Gartenkunst

„Übet guten Brauch, schonet Baum und Strauch“ - ein Park für Stolpen

Jonas Blankenburg /

Auf einer kolorierten Lithographie ist die Burgruine Stolpen zu sehen. Im Vordergrund grasen Kühe.
Südlich der Burgruine Stolpen erstreckt sich eine weitläufige Parkanlage. Ihre Entstehung vor 180 Jahren verdankt sie dem demokratischen Engagement der Stolpener Bürgerschaft.

Die Geschichte des Stolpener Stadtparks beginnt 1841 auf einer wüsten Fläche am Südhang der Burgruine. Einst wurde hier in einem Tiergarten Wild für den Kurfürsten August gehalten und nun grasten die Schafe des Kammergutes Rennersdorf zwischen Schutthaufen und Mauerresten, die nach der Sprengung der südlichen Burgmauer durch die napoleonische Armee übriggeblieben waren.

Wahrlich kein ordentlicher Anblick, daher gründete sich auf Initiative des Stolpener Amtmanns Gottlob August Schreiber ein Verein, der damit begann, Wege anzulegen. Im folgenden Jahr wurde eine Lindenallee von der Kirche bis zum Forkerschen Wirtshaus, dem heutigen Burghotel, angepflanzt. Die Schaffung der Parkanlage erfolgte nach einem Generalplan des Amtsstraßenmeisters Rüdrich. Zur Umsetzung wurde der gesamte Plan dann in Parzellen unterteilt.

Jede Parzelle war circa sechs Meter breit und reichte 40 Meter von der Ruine bis zum neuen Promenadenweg hinunter. Per Los wurden die Parzellen den Vereinsmitgliedern zugeteilt. Nach der Absteckung war jedes Vereinsmitglied innerhalb einer Parzelle verantwortlich für die Herstellung der Wege. Besonders engagierte Mitglieder konnten auch Blumenbeete bepflanzen, solange gleichzeitig für die Pflege der Beete gesorgt wurde.

 

Mit der Erhaltung der Parkanlage hatte der Verein eine Aufgabe von nicht zu unterschätzendem Aufwand übernommen. Das Ministerium der Finanzen kalkulierte zwar eine ganze Gärtnerstelle für die Pflege des Parks, doch im gleichen Atemzug schloss es sämtliche finanziellen Hilfen dafür aus. Zu tun gab es viel: regelmäßig waren die Wege mit Kies zu bestreuen, das Laub musste aufgesammelt werden, Rasen gemäht, Unkraut gejätet, Maikäfer gefangen, Vogelhäuser gereinigt, Bäume gegossen, geschnitten, nachgepflanzt und über den Winter die Dahlien und Bänke eingelagert werden. Außerdem trieben die jungen Bewohner der Stadt ihr Unwesen in der Anlage.

 

Man musste also kreativ werden. Als Vergütung für Pflege und Aufsicht erhielt der Parkwärter für sein Vieh das Heu der Rasenflächen und das Laub auf den Wegen. Ältere Bürger der Stadt wurden ehrenamtlich als Parkaufseher eingestellt, um die Schulkinder und Lehrlinge davon abzuhalten Blüten zu stehlen, Steine zu werfen oder sich auf den Rasenflächen aufzuhalten. Der Vandalismus ging so weit, dass Belohnungen für Benennung der Missetäter ausgesetzt wurden und nach zahlreichen Ermahnungen durch die Lehrer der Zutritt für Kinder nur noch in Begleitung Erwachsener gestattet war. Inzwischen mahnt eine Inschrift am Parkeingang: „Übet guten Brauch, schonet Baum und Strauch“.

 

Anfangs konnte der Verein noch Gewinne aus dem Verkauf von aufgelesenen Basaltsäulen erzielen – steinreich wurde er damit allerdings nicht. Später verkaufte man sogar die Früchte der gepflanzten Holundersträucher an den ortsansässigen Gemüsehändler. Die veranstaltenden Konzerte, vom italienischen Abend bis zur Militärmusik, waren trotz Eintritt nicht gewinnbringend. Man verkaufte daher an Bürger der Stadt und Umgebung Aktien in Form von Schuldscheinen, welche später wieder ausgezahlt werden sollten. Weitere Einnahmequellen waren Standgebühren der Händler während des Schützenfestes auf der Vogelwiese oder der Verkauf von Lithographien bei den örtlichen Buchhändlern.

Der große Geldsegen kam 1863 mit der Umgestaltung der Parkanlage unter Beratung des Kunstgärtners Schneider aus Dresden und den damit einhergehenden umfangreichen Baumfällungen. Das Holz wurde versteigert. So konnten die Unterhaltungskosten zunächst gesichert werden. Der Stolpener Bürgermeister Ernst Wilhelm Barth, gleichzeitig Vorsitzender des Parkvereins, ließ die Anlage erweitern und vor allem mit Rotbuchen und Lärchen bepflanzen.

 

Im Jahr 1900 kam es jedoch zu Streitigkeiten mit dem zuständigen Forstrentamt Schandau. Dieses ließ die Pappeln der Parkanlage fällen und das Holz verkaufen - der Protest des Vereins blieb erfolglos. Die alte Vereinbarung mit dem königlich-sächsischen Finanzministerium stellte keinen gültigen Pachtvertrag dar und so ging jeder gepflanzte Baum der Parkanlage in das Eigentum des Staates über. Diese juristische Spitzfindigkeit zwang den Verein dazu, die Anlagen an die Stadt als neuen Pächter abzugeben. Noch heute erinnern zwei aus Basalt gefertigte Denkmäler an Amtmann Schreiber, den Initiator der Parkanlage, und an Bürgermeister Barth, der die Anlage erweitern ließ.

Jonas Blankenburg war bis Dezember 2020 Volontär im Bereich "Garten" und könnte noch manche Geschichte erzählen. 


Letzte Änderung: 30.04.2020

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