Kunst & Gut

Mein lieber Freund und Kupferstecher!

oder auch: Das ist doch abgekupfert!

Nele Westphal /

Kupferstich mit dem Selbstbildnis Peter Schenk d. Älteren
Da will man in Ruhe Kupferstiche inventarisieren und stellt bei den näheren Recherchen fest: Hier stimmt etwas nicht! Hier wurde abgekupfert.

Kupferstiche auf der Burg Mildenstein

Die Burg Mildenstein besitzt eine große Sammlung an Grafiken, die inventarisiert und dokumentiert werden müssen. Dabei kommt die eine oder andere Besonderheit ans Licht. So auch hier.

In einem Stapel verborgen, befanden sich die Darstellungen der „Eclogae“ gefertigt von Petrus Schenk dem Älteren (1660-1711) aus der Zeit zwischen 1684 bis 1711. Die „Eclogae“ sind die Hirtengedichte des Dichters Vergil, in denen er unter anderem die damalige Politik, aber auch Themen wie die homosexuelle Liebe zwischen Männern oder die Geburt eines Heilandes aufgreift.

Petrus Schenk der Ältere ist vor allem bekannt für die von ihm herausgegebenen Landkarten jedoch arbeitete er auch als Verleger und gab so auch die „Eclogae“ heraus. Für die Illustration seiner Edition nutze er aber nicht seine eigenen Werke, sondern die anderer.

 

Gespiegelt

In jenem Stapel haben sich auch eine Reihe von Radierungen von Johannes Glauber (1646-1726) befunden. Beim Betrachten seiner anderen Werke stellte ich fest: Die Grafiken kennst du. Es sind dieselben, wie bei Schenk, nur spiegelverkehrt.

 

Der zweite Kupferstich, Ecloge 7, stammt in seinem Motiv selbst von Johannes Glauber. Es zeigt einen Mann, der vor der Büste eines Pans kniet und zu dieser betet. Daher stammt der Titel „Opfer des Pans“.

 

Wie Petrus Schenk an die Vorlagen kam, ist unbekannt. Allerdings lebten beide Kupferstecher 1684 in Amsterdam. Ob Glauber wusste, dass seine Vorlagen verwendet und dafür umgedeutet wurden?

Es ist zu beachten, dass eine „handwerkliche Variation und persönliche Interpretation“ durchaus erlaubt waren. So deutet Schenk den Pan zum griechischen Gott Priapos um.

Abkupfern – daher kommt es!

Mit dem Wort „abkupfern“ ist ursprünglich die Arbeit des Kupferstechers gemeint ... Um einen Kupferstich zu erstellen, überträgt der Stecher die Vorlage auf eine Kupferplatte. Anschließend werden die Linien mit einem Grabstichel in die Platte eingegraben. Dabei entstehen Grate, die begradigt werden müssen.

Im nächsten Schritt wird die Kupferplatte mit Druckerschwärze bestrichen. Die Farbe wird anschließend abgerieben, sodass sie nur in den gravierten Linien sitzt. Die Platte wird nun auf ein angefeuchtetes, weiches Papier gedrückt. Dieses saugt die Farbe auf. Was entsteht ist eine Abbildung auf dem Papier.

Heute ist der Begriff meist negativ behaftet und steht für dreistes Plagiieren oder Kopieren, doch historisch ist dem so.

Abkupfern als Lehrmittel

Seitdem es Kunst gibt, wird sie kopiert. Für die Künstler ist es eine hervorragende Variante gewesen, ihre Werke zu reproduzieren und zu vertreiben.

Für ihre Schüler ist das „Abkupfern“ eine gute Möglichkeit, die Materialien kennenzulernen und den Umgang zu verstehen. Meister, wie Dürer, Rembrandt oder Rubens bildeten ihre Lehrlinge so vortrefflich aus, dass deren Werke nicht von denen ihres Meisters zu unterscheiden waren. Heute führt dies zu Problemen. Von wem stammt das Werk wirklich, Schüler oder Lehrer?

Fazit

Grafiken zu inventarisieren, ist auf den ersten Blick vielleicht nicht die spannendste Arbeit, die ein Museum zu bieten hat. Aber es zeigt sich, selbst in einem Stapel langweilig anmutender Grafiken, verbergen sich manchmal kleine Schätze, die zumindest mir das Gefühl geben etwas Großem auf der Spur zu sein.

Nele Westphal, Praktikantin auf der Burg Mildenstein und Studentin für Museologie in Leipzig, war zu Beginn nicht ganz so begeistert von dem Stapel an Grafiken, wurde dann aber doch eines Besseren belehrt und schwört hiermit, nie wieder vor schnell zu urteilen.


Letzte Änderung: 24.01.2020

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