Gartenkunst

Der Aha-Effekt

Dr. Birgit Finger / Simone Ruby /

Schloss und Garten Großsedlitz, Lithografie von um 1840, Wilhelm Peters
Bei einem Spaziergang durch unsere Gärten können Besucher so manche Überraschung erleben – oder eben einen Aha-Effekt.

Nur wenige Kilometer von Dresden entfernt liegt der Barockgarten Großsedlitz. Die Anlage ist ein bedeutender barocker Park und einer der schönsten Gärten Sachsens. Mit seinen breiten Treppenanlagen, exotischen Pflanzen, zahlreichen Wasserspielen und mythologischen Sandsteinskulpturen lädt die Anlage zum Flanieren und Verweilen ein. Am östlichen Rand des Barockgartens findet man den sogenannten Hasensprung oder das Aha. Auch im unweit gelegenen Schloss Pillnitz gibt es ein solches Aha. Es grenzt die innere Parkanlage von der flussabwärts liegenden Maillebahn ab.

Was aber ist ein Aha?

Ein Aha, Ha-Ha oder Ah-Ah zählt zu den vielfältigen Gestaltungsmitteln der Gartenkunst. Zu diesen Mitteln zählen Treppen, Wege, Springbrunnen, Architekturelemente, Skulpturen und Blumenbeete. Ein Aha ersetzt eine sichtbare Garteneinfriedung. Der Blick auf das Gelände und die umgebende Landschaft bleibt somit frei und wird nicht durch eine Mauer oder Ähnliches verstellt. Dadurch wirkt der Garten zum einen größer, zum anderen überraschend, wenn es auf einmal nicht mehr weiter geht. Plötzlich endet der Weg.

 

Solche unvorhergesehenen Momente spielen in der Kunst des Barocks eine große Rolle: Was tun? Man schaut in die Ferne und es erklingt − wegen der Schönheit des Blickes − ein „Aha!“ aus allen Mündern. Die Spaziergänger weichen aus und sehen einen anderen Raum, sozusagen ein anderes Bild. So lenkt der Garten selbst die Besucher und eröffnet ihnen immer neue Bilder.

Hasen haben kein Problem

Ein Aha dient aber auch der Sicherheit, denn er ist ein tiefer und trockener unüberwindlicher Graben mit steilen Böschungen. Deutlich unter Geländeniveau liegend verhindert er, dass Tiere und ungebetene Gäste in den Garten gelangen. Für springende Hasen stellte der Graben wahrscheinlich keine Hürde dar, deshalb der umgangssprachliche Name „Hasensprung“. Ebenso kann ein Aha aus einer Mauer im Graben bestehen.

Der Sonne hinterher

Bemerkenswert ist jedoch nicht nur das Überraschungsmoment des freien Blicks, sondern auch die Tatsache, dass im Großsedlitzer Barockgarten offenbar nicht zufällig die Ausrichtung der Achsen gewählt wurde. Die vom über das Aha zum Friedrichschlösschen verlaufende Achse zeigt nämlich folgende Besonderheit: Am Tag der Wintersonnenwende geht die Sonne genau über dem Friedrichschlösschen unter. Hingegen erscheint die Sonne am frühen Morgen der Sommer-sonnenwende genau am Horizont, wenn man vom Schlösschen aus über die Achse mit dem Aha schaut.

Die Landschaftsarchitektin Simone Ruby forscht zur Geschichte des barocken Gartenkunstwerks Großsedlitz. Dr. Birgit Finger ist Kunsthistorikerin und staunt über die mitunter kostspieligen Ideen in der Gartenkunst, aber auch über das Können der heutigen Gärtner.


Letzte Änderung: 30.04.2020

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