Histories

Keine Angst vor Dante!

Dr. Birgit Finger /

Dante Alighieri auf einer Darstellung des 19. Jahrhunderts
Italien feiert am 14. September den 700. Todestag seines Nationaldichters Dante Alighieri, den berühmten Dichter der Göttlichen Komödie. Roberto Benigni eröffnete im März dieses Jahres anlässlich des Jubiläums das Dante-Jahr in Italien. Der Schauspieler, bekannt aus dem Film „Das Leben ist schön“, füllt in Italien Marktplätze mit seinen Lesungen aus dem berühmten Buch. Doch auch in Sachsen gibt es enge Beziehungen zu der mittelalterlichen Lektüre.

Ein schwerer Brocken!

Die Göttliche Komödie, italienisch Divina Commedia, gehört zur Weltliteratur und ist die wichtigste Erzählung der italienischen Literatur. Kein anderer Klassiker wird jedoch so oft begonnen und wieder weggelegt. Fast 700 Jahre alt, ist die Dichtung noch immer aktuell! Erstaunlich viele Bezüge gibt es in der Musik, im Film und in der Literatur: Dan Browns Thriller Inferno, Illustrationen von Salvador Dalí, der Comic Die Göttliche Entenkomödie, das Action-Computerspiel Dante’s Inferno

Was ist das Besondere an der Göttlichen Komödie?

Dante unternimmt in seiner Komödie eine abenteuerliche Reise. Er durchquert die drei Reiche des Jenseits – erfährt die Schrecken der Hölle, die Qualen im Fegefeuer und die Liebe im Paradies. Sein Abenteuer beginnt in der Nacht zum Karfreitag im Heiligen Jahr 1300 und dauert eine Woche. Die Göttliche Komödie besteht aus 14.233 Versen. Sie ist sein Hauptwerk – und bewirkte den Durchbruch der italienischen Schriftsprache. In einer Art Bildungsroman vermittelt Dante historisches und theologisches Wissen. Viele historische Persönlichkeiten tauchen auf. Durchdacht ist auch die Zahlensymbolik. So beziehen sich die Dreiteilung und das dreiteilige Versmaß auf die göttliche Zahl Drei als Zeichen der Dreifaltigkeit. Die Göttliche Komödie ist natürlich keine Komödie im eigentlichen Sinne. Dante nannte sie nur so, weil sie sozusagen ein Happy End hat.

Wer war Dante Alighieri?

Der Dichter lebte in einer gewalttätigen und kriegerischen Zeit. 1265 in eine adlige Familie in Florenz geboren, besaß er zahlreiche Ämter und war ein mächtiger Mann. Im Streit zwischen den kaisertreuen Ghibellinen und den papsttreuen Guelfen geriet er zwischen die Fronten und wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Er ging ins Exil und kehrte nie wieder in seine Heimatstadt zurück. Bereits berühmt, wurde er überall gern aufgenommen, auch in Verona und Lucca. 1321 starb er in Ravenna an Malaria – kurz nach der Vollendung seiner Göttlichen Komödie.

Der Dante-König!

Neuen Glanz erhielt die Göttliche Komödie in der Zeit der Romantik. Literaten, Maler und Musiker beschäftigten sich intensiv mit dem mittelalterlichen Epos. Auf seiner ersten Italienreise 1821 kaufte Prinz Johann von Sachsen eher zufällig bei einem Straßenhändler in Pavia eine Ausgabe der Divina Commedia. Noch auf der Heimreise begann er mit dem Lesen. Das Dante-Fieber hatte ihn gepackt! So entstand seine bis heute anerkannte Übersetzung, die an Schönheit und Ausdrucksstärke unübertroffen bleibt und noch immer gedruckt wird. Auch in seinem Lieblingsschloss Weesenstein arbeitete der gelehrte Monarch an seinem umfangreichen Werk, für dessen Herausgabe er das Pseudonym Philalethes (griechisch für 'Freund der Wahrheit') wählte.

 

Im Salettchen, dem Empfangssaal des Schlosses Weesenstein, ließ der Monarch zwei Deckengemälde anbringen. Das eine zeigt Poetica, die Verkörperung der Dichtkunst, mit einem Band der Göttliche Komödie, dem Inferno. Die Beschäftigung mit der Dichtung dauerte bei Johann ein Leben lang. Er gründete eine Abendgesellschaft und diskutierte im Kreis von Künstlern und Gelehrten seine Übersetzung. Nach einem Probedruck der ersten zehn Gesänge der Hölle erschienen zwischen 1839 und 1849 alle drei Bände. Ein reger Briefwechsel verband den Autor mit anderen Dante-Forschern und Gelehrten wie den Brüdern Grimm oder Wilhelm von Humboldt. Schon zu Lebzeiten erfuhr der königliche Übersetzer hohe Ehrungen. In seiner Begeisterung trug er eine legendäre Dante-Bibliothek zusammen, zu der nicht nur Bücher, sondern auch über 100 kostbare Illustrationen gehörten. Für Italien hegte Johann eine außergewöhnliche Leidenschaft. Eine seiner zahlreichen Reisen unternahm er auf den Spuren Dantes.

Die drei Teile ...

… der Göttlichen Komödie sind die Hölle, das Fegefeuer und das Paradies. Insgesamt handelt es sich um 100 Gesänge. Am eindrucksvollsten ist seit jeher die Hölle: Sie besteht aus einem gewaltigen unterirdischen Trichter mit neun Höllenkreisen. Darin verbüßen die zur ewigen Verdammnis verurteilten Sünder ihre schrecklichen Strafen. Nach der Hölle erklimmt Dante den Läuterungsberg. Hier werden die Seelen der Sünder geläutert, die Vergebung erlangen konnten. Aus dem Irdischen Paradies, dem Garten Eden, steigt der Dichter in das himmlische Paradies auf. Es liegt über der Spitze des Läuterungsberges und besteht aus neun Engelskreisen. Dantes Jugendliebe Beatrice führt den Dichter von einem Himmel zum anderen und bringt ihn dem Kristallhimmel näher. Am Ende schaut Dante das göttliche Licht und erlebt die absolute Seligkeit.

Wer die Göttliche Komödie in Kurzform erleben will, dem sei zu Sommers Weltliteratur to go (Reclam) geraten. Kompakt und unterhaltsam bieten Michael Sommer und sein Playmobilensemble die Geschichte dar: sommers-weltliteratur.de/die-goettliche-komoedie.

Bis heute prägt die Göttliche Komödie unser Bild von Hölle und Fegefeuer. Dante Alighieri drückte in seinem 700 Jahre alten Epos seine Sehnsucht nach einer besseren Welt aus. Dies ist bis heute aktuell.

In diesem Sommer besuchte Museologin Dr. Birgit Finger voller Ehrfurcht das Grabmal Dante Alighieris in der ehemaligen Klosterkirche San Francesco in Ravenna.


Letzte Änderung: 30.04.2020

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