Hinter den Kulissen

37 Jahre Moritzburg – unsere Restauratorin Gabi Hilsky verabschiedet sich

Antje Borrmann /

Seit 1982 ist Gabriele Hilsky als Restauratorin in Moritzburg tätig. Mit Liebe und Begeisterung kümmerte sie sich zum Beispiel um die wertvollen Ledertapeten aus der Zeit Augusts des Starken. Nun ist es Zeit für den Ruhestand. Doch zuvor steht sie dem Wissensportal noch Rede und Antwort:

Frau Hilsky, fast vier Jahrzehnte waren Sie im Schloss Moritzburg tätig. Da gibt es sicher viele Erinnerungen. An welchen Moment Ihrer Zeit in Moritzburg möchten Sie aber auf keinen Fall zurückdenken?

Eines morgens zu Hause in der Frühe etwa 4:30 Uhr klingelte das Telefon. Die Stimme eines Kollegen aus dem Schloss ließ mich ganz schnell in der Wirklichkeit ankommen: „Du musst gleich kommen. Es brennt." Das Herz fing an zu rasen, Zittern am ganzen Körper. Kein klarer Gedanke kommt … So ging das noch die ganze Autofahrt. Am Schloss angekommen sah ich schon von weitem die vielen Leute und die Feuerwehren. Dann Personenkontrolle, um durch die Absperrung zu kommen. Bei den Kollegen angekommen ernste Gesichter und irgendwann der Satz: „Es ist eine Übung“. Puh. Das Adrenalin blieb noch eine ganze Weile.

Alte Möbel, Gemälde, Hirschköpfe in einem Schloss wie Moritzburg gibt es für eine Restauratorin zahllose spannende Aufgaben. Was war Ihr persönlicher Karriere-Höhepunkt?

Es gab viele Höhepunkte. Einer davon ist wohl nicht zu übertreffen: als die geprägten Ledertapeten in drei Räumen des Schlosses im Sommer 2016 nach mehr als fünfjähriger Restaurierung wieder an den Wänden hingen. Viele Jahre Forschung und Vorbereitung waren der Restaurierung vorausgegangen. Es galt, Leder nähen und prägen zu lernen und vieles mehr. 132 zer- und beschnittene Teile mussten für einen Raum recherchiert, untersucht, vervollständigt  und restauriert werden – eine sehr reizvolle Herausforderung. Ohne eine starke Vision des Ergebnisses und einer guten Restauratorengruppe wäre das nicht zu schaffen gewesen. Erstmalig hatte ich die Leitung einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe und die gesamten Planungen auf dem Tisch. Da liegt ein großer Berg vor einem und es kommen Zweifel auf, ob man das schafft. Aber der Mensch wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. Wenn ich in einem der Zimmer stehe, bin ich nach wie vor vom Ergebnis beeindruckt und freue mich.

 

Im vergangenen Jahr war den wertvollen Ledertapeten und Ihrer Arbeit eine Sonderausstellung in Moritzburg gewidmet. Dabei konnte man auch etwas über die Gefahren durch Insekten lernen. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über diese Schädlinge.

Das können sehr anhängliche, hungrige Wesen sein. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mich mein ganzes Berufsleben begleiten werden. Geträumt habe ich zum Glück noch nicht von ihnen. Da jede Medaille zwei Seiten hat, gibt es beim Thema Schädlinge Gutes und Schlechtes. Neben den so genannten Holzwürmern waren es im Zusammenhang mit den Ledertapeten die Larven der gefräßigen Brotkäfer, die uns beschäftigten. Früher aufgebrachte Mehlkleister schmeckten denen scheinbar ausgezeichnet. Dabei wurde auch das Leder mit weggeknappert. Das führte zu intensiven Reinigungsarbeiten an vielen tausend Stücken deponierter Goldledertapete. Einmal in den Händen, erfolgte auch gleich die Inventarisierung aller Stücke. Wir wissen jetzt bis zum letzten Zipfelchen, welche und wie viel Stücke Ledertapete Moritzburg im Depot besitzt. Nach Mustern geordnet, vermessen, fotografiert und sauber in säurefreien Kartons gelagert werden sie nun jährlich kontrolliert.

 

Für Moritzburg hat sich die jährliche Winterausstellung "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" zu einem wahren Besuchermagnet entwickelt. Teilen Sie uns Ihre wahre und ehrliche Meinung zu Aschenbrödel mit?

Ach ja – eine schöne Geschichte im doppelten Sinn, an sich das Märchen und auch für Moritzburg. Es sind eben die Emotionen dahinter, die Groß und Klein nach Moritzburg ziehen. Ich konnte diesen Hype anfangs nicht verstehen. Mittlerweile gehört es aber auch für mich im Winter in das Schloss Moritzburg. Ein schönes Märchen, bei dem einfach alles zusammen passt. Sicher hat jeder Besucher dazu seine eigene Geschichte, die ihn dann jährlich dahin zieht. Allerdings hinterlassen so viele Menschen im historischen Gebäude auch Spuren. Ich meine die Abnutzung an Gebäudeteilen etc. Was mich sehr umtreibt, sind die vielen Kaugummis auf den historischen Böden. So etwas zu verhindern oder wenigstens zu reduzieren wird eine zukünftige Aufgabe sein. Eine weitere Herausforderung für alle Beteiligten ist und bleibt die kurze Umbauphase zwischen den verschiedenen Sonderausstellungen.

Und nun beginnt für Sie ein neuer Lebensabschnitt. Was machen Sie so ab September 2020?

Zuerst einmal mache ich den Versuch, meine Tage neu zu strukturieren. Da ich ein Nachtmensch bin, werde ich das spätere Aufstehen morgens genießen. Mehr sportliche Betätigung und Yoga sollen eine Rolle spielen. Viel Zeit werde ich unserem Enkel widmen. Er ist der absolute Sonnenschein in meinem Leben. Naja, und einiges an gesammeltem Material (Papiere, Fotos, Farben, Leinwände, Naturmaterialien, Leder etc.) wartet darauf, zu Collagen verarbeitet zu werden. Da ich absoluter Baumfan bin, werden die Natur und die Fotografie sicher weiter eine tragende Rolle spielen. Ich bin schon gespannt, wie das nach 37 Jahren nun so ohne Moritzburg sein wird. Den Kontakt möchte ich natürlich halten.

Gabriele Hilsky geht nach 37 Jahren in Moritzburg in den wohlverdienten Ruhestand. Sie hat aber versprochen, uns immer mal zu besuchen. Wir freuen uns darauf!


Letzte Änderung: 30.04.2020

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