Helden des DDR-Alltags

Schloss Colditz

17. Türchen

Vom Jagdschloss zur Pflegeanstalt - Persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen machen diese bewegte Geschichte heute wieder lebendig.

Die höfische Zeit des Colditzer Schlosses - seine Nutzung als Jagdschloss und Nebenresidenz der Kurfürsten - endete ziemlich jäh in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In den folgenden 100 Jahren wurde Schloss Colditz zur psychiatrischen Pflegeeinrichtung mit für ihre Zeit fortschrittlichen Behandlungsmethoden.

Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss ab 1946 erneut als Pflegestation, Psychiatrie und Kreiskrankenhaus genutzt.

Die Pflegekräfte kamen meist aus Colditz selbst. Wer nicht im Porzellanwerk arbeiten wollte, fand im Krankenhaus eine Aufgabe. Viele Colditzerinnen und Colditzer fühlen sich dem Schloss bis heute emotional verbunden – für manche ist es der Ort, an dem sie auf der Pflegestation die letzten Momente mit ihren Angehörigen verbrachten oder auf der Geburtenstation die ersten gemeinsamen Augenblicke mit ihrem Neugeborenen erlebten. Quellen aus dieser Zeit sind selten – geblieben sind vor allem die persönlichen Erinnerungen der Menschen.

Von diesen berichteten uns Robert Thiele, der 1990/91 seinen Zivildienst auf der Männerstation leistete, und Hannelore Linke, eine Oberschwester, die ihr gesamtes Berufsleben im Schloss verbracht hat. Beide erzählten 2023 in Interviews für die neue Dauerausstellung von einem nicht immer einfachen Alltag, von der Notaufnahme im Schloss und vom Umgang mit Menschen mit Behinderungen.

Erst 1996 endete die lange Phase der Anstaltsnutzung im Schloss. Zum ersten Mal entstanden Pläne für ein Museum – um all die bewegten Geschichten der Vergangenheit bewahren und erzählen zu können.


Letzte Änderung: 17.12.2025