Gartenkunst

Die Geschichte zweier Schwestern

Über die Blut-Buchen im Pillnitzer Schlosspark

Sophia Müller /

Es waren einmal zwei Schwestern, die schmückten den Park eines Schlosses… So oder so ähnlich könnte die Geschichte der beiden Blut-Buchen im Pillnitzer Schlosspark beginnen. Mehr als 130 Jahre prägten sie das Bild des Lustgartens zwischen Berg- und Wasserpalais – am 07. November 2025 fand diese Geschichte ein trauriges Ende. Doch wie begann sie?

Vom ewigen Wandel des Lustgartens

Der Lustgarten entstand unter August dem Starken als barockes Schmuckstück mit symmetrischem Grundriss und Beeten in geometrischen Formen. Anfang des 19. Jahrhunderts war diese Gestaltung jedoch gänzlich außer Mode gekommen. Hofgärtner Johann Gottfried Terscheck gestaltete den Lustgarten im Biedermeierstil neu: nierenförmige Beete mit Stauden, Blütensträucher und mittelhohe Gehölze bestimmten das Bild.

Von großen Buchen noch keine Spur! Diese lassen sich auf Planungen des preußischen Gartendirektors Peter Joseph Lenné und dem Hofgartendirektor Gustav Friedrich Krause zurückführen. Krause setzte sich für Gehölzpflanzungen im Randbereich ein, da der Lustgarten, nach seiner Aussage, sonst „ungeachtet der besten Pflege monoton gewirkt haben würde“. Sein Ziel war es außerdem den großen Innenhof zu verschatten – als hätte er den Klimawandel vorhergesehen! In dieser Phase der Umgestaltung wurden auch die beiden Blut-Buchen gepflanzt.

 

Vom Verhängnis der Schwestern

Seither waren die beiden Blut-Buchen ein Blickfang im Lustgarten und geschätzte Zeitzeugen. Doch extreme Hitze, anhaltende Trockenheit und Bodenverdichtung entlang der Wege schwächten sie erheblich. Diese Faktoren begünstigten den Befall der Bäume durch den Riesenporling, einen holzzersetzenden Pilz.

 

Der Riesenporling dringt über verletzte Wurzeln ein und breitet sich zunächst unbemerkt aus. Er schwächt den Wurzelstock durch eine Weißfäule und gefährdet damit die Standsicherheit des Baumes. Sichtbar wird der Befall erst, wenn der Pilz seine großen lappenartigen Fruchtkörper an den Wurzeln ausbildet.

Schon gewusst?

Von jeher lädt der glatte Stamm der Buche dazu ein, Botschaften in die Rinde zu ritzen, so auch bei den beiden Schwestern. Nach einer Theorie zur Entstehung des Wortes „Buchstabe“ lässt es sich auf die Buchenstäbchen der Germanen zurückzuführen, in die sie ihre Runen ritzen.

Von der Rettung zweier Schönheiten

Da diese beiden Bäume so wichtig für das Gartendenkmal Pillnitzer Schlosspark waren, wurden umfangreiche Rettungsversuche unternommen. Retter in der Not sollte ein anderer Pilz sein! Schlauchpilze der Gattung Trichoderma sollten als natürliche Gegenspieler den Riesenporling eindämmen. Dazu wurden im Jahr 2021 die Wurzeln der Blut-Buche auf der Seite des Wasserpalais behandelt. Das war ein aufwendiger Prozess, musste doch die Erde mit einer Druckluftlanze gelöst und vorsichtig mit einem Saugbagger entfernt werden, bevor der rettende Gegenspieler auf die freigelegten Wurzeln gesprüht werden konnte. Weitere Pflegemaßnahmen wie regelmäßiges Wässern, Düngen und Bodendurchlüftung sollten eine Chance auf Erholung bieten.

 

Vom Schicksal zweier Zeitzeugen

Trotz aller Bemühungen blieb der Erfolg aus. 2021 musste die Blut-Buche auf der Seite des Bergpalais gefällt werden. Ihre Standsicherheit war nicht mehr gegeben. Zwei Künstler gestalteten den Stamm zu einem Mahnmal an den Klimawandel. Im November 2025 musste auch die zweite Buche am Wasserpalais entastet werden, da große Bruchgefahr bestand. Der Versuch, aus ihren Ästen neue Setzlinge zu ziehen, scheiterte. Die Triebe sollten zu genetisch identischen Bäumen heranwachsen, waren jedoch bereits zu geschwächt und die Nachtzucht blieb erfolglos.

 

Blick in die Vergangenheit

Ein Blick in die Zukunft

Und damit endet die Geschichte der beiden Schwestern. Doch vielleicht wird damit auch ein neues Kapitel in der Geschichte des ewig im Wandel befindlichen Lustgartens aufgeschlagen.

Was meinen Sie? Wie kann dieser Wandel aussehen? Sagen Sie uns hier gerne Ihre Idee!

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Sophia Müller ist Museologin in Schloss und Park Pillnitz, liebt aber nicht nur ihre Sammlungsobjekte im Schloss sondern auch die wachsenden Schmuckstücke im Park.


Letzte Änderung: 24.01.2020

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