Kunst & Gut

In den Frühling mit unserem Objekt des Monats: Der Glasblumenleuchter von Schloss Weesenstein

Birgit Finger / Annekathrin Heichler /

Glasblumenleuchter Weesenstein Detail
Es ist April, alles sprießt und grünt – und dieser Kronleuchter holt die Natur auch nach drinnen. Seine zarten Glasblumen stammen aus Böhmen und ließen einst den wettinischen Hof erstrahlen. Hier erzählen wir seine Geschichte.

Der wunderschöne Glasblumenleuchter im ehemaligen Wohnzimmer der Königin Amalie Auguste von Sachsen ist ein besonderes Objekt der Weesensteiner Schlossausstattung. Er gehört zum Altbestand des Schlosses – ein Wunder, wie er die Zeiten fast unversehrt überlebte! Die hauchzarten Glasblüten und Glasblätter verleihen dem Kronleuchter eine filigrane Erscheinung. Fast verschwinden die einzelnen Brennstellen und Leuchterarme unter der gläsernen Farbenpracht. 

Glasblumenleuchter
Entwurf: Ludwig Lobmeyr, um 1850
Bronze gegossen und vergoldet, Glas (böhmisch) montiert, Höhe ca. 107 cm, Durchmesser 75 cm
Schloss Weesenstein, Inv. Nr. V/02810/E3

Mehr Schmuck als Licht

Jeder Leuchterarm trägt zwei Lichttüllen, so dass insgesamt zwölf „Kerzenblüten“ den Blattranken entspringen; hier haben zwölf Wachskerzen Platz. Es sind farbenfrohe Winden, die der Glaskünstler der Natur nachempfunden hat. Sicherlich diente der kunstvoll gestaltete Kronleuchter so mehr der Raumzierde als der Beleuchtung. Zwei passende Tischleuchter ergänzten das Ensemble.

Amalie Auguste und ihr Mann König Johann bewohnten Schloss Weesenstein zusammen mit ihrer großen Familie von 1838 bis 1873 − allerdings nur für einige Wochen im Jahr, meist im Frühjahr oder Herbst. Sie ließen Teile des Unterschlosses im historistischen Stil umgestalten und einige Modernisierungen vornehmen.

 

Vielleicht kaufte die Königin den Leuchter für das romantische Felsenschloss im Müglitztal. Möglicherweise gelangte das kostbare Stück auch als Geschenk nach Weesenstein, denn es bestanden zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen nach Österreich.

Kaiserlich und Königlich

Apropos Österreich: Zwar stammt das Glas aus Böhmen, doch der Weesensteiner Leuchter ist ein Produkt der Wiener Glas- und Lüstermanufaktur J. & L. Lobmeyr. Ein Entwurf des Modells existiert bis heute im Archiv der Firma. Er entstammt dem Skizzenbuch Ludwig Lobmeyrs (1829−1917), der bereits im Alter von elf Jahren als Lehrling und später als Geschäftsführer bei Lobmeyr tätig war. Lobmeyr war „k.u.k. Hoflieferant“ – kaiserlicher und königlicher Hoflieferant der österreich-ungarischen Monarchie. Deswegen besitzt unser Leuchter aus Weesenstein auch ein „Geschwisterchen“, das in höchsten Kreisen logierte: Ein ebensolches Exemplar wurde für Kaiser Maximilian I. von Mexiko, den jüngeren Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I., gefertigt.

Lobmeyr stattete Adelssitze, Schlösser und Privathäuser weit über österreichische Grenzen hinaus aus – und so kam unser Leuchter nach Schloss Weesenstein, wo er in jeder Jahreszeit für einen Hauch von Frühling sorgt.

 

Dr. Birgit Finger kümmert sich als Museologin um die Sammlung von Schloss Weesenstein und hat mir ihrer Begeisterung für dieses filigrane Objekt auch die wissenschaftliche Volontärin Annekathrin Heichler angesteckt. Die beiden wünschen allen einen schönen Frühlingsanfang!


Letzte Änderung: 30.04.2020

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