Was tun, wenn das Mehl zu teuer wird? Queckenbrot backen!

Das 18. Jahrhundert war geprägt von Krisen, Kriegen und Krankheiten, die das Kurfürstentum Sachsen heimsuchten. Verwüstete Felder, fehlende Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und extreme Wetterlagen sorgten in der Folge für Missernten und Hungersnöte. Damit verbunden waren Teuerungen von Lebensmitteln.

Konnte man sich das Mehl für sein Brot nicht mehr leisten, musste Ersatz her. Zum Beispiel in Form von Quecken. Die findet man auf Äckern, Wiesen oder Wegesrändern und sie wachsen schnell. Heute oft als Unkraut angesehen, waren sie früher unter anderem als Mehlersatz nützlich. So auch in Rammenau, wie uns ein Schriftstück aus dem Schlossarchiv erzählt.

Es ist ein einfaches Rezept. Man sammelt Queckenwurzeln, die man putzt und trocknet. Danach mahlt man sie zu Mehl. Dieses wird zu gleichen Teilen mit „richtigem“ Mehl gemischt, um daraus ein Brot zu backen. Bei größerem Mangel funktioniert das Rezept auch komplett mit Queckenmehl.

Und so lautet das Rezept im originalen Wortlaut:

„Mittel für Arme bei großer Teuerung

Nehmt die besten und auserlesensten Queckengraswurzeln, sammelt sie fein rein in Körben, wascht sie recht rein mit kaltem Wasser, so lange bis das Wasser in welchem sie gewaschen worden, ganz helle und klar bleibet. Als denn nehmet diese Wurzeln, und trocknet sie im Schatten auf Tüchern oder einem Tischchen.

Wenn selbige etliche Tage getrocknet worden, so schneidet sie so klein, als die Körner des Korns sind, und darauf trocknet selbige wieder etliche Tage auf Tüchern in der Sonne oder bei dem warmen Ofen. Wenn sie ganz dürre und völlig abgetrocknet sind, als denn nehmet davon ein Dreßdner Viertel, und ein Dreßdner Viertel Korn, menget es recht wohl untereinander, lasset es mahlen. Von dem Mehle backet Brot. Es schmecket nicht übel, und ist gesund, maßen die getrockneten Queckenwurzeln im Fall der Not auch alleine Das dienlichste Brot geben.“

Gegen das Verderben

Waren die Ernten ausreichend oder gar größer als erwartet, bekam man hingegen eher ein Luxusproblem. Wie schützte man die Nahrungsmittel davor schlecht zu werden?

Manche Produkte haben von sich aus eine lange Lagerfähigkeit. Sind Nahrungsmittel wie Korn, Kartoffeln, Rüben oder auch Äpfel und Birnen kühl und dunkel gelagert, halten sie eine Weile. Anders sieht es zum Beispiel bei Beeren, Pilzen oder Fleisch aus.

Auf dem Gut wurden verschiedene Methoden angewandt, um Lebensmittel länger haltbar zu machen. Die Schlossanlage besaß einen Eiskeller, der im Winter mit Eis gefüllt wurde. Darin gelagerte Lebensmittel konnten so über mehrere Monate gekühlt werden. Das funktioniert noch etwas besser als ein „normaler“ Keller. Es war aber auch mit mehr Aufwand verbunden, denn das Eis musste aus Teichen in der Umgebung geschnitten werden. Eine Arbeit, die auch das Gesinde und die Dörfler leisten mussten.

Andere Nahrungsmittel wurden durch Einkochen, Fermentieren, Trocknen, Einsalzen oder Räuchern konserviert. Eine besonders kostspielige Methode war das Kandieren, denn Zucker war teuer. Kandierte Früchte gab es in Rammenau daher nur auf den Tellern der Herrschaft.

Wer wissen möchte, welche konservierten Lebensmittel es auf die herrschaftliche Tafel von August dem Starken geschafft haben, der kann hier weiterlesen.

Literatur und Quellen

  • Schlossarchiv Rammenau, V 3199 S, Mittel für Arme bei großer Teuerung, um 1800
  • Arbeitstagebuch
  • Hirschfelder, Gunther: Europäische Esskultur. Geschichte der Ernährung von der Steinzeit bis heute. Frankfurt/Main 2001.

Letzte Änderung: 02.07.2025