Im Turm gefangen

Gräfin Cosel auf Burg Stolpen

Türchen #22

Wer kennt sie nicht: Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel, die Gefangene von Stolpen. Fast ein halbes Jahrhundert verbringt sie hinter den Mauern der Bergfestung: 49 lange Jahre, bis zu ihrem Tod.

Jahrelang ist Gräfin Cosel die Mätresse von August dem Starken gewesen, dem sächsischen Kurfürsten und polnischen König. Doch wegen schwerer Konflikte stellt er sie unter Arrest.

Ihre Verbannung nach Stolpen beginnt an einem heiligen Tag: dem 24. Dezember 1716, zu der Stunde, als die Gläubigen sich andächtig in den Kirchen versammeln, um der Geburt von Jesus zu gedenken. Nach einem Abendessen ist ihr an diesem Tag nicht zumute.

Gleich am ersten Weihnachtsfeiertag setzt Gräfin Cosel ein Schreiben auf, in dem sie eine Erklärung fordert: weshalb man so ein hartes Prozedere mit ihr vornehme, als wenn sie die kriminellste Person wäre, so nur zu finden sei? Man eröffne ihr nicht im Geringsten eine Anklage. Sie zweifle nicht, auf die Anschuldigungen innerhalb von zwei Monaten ihre Unschuld vor Gott und den Menschen beweisen zu können! Doch eine schriftliche Antwort geht nicht ein. Und so bleibt die Cosel in Stolpen, bis sie in ihrem 85. Lebensjahr stirbt und in der Burgkapelle zur letzten Ruhe gebettet wird.

Der Coselturm der Burg Stolpen ist heute der wichtigste Erinnerungsort an das traurige Schicksal der Gräfin Cosel und „Herzstück“ des Museums Burg Stolpen. Ein Highlight der Sammlung: eine Bibel von 1711, die die Gräfin in ihren letzten drei Lebensjahren auf Stolpen nutzte – online zu entdecken in unserem Blog.

 


Letzte Änderung: 01.02.2021