Burg Kriebstein – Geschichte in fünf Episoden

Eine Burg für den Hofmarschall

Es ist vollbracht! Nach vielen Jahren des Bauens erhebt sich die mächtige Burg Kriebstein nun vor den Augen Dietrichs von Beerwalde. Den Plan, die Burg zu bauen, hatte Dietrich schon lange gehegt. Markgraf Wilhelm I. der Einäugige gab ihm 1384 die Erlaubnis dafür. Damals hat Dietrich schon einen steilen Aufstieg hinter sich: erst kurfürstlicher Rat, danach Hofmarschall und 1389 letztendlich Hofmeister. Seine Dienste haben ihn reich gemacht! Er besitzt zahlreiche Ländereien im Umland der Burg Kriebstein, auch die Städte Waldheim und Hartha gehören ihm.
Die Burg ist das Sinnbild seiner erfolgreichen Karriere und seiner Macht. Nun, im Jahr 1407, ist Dietrich von Beerwalde schwach und gezeichnet von einem anstrengenden Ritterleben an der Seite seiner fürstlichen Herren. Seine Zeit läuft ab, doch er hat vorgesorgt. Wenn er diese Welt verlässt, wird die Burg an sein Weib Elisabeth und danach an seine Tochter fallen. Das hat ihm der Markgraf versprochen.

 

 

Das versteckte Kämmerlein

Im dritten Obergeschoss des Wohnturms lagen die Privatgemächer der Familie von Beerwalde. Die erhaltene Ausstattung zeugt vom gehobenen Wohnanspruch der ersten Burgherrschaft. Die Wände waren farbig gefasst und der Kalkfußboden rot getüncht. Ein Kamin sorgte für Wärme.

Auch ein wahres Kleinod gehörte dazu: das sogenannte „Kriebsteinzimmer“. Die kleine Holzbohlenstube wurde um 1423 nachträglich eingebaut. Sowohl die Decke als auch die Wände sind reich dekoriert. Den Sockel schmückt eine Vorhangmalerei und die Wände sind mit Rankenwerk bemalt, das sich elegant um die Bildszenen windet. Zu sehen sind der heilige Christophorus, ein Pilger sowie die Verkündigungsszene Mariens. Wozu diente dieser besondere Raum? Das ist nicht überliefert, doch die Malereien stehen in enger Verbindung zur gotischen Burgkapelle. Zog sich die Familie vielleicht hierhin zurück, um zu beten?

Westfälische Gemütlichkeit

Herrschaftlich sollte es sein, hell und bequem und auch ein bisschen gemütlich. Stellte sich Hofmarschall Hugold III. von Schleinitz so das Leben in seinem neuen Domizil vor?
Im Jahr 1465 kauft er die Burg Kriebstein. Seine Ansichten vom modernen Wohnen passen aber nicht so recht mit den baulichen Gegebenheiten in Kriebstein zusammen. Die Burg sollte ja ursprünglich Feinde abwehren; funktionales und bequemes Wohnen kam erst an zweiter Stelle. Er lässt die Burg deshalb grundlegend umbauen und erweitern.
Dafür beauftragt Hugold mit Arnold von Westfalen einen der besten und innovativsten Baumeister seiner Zeit. Sein Meisterwerk ist die Albrechtsburg Meissen. In Kriebstein „vollendet“ er die Burganlage. Sie wird um den Wirtschaftsflügel mit dem großen Tanzsaal, das Küchenhaus und das „Hintere Schloss“ erweitert.
Im Laufe der Jahrhunderte haben viele der Räume, die auf Arnold von Westfalen zurückgehen, ihr ursprüngliches Aussehen verloren. Doch die Spuren des Baumeisters sind nicht zu übersehen.

 

 

Farbenspiel in der Burgkapelle

Bei Sicherungsarbeiten 1933 bringt der Zufall Sensationelles zutage. Unter dem Putz der Burgkapelle haben sich alte Wandmalereien aus der Zeit der Gotik um 1410 erhalten. Die Freilegung zeigt: die gesamte Burgkapelle ist ausgemalt. Das ist einzigartig in Mitteldeutschland!

Die Malereien sind vor allem der Jungfrau Maria gewidmet, sie zeigen Szenen aus ihrem Heiligenleben. Außerdem sind zahlreiche weitere Heilige wie Georg der Drachentöter und der heilige Martin dargestellt. Hinter dem Altar findet sich eine große Kreuzigungsszene und darüber thront Christus als Weltenrichter. All diese Bilder werden von Blumen umrankt und Sterne schmücken den „Gewölbehimmel“. Eine Vorhangmalerei am Sockel verleiht dem Raum etwas Lebendiges. Später kamen die Wappen adliger Familien hinzu. Der Schöpfer der Wandmalereinen ist unbekannt. Kunsthistoriker vermuten, er stammt aus Böhmen.

Hereinspaziert!

Wie lebt ein adliger Burgherr? Ab 1930 kann man sich auf der Burg Kriebstein einen Eindruck davon verschaffen: die Familie von Arnim öffnet ihren Wohnsitz für zahlende Besucher. Seit 1825 ist die Familie im Besitz der Burg und bleibt es für 120 Jahre – länger als jeder andere Vorbesitzer. Sie modernisieren das mittelalterliche Bauwerk und machen es in Teilen zu einem recht bürgerlichen Domizil. Seit 1910 gibt es elektrisches Licht, Wasserspülung und ein Telefon. Für eine bessere Aussicht lassen sie sogar Teile der alten Ringmauer abtragen. Trotzdem bleibt der mittelalterliche Charakter der Burg äußerlich erhalten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie von Arnim im Zuge der Bodenreform enteignet. Die Burg bleibt aber Museum. Zuerst Kreismuseum des Landkreises Hainichen, seit 1993 als Museum der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen.

 


Letzte Änderung: 25.08.2020