beispiel Nikolaus von Schönberg, Kardinal und enger Papstvertrauter, und Nikolaus von Carlowitz, vorletzter Bischof von Meißen. Und auch die Dresdner Ratsfamilie Münzmeister taufte ihre Söhne gern auf den Namen des heiligen Bischofs.

Helfer in der Not

Was macht diesen Nikolaus nun zum großzügigen Schenker? Dieser Brauch geht auf eine der vielen Legenden zurück, die sich um den heiligen Bischof ranken: Als junger Mann soll Nikolaus, selbst Erbe eines reichen Vermögens, von der großen Not eines Vaters erfahren haben. Dieser arme Mann sah sich gezwungen, seine drei Töchter in die Prostitution zu geben, um Geld für die Familie zu verdienen. Nikolaus warf dem Mann nachts heimlich Gold durchs Fenster, so dass für eine ausreichende Mitgift gesorgt war und die Töchter verheiratet werden konnten. Als Symbol seiner Nächstenliebe trägt der heilige Nikolaus auf vielen Darstellungen deshalb drei goldenen Kugeln – auch unser alter Nikolaus im Schloss Nossen.

 

Der moderne Nikolaus beschenkt inzwischen eigentlich jedes Kind, das wenigstens ein bisschen artig war und die Schuhe einigermaßen geputzt hat. Bei aller Freude über die gefüllten Stiefel sollte man eines aber nicht vergessen – dass es Nikolaus nämlich vor allem darum ging, Menschen in größter Not zu helfen. Ein überaus aktueller Gedanke.

Dr. Peter Dänhardt arbeitet als Museologe im Schloss Nossen und hat natürlich auch seine Schuhe geputzt.


Letzte Änderung: 30.04.2020

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