Histories

Kennen Sie Douglas Bader?

Regina Thiede /

Douglas Bader im Colditzer Schlosshof (vorne Mitte mit Pfeife in der Hand)
... wenn Sie kein Engländer sind, sicher nicht. Dort ist Bader ein berühmter Kriegsheld. Warum? Weil er trotz zweier künstlicher Beine nicht aufgab, wieder ins Flugzeug stieg und im Zweiten Weltkrieg weiterkämpfte. Auf Schloss Colditz saß er drei Jahre in Kriegsgefangenschaft.

Kunstflieger mit künstlichen Beinen

Der 1910 geborene Douglas Bader erhielt seine Fliegerausbildung an einer elitären britischen Royal Air Force Akademie. Bald darauf war er in seinen Kreisen bereits bekannt für seine gewagten Kunstflugmanöver. Bei einem dieser Manöver im Jahre 1931 berührte sein Bristol Bulldog Doppeldecker den Boden, stürzte ab und Bader wurde schwer verletzt. Ein Bein wurde ihm sofort amputiert, das andere wenige Tage später. Die Beinprothesen, die er bekam, hatten zwei ehemalige Flugzeugkonstrukteure für ihn gefertigt. Und er lernte, mit ihnen zu fliegen, und dies so gut, dass ihn die Royal Air Force bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wieder als Jagdflieger einstellte. Bader wurde sogar Kommandeur eines Geschwaders und wegen der Zahl seiner Abschüsse ein gefeierter Kriegsheld. Im August 1941 wurde er selbst Opfer eines Abschusses, konnte noch mit dem Fallschirm aussteigen, wurde jedoch von den Deutschen gefangengenommen. Einen Ausbruchversuch aus seinem ersten Kriegsgefangenenlager bezahlte er mit der Verlegung ins Hochsicherheitslager im Schloss Colditz.

Prominent in Colditz

Schloss Colditz ist im Zweiten Weltkrieg ein Sonderlager für alliierte Offiziere, die prominent sind, besonders feindlich gegenüber dem Deutschen Reich oder Mehrfachausbrecher. Die Fotos, die hier von Bader gemacht wurden, zeigen ihn stets im Zentrum der Gruppe an der Seite des höchsten Offiziers. Er war prominent und Mehrfachausbrecher, durfte trotzdem spazieren gehen, in Restaurants in der Stadt essen und hatte zwei Ordonnanzen (Offiziersburschen). Eine alte Dame aus Colditz berichtete mir 2007, dass er unter deutscher Bewachung des Öfteren bis zu ihrem Elternhaus drei Kilometer vom Schloss entfernt spazierte und sich dort mit ihrem Vater unterhielt. Er linderte ihre Angst vor Bombenabwürfen, weil er erzählte, dass die Alliierten im Umkreis von fünf Kilometern um ein Offizierslager keine Bomben abwerfen würden. Er führte mit ihrem Vater Tauschgeschäfte: Tee, Schokolade und Kaffee gegen frisches Gemüse, Getreide und Eier. Die Schätze hatte er in geheimen Taschen unter dem Mantel versteckt. Eine der interessantesten Geschichten über Bader in Colditz ist Folgende: Bei der Flucht von Pat Reid, Hank Wardle, William Stephens und Ronnie Littledale gelang im Oktober 1942 der „Homerun“.  Die Vier hatten auf ihrem Weg den Schlosshof zu überqueren. Dort stand ein deutscher Wachposten, der aus dem Theatersaal gut zu beobachten war. Douglas Bader fingierte eine Orchesterprobe, dirigierte ein Mozartsches Oboenkonzert und wollte mit einer Musikpause das Zeichen zum Loslaufen geben. Dieser Plan scheiterte, als die Deutschen die verdächtige Musik unterbanden. Die Vier mussten allein über den günstigsten Moment entscheiden. Die Gruppe schaffte es über den Hof und bis in die Schweiz. Die Oboe, die zu dieser Geschichte gehört, kann heute im Fluchtmuseum auf Schloss Colditz besichtigt werden.

Douglas Baders Quartier im Colditzer Lager ist bekannt. Er hatte ein Zimmer im zweiten Obergeschoss des Saalhauses, direkt unter dem Theatersaal. Sein Zimmerfenster ging hinaus in den Hof. So wusste er immer um die Gepflogenheiten der patrouillierenden Wachen.

Als Ansprechpartner für die britischen Besucher sind uns aber auch Geschichten bekannt, die ihn in ein schlechtes Licht stellen. Er soll einen ausgeprägten Standesdünkel besessen und viele Menschen mit seiner Arroganz vor den Kopf gestoßen haben. Auch hatte er im April 1945 kurz vor der Ankunft der Alliierten seine beiden Ordonnanzen nicht unter seinem Schutz mit auf den Abtransport der Prominenten genommen.

Held auch nach dem Krieg

Wie auch immer – zur Siegesparade nach dem Krieg führte er in einer Spitfire eine Formation von 300 Flugzeugen der Royal Air Force an! Sein Leben als „legless pilot“ war Ansporn für die Kriegsversehrten seiner Generation, sich nicht aufzugeben und einen Weg zu finden. Dafür wurde er 1976 geadelt. Königin Elisabeth II. schlug ihn zum Ritter.

1956 wurde Baders Leben sogar verfilmt. Kenneth More verkörperte ihn in dem Film von Lewis Gilbert: „Allen Gewalten zum Trotz“.

Am 5. September 1982 erlag Douglas Bader nach einem Vortrag in London einem Herzleiden.

Bader ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Oflag IV C. Zumindest sehen das unsere britischen Besucher so. Fast alle kennen ihn.  

Regina Thiede ist eine der wenigen Museologinnen im Schlösserland, deren Themen mit der Colditzer Irrenanstaltsgeschichte und der Kriegsgefangenschaft sehr weit ins 20. Jahrhundert hineinreichen.


Letzte Änderung: 30.04.2020

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