Kunst & Gut

Schuss, Sieg, Silber

Mara Hammer /

Drei Weberschiffchen im Eck. Darüber eine kostbare Krone. Das Ganze umrahmt von fein gearbeiteten Ranken des Akanthus. Hier ist jemand mächtig stolz auf sein Handwerk. Nur die Löwen ruinieren das Bild.

Von Schützen und Königen

Pfingsten, 1738. Rochlitz feiert friedlich. Ganz Rochlitz? Nein, eine Truppe eifriger Schützen stört die Ruhe. Immer wieder schallt das Geräusch von Schüssen durch die Straßen. Traditionell feiert die Rochlitzer Schützengesellschaft jedes Jahr zu Pfingsten ihr Schützenfest, und da darf ein Wettschießen nicht fehlen. Der Gewinner hat die Ehre, ein silbernes Schild mit seinem Namen an die große Schützenkette der Gesellschaft zu hängen. Knapp bei Kasse durfte der Schützenkönig jedoch nicht sein. Die Fertigung des Schildes plus ein üppiges Festessen für die Schützenbrüder gehen auf seine Rechnung. Daniel Weise, ein Rochlitzer Webermeister, ist der Glückliche. Ob er bei der Gestaltung seiner Gravuren auf dem Schützenschild doch etwas sparen wollte, bleibt Spekulation. 

 

Den Vogel abschießen

Zeitsprung: Wir befinden uns im Jahr 1456. In Borna findet das jährliche Landesschießen statt. Hier misst sich Rochlitz mit anderen sächsischen Städten, darunter Leipzig, Mittweide und Döbeln. Und das erfolgreich. Noch heute erinnert ein Königschild an der Bornaer Schützenkette an den grandiosen Sieg der Rochlitzer an diesem Tag. Und zugleich ist es der erste Nachweis für die Existenz einer Schützengesellschaft in Rochlitz.

Geschossen wurde auf eine hölzerne Vogelfigur, die auf einer Stange angebracht war. Auch ging es deutlich leiser zu. Zu dieser Zeit ist die Armbrust noch die gängige Waffe der Schützengesellschaften. Erst später ändert sich das zu Gunsten der moderneren Feuerwaffen. Auch der Vogel kommt aus der Mode. Geschossen wird nun - ähnlich wie heute - auf eine hölzerne Scheibe mit aufgemalten Ringen. Nur sind die Scheiben deutlich größer.

 

Lob und Tadel

Der Landesherr sieht die Schützengilden durchaus gern und unterstützt sie finanziell, denn so hat er ein Kontingent an gut ausgebildeten, waffentüchigen Männern in seinen Städten. Doch längst nicht alle sind von den Schützen begeistert, wie ein Vorfall aus dem Jahr 1781 beweist: Caroline, die Tochter des städtischen Diakons, spazierte eines schönen Augusttages am Rochlitzer Schießhaus vorbei, an dem gerade fleißig geübt wurde. Ein Schuss ging übers Ziel hinaus und traf die junge Frau. Glück im Unglück. Die Kugel erwischte den Ellenbogen und konnte ohne Komplikationen entfernt werden. Die Schützen zahlten die Operation und obendrauf noch einen Kuraufenthalt. Die Ursache für den Unfall - eine fehlende Schutzwand zur Straße - wurde jedoch nicht behoben. 

Mara Hammer ist Studentin der Museologie. In einem mehrwöchigen Praktikum ließ sie sich vom Glanz des Rochlitzer Schützensilbers blenden. 


Letzte Änderung: 29.03.2022

Weitere Artikel