Moritzburger Trophäensammlung

Die Geweihe im Schloss Moritzburg

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Ralf Giermann: Die Geweihsammlung Augusts des Starken im Schloß Moritzburg, Museum Schloß Moritzburg 1993

Schloss Moritzburg, eines der prächtigsten Jagdschlösser der Kurfürsten und Könige von Sachsen, beherbergt mit etwa 250 Geweihen eine umfassende Sammlung an Jagdtrophäen. Sie sind Zeugnisse der Jagdleidenschaft und Herrschaftsausübung der Wettiner.

 

Die Geweihe stammen größtenteils von Rothirschen, Rentieren und Elchen. Viele sind auf kunstvoll geschnitzten, hölzernen und teilweise vergoldeten Tierköpfen montiert, die vermutlich von Benjamin Thomae und Johann Christian Kirchner im 18. Jahrhundert gefertigt wurden. Eine Auswahl der Sammlung machen wir über museum-digital zugänglich.

Rothirschtrophäen

Der jagdkundlich bedeutendste Teil der Sammlung hängt im Speisesaal: mächtige Rothirschgeweihe, oftmals zwischen 260 und 400 Jahre alt. Sie stammen aus den kursächsischen Revieren oder sind als Geschenke beziehungsweise Ankäufe nach Moritzburg gekommen. Darunter befindet sich auch das weltstärkste Rothirschgeweih, ein ungerader 24-Ender mit einem Gewicht von 19,8 kg.

Der Monströsensaal beherbergt hingegen eine ungewöhnliche Sammlung seltener Geweihabnormitäten. Die „monströsen“ Rothirschgeweihe sind entweder durch Krankheit oder durch bewusste menschliche Einflussnahme missgebildet. Das berühmteste Geweih ist der sogenannte 66-Ender, dessen Hirsch 1696 von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zur Strecke gebracht wurde und nach Moritzburg gelangte.

Ren- und Elchgeweihe

Die Wände des Steinsaals ziert eine Kollektion von Ren- und Elchtrophäen. Die Rengeweihe waren vermutlich Ankäufe, die Elchtrophäen stammen wahrscheinlich aus den Jagdgebieten um Warschau. Eine Besonderheit ist die circa 10.000 Jahre alte Trophäe eines ausgestorbenen Riesenhirsches, die wohl auf der Krim gefunden und als Geschenk des Zaren Peter I. an Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen gegeben wurde.

Moritzburger Willkomm

 

Ein Highlight der Moritzburger Trophäensammlung ist ohne Frage der Moritzburger „Willkomm“. Dabei handelt es sich um eine Geweihstange mit kelchförmiger Krone, die seit 1689 als Trinkgefäß genutzt wurde. Ein angelegtes Register belegt, wer diese ehrenvolle Form der Begrüßung genießen durfte. So tranken unter anderem König Ludwig II., Zar Peter I. von Russland und Napoleon daraus.

Zur Sammlung auf museum-digital


Letzte Änderung: 10.03.2021