Montag Rüben, Dienstag Kartoffeln, … der Gesindespeiseplan von 1763!
Was bekam man eigentlich zu essen, wenn man auf einem Gut wie Rammenau arbeitete? Was genau ist nicht bekannt. Aber durch unterschiedliche Quellen lässt sich ein ungefähres Bild zeichnen. Eines wird schnell deutlich. Besonders abwechslungsreich war es nicht.
Ein Großteil der täglichen Nahrung war sehr einfache, aber sättigende Kost. Sie wurde vom Gut gestellt und bestand hauptsächlich aus Mehlsuppe mit Kartoffeln, Brot oder Gemüse. Vier Mal im Jahr, zu besonderen Feiertagen, gab es Geld für Fleisch, Kuchen und Bier.
Allerdings ist nicht klar, ob sich das Gesinde zusätzlich selbst versorgt hat. Hat es den Lohn für zusätzliche Lebensmittel ausgegeben? Haben Familie oder Verwandte Nahrungsmittel geschickt? Oder ist das Gesinde selbst tätig geworden und hat Lebensmittel angebaut oder gesammelt?
Der Speiseplan des Gesindes
September - Mai
Mai - September
Hintergründe
Trotz der Quellenlage bleiben Lücken in der Geschichte des Essens. Allerdings lassen sich mithilfe von Quellen und Literatur einige Vermutungen anstellen, was die Mägen des Gesindes gefüllt haben könnte.
Was wurde sonst noch gegessen?
Fleisch, Kuchen und Bier waren zu besonderen Feiertagen vertraglich zugesichert. Auch hatte das Gesinde die Möglichkeit, ihren Verdienst für Nahrung auszugeben. Allerdings hätte sich eine Kuhmagd für ihren Monatslohn nur etwa 1,5kg Rindfleisch kaufen können – ein sehr teurer Luxus. Wohnten Familienmitglieder in der Nähe des Schlosses, hätte das Gesinde auch dort zusätzliche Lebensmittel bekommen können. Mehr oder weniger wild wachsende Sträucher oder Obstbäume konnten ebenfalls als Quelle für Nahrungsmittel dienen. Bestimmt eine verlockende Abwechselung für den eher tristen Speiseplan der Menschen. Das eigenhändige Jagen von Wild hingegen war ein Privileg des Adels und allen anderen streng verboten.
Gab es Gewürze?
Ja, die gab es. Für uns heute gängige Gewürze wie Pfeffer oder Zucker waren damals sehr teuer. Vermutlich kamen deshalb eher Kräuter zum Einsatz, die in Gärten angebaut oder in der Umgebung gesammelt wurden.
Warum gab es zwei Speisepläne?
Die Zeit zwischen Mai und September ist in der Landwirtschaft besonders arbeitsintensiv. Die Sonne scheint länger und ermöglicht längere Arbeitstage. Außerdem fällt die Ernte in diese Zeit. Deshalb sind die Speisen in diesen Monaten nährstoffreicher und reichhaltiger. So konnten lange Tage auf dem Gut besser überstanden werden.
Was kostet was im 18. Jahrhundert?
Viel körperliche Arbeit ohne Maschinen, geringe Erträge, höhere Krisenanfälligkeit sowie lange und teure Lieferwege – viele für uns heute gängige Lebensmittel waren im Barock sehr teuer. Für einen Monatslohn von vier Groschen (nach Abzug von Verpflegung und Unterkunft), den eine Kuhmagd bekam, waren viele Nahrungsmittel ein fast unerreichbarer Luxus.
In Rammenau haben sich Einkaufslisten erhalten, die uns einen Einblick geben.
- Monatslohn Kuhmagd: 4 Groschen
- 500g Rindfleisch (1790): 1 Groschen & 2 Pfennig
- 500g Kaffee (1798): 7 Groschen
- 500g Zucker: (1798): 9 Groschen
- 500g Pfeffer (1790): 12 Groschen
- 500g Reis: (1791): 3 Groschen
- 1 Zitrone (1790): 1 Groschen & 5 Pfennig
Blick in die Quelle
Literatur und Quellen
- Schlosarchiv Rammenau, V 1465 S, Verzeichniß Die Beköstigung des Gesindes bey den Guthe Rammenau betrf., 1763
- Sächsisches Staatsarchiv, Filialarchiv Bautzen, 50196, Gutsherrschaft Rammenau, Nr. 628, Rechnungen und Belege 1790-1799.
- Sächsisches Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv Bautzen, 50196 Gutsherrschaft Rammenau, Nr. 539, Geldeinnahme und Geldausgabe, 1777.
- Heinzelmann, Ursula: Was is(s)t Deutschland. Eine Kulturgeschchte über deutsches Essen, Wiesbaden 2016.
- Brunner, Bernd: Von der Kunst, die Früchte zu zähmen. Eine Kulturgeschichte des Obstgartens, München 2022.


