Hintergrund und Ausgangslage

Unser Klima ändert sich: steigende Temperaturen, Trockenheit und die Zunahme von Wetterextremen stellen auch für unsere Gärten und Parks eine enorme Herausforderung dar. Die Zukunft hat bereits begonnen, es ist Zeit zu handeln.
Im Rahmen des vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen geförderten Projekts „Klimawandel in historischen Gärten“ wurden die sächsischen Parks und Gärten am Beispiel des Großen Garten in Dresden und des Schlossparks Pillnitz gezielt auf die Herausforderungen des Klimawandels eingestellt. Das Vorhaben war Teil des Programms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ und gliederte sich in die Teilprojekte Boden-Wasser-Baum, Robotik und Kommunikation. Gemeinsam mit der TU Dresden, dem Barkhausen-Institut und der BTU Cottbus-Senftenberg wurden bis zum Projektende am 31.12.2025 sowohl Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel – also zur Steigerung der Resilienz – und zugleich auch entsprechende Gegenmaßnahmen entwickelt.

Worum geht es?
Der Klimawandel ist schon lange ein brisantes Thema und mittlerweile für alle spür- und sichtbar. Das immer extremer werdende Wetter setzt unseren Gärten schwer zu. Seit 2018 fehlt in den tieferen Bodenschichten ein ganzer Jahresniederschlag, weil es weniger geregnet hat und die Niederschläge ungünstig verteilt waren.
Wenn nicht gehandelt wird, droht der Verlust der historischen Gärten als Kulturdenkmal sowie auch eine Verminderung ihrer Qualitäten und Leistungen als Erholungs- und Begegnungsorte, als Ökosysteme und Klimafaktor in der Stadt. Dieser Gefahr wurde im Projekt mit verschiedenen Maßnahmen begegnet.

Blätter an Wurzeln: Wo ist das Wasser?
Der Klimawandel bedeutet neuartige Extreme für Temperatur und Wasserhaushalt. In den letzten Sommern haben wir es häufig gesehen: hängende, verfärbte oder vielleicht sogar abfallende Blätter, und das mitten in der Vegetationszeit.
Die Gehölze verlieren an Vitalität, die Totholzproduktion nimmt zu, unsere Gärten leiden. Dürre ist ein Extrem, welches aus dem Mix von hohen Temperaturen und gleichzeitig ausbleibendem Niederschlag entsteht.
Der Dürremonitor zeigte im Sommer 2022 erschreckend eindrucksvoll: die Zeichen stehen auf Rot.
Bestimmend für das Klima in Dresden ist die Lage im Elbtal mit bis zu 200 Meter hohen Seitenhängen. In Tallage und in Stadtnähe liegen die mittleren Temperaturen im Großen Garten um zwei bis vier Grad höher als im Hochland. Die Niederschlagsmengen sind dagegen um einiges niedriger als im Umland. Eine denkbar ungünstige Kombination, wenn wir in die Zukunft schauen.
Für Sachsen ergibt sich nach heutigem Kenntnisstand ein mittlerer Temperaturanstieg von etwa zwei bis drei Grad bis 2100 gegenüber der Referenzperiode 1981 bis 2000. Bereits die letzten Jahre verzeichnen einen Anstieg der Jahresmitteltemperatur. Lag der vieljährige Mittelwert der Lufttemperatur im Zeitraum von 1961 bis 1990 noch bei 8,7 °C, stieg er im Zeitraum von 1991 bis 2020 auf 9,7 °C an (Klimamessstation Dresden-Klotzsche). Die letzten Jahre zeigen, dass sich diese Entwicklung verstärken wird. Nachdem bereits das Rekordwärmejahr 2018 mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 11,1 °C erstmals die 11-Grad-Marke überschritten hatte, war das Jahr 2024 mit 11,7 °C Jahresmitteltemperatur zwei Grad wärmer als die Referenzperiode 1981 bis 2000.
Und bei den Niederschlägen ist ein negativer Trend zu beobachten: Im Zeitraum von 1961 bis 1990 lag der vieljährige Mittelwert der Niederschläge noch bei 633 mm, im Zeitraum von 1991 bis 2020 sank er um 79 mm auf 554 mm (Klimamessstation Dresden-Strehlen). Besonders seit 2018 war die anhaltende Trockenheit prägend. Im Extremjahr 2018 fielen nur 393 mm Niederschlag.

Viel zu schönes Wetter?
Auch die Zahl der Sonnenstunden nahm im Jahr 2020 im Vergleich zur Referenzperiode um mehr als 23 Prozent zu. Diese „sonnigen Aussichten“ führen in Kombination mit steigenden Temperaturen zu einem Absinken der Luftfeuchtigkeit beziehungsweise zu einem erhöhten Sättigungsdefizit. Kurz gesagt: die Atmosphäre hat Durst. In der Folge wird der Wasserentzug von Boden und Pflanzen weiter verstärkt.
Weiterhin äußert sich der Klimawandel in der Zunahme von Extremereignissen wie Starkregen (Zunahme um 18 Prozent im Vergleich zur Referenzperiode) oder Stürmen.

Was tut der Park für mich?
Unser Klima verändert sich, das ist sicher. Es wird wärmer, trockener und die Folgen werden sich immer stärker auf unsere Natur und Umwelt auswirken. In diesem Kontext nehmen unsere Parkanlagen und Grünflächen eine besondere Rolle ein.
Grünflächen, Parks oder Gärten reduzieren den CO2-Anteil in der Luft sowie die Umgebungstemperatur und bringen uns noch mehr Vorteile, indem sie sogenannte „Ökosystemleistungen“ erfüllen. Als Teil der grünen Infrastruktur in Städten bieten sie uns ökologische, aber auch viele soziale und psychologische Vorteile. Denn sie sind Orte der Erholung, Hotspots für den Tourismus, Refugien der Artenvielfalt, lebende Kunstwerke und unersetzbare Sacharchive der kulturgeschichtlichen und botanischen Forschung. Im Kontext Klimawandel sind besonders ihre Kühlwirkung sowie ihre Funktion als Wasserspeicher bei Niederschlägen und Starkregen hervorzuheben. Parks und Gärten wirken dabei wie ein Schwamm, der gleichzeitig auch Filter für Feinstaub ist. Das heißt, Grünflächen erhöhen die Luftqualität und produzieren Frischluft.
Parks und Gärten leisten also einen immensen Beitrag zu einer lebenswerten Stadt als auch zum Klima- und Naturschutz.





Die Zukunft des Parkgrüns
Historische Gärten sind Teil unseres kulturellen Erbes und die Gehölze ihr Kapital. Nun werden sie in ihren Funktionen und ihrem Denkmalwert durch den Klimawandel beeinträchtigt.
Die Anlage und Konzeption historischer Parks basieren auf Gestaltungsidealen, die vergangene Epochen und zurückliegende Jahrhunderte widerspiegeln. Der gesetzlich festgeschriebene Auftrag der Erhaltung, Pflege und Bewahrung der Gartendenkmale erfordert jedoch neue Herangehensweisen im Umgang mit den Folgen des Klimawandels.
Nun ist es unsere Aufgabe, diese lebenden, vielfältigen Kunstwerke zu schützen und sie mit geeigneten Maßnahmen auf klimatische Änderungen vorzubereiten. Der Park braucht Fürsorge. Folglich müssen wir handeln. Mit den Maßnahmen im Projekt konnten wir erste Wege für einen zukunftsweisenden Umgang aufzeigen, Maßnahmen erproben und im Spannungsfeld zwischen Erhalt des Gartendenkmals und Anpassung an den Klimawandel navigieren.
Die Natur wird sich anpassen an den Klimawandel. Jetzt müssen wir Menschen es noch tun.
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Letzte Änderung: 30.06.2026

