
Sie sind alt, sie sind schön und außerdem herrlich grün: unsere historischen Parks und Gärten. Wenn uns der Lärm der Stadt zu viel wird oder wir eine kurze Auszeit vom stressigen Alltag benötigen, zieht es uns in die Natur.

So schönes Wetter! Oder nicht?
Seit einigen Jahren gibt es immer mehr sonnige und heiße Tage bei uns. Wenn die Sonne vom wolkenlosen Himmel scheint, freuen wir uns in der Regel darüber. Die Natur hingegen hat damit zu kämpfen.
In Sachsen ist es seit 1991 um mehr als 1 Grad Celsius wärmer geworden. 2023 war das wärmste Jahr seit 1961. Insgesamt beobachten wir, dass das Wetter extremer und schwerer vorhersagbar wird. Es kommt beispielsweise zu Starkregenereignissen oder zu langanhaltenden Trockenperioden wie 2022 in Sachsen. In den letzten vier Jahren fehlte in den tieferen Bodenschichten ein ganzer Jahresniederschlag, weil es weniger geregnet hat und die Niederschläge ungünstig verteilt waren.

Dicke Luft im Paradies
Der Mix aus hohen Temperaturen und gleichzeitig ausbleibenden Niederschlägen führt zu Dürre. Unsere Bäume geraten unter enormen Stress. Der Stress macht sie anfälliger für Pilzinfektionen und Befall durch Schadinsekten wie beispielsweise den Borkenkäfer. Die Gehölze verlieren an Vitalität, die Totholzproduktion nimmt zu, unsere Gärten leiden. Folglich beobachten wir hängende, verfärbte oder sogar abfallende Blätter – und das mitten in der Vegetationszeit.
Jahr für Jahr steigt so die Zahl der durch die Trockenheit in der Vegetationsperiode geschädigten Bäume. Durchschnittlich stirbt im Großen Garten derzeit ein Baum am Tag.

Ein Projekt für die Zukunft
Wenn wir nicht handeln, droht der Verlust unserer historischen Gärten als Kulturdenkmal, Erholungs- und Begegnungsort, als Ökosystem und wichtiger Klimafaktor in der Stadt. Der Park braucht Fürsorge. Im Projekt „Klimawandel in historischen Gärten“ entwickeln wir verschiedene Maßnahmen und konkrete Gegeninstrumente, um zwischen Erhalt des Gartendenkmals und Anpassung an den Klimawandel zu navigieren. Ziel ist, die sächsischen Gartendenkmale am Beispiel des Großen Gartens Dresden und des Schlossparks Pillnitz besser auf den Klimawandel einzustellen.




Eine Baumschule für den Nachwuchs
Unsere historischen Gärten und Parks sind wichtige Artenspeicher, Klimafaktor in der Stadt und immaterielles Kulturgut. Ihr Erhalt ist unsere Aufgabe. Um die Gärten und Parks besser auf den Klimawandel einzustellen, müssen wir Bäume pflanzen, die den sich ändernden klimatischen Bedingungen trotzen können und optimal an den Standort angepasst sind. Gleichzeitig sollen sie dazu beitragen, das charakteristische Erscheinungsbild unserer Gartendenkmale zu bewahren.
Im Großen Garten Dresden ziehen wir in unserer eigenen Baumschule solche Gehölze groß. Durch die Aufzucht am Standort können sie sich optimal an die Bedingungen vor Ort anpassen. Außerdem vermeiden wir, dass Krankheitserreger aus Baumschulware in unsere Anlagen kommen. Daneben forschen und erproben wir den Umgang der Bäume mit den sich ändernden Bedingungen.
Neue Pläne nach altem Vorbild
Aufgrund der früheren Nutzung wird die künftige Baumschule nach historisch belegten Plänen gestaltet. Die geplanten neuen Wirtschaftswege existierten schon im früheren Obstgarten und sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Sie werden aus den unter der Wiese noch vorhandenen Teilen wieder hergestellt. Wie im Jahr 1874 wird die Baumschule durch Zäune und Hecken begrenzt werden.

Gut Ding will Weile haben
Im Juni 2024 wird mit dem Bau der Baumschule begonnen. Die Inbetriebnahme soll im Herbst 2024 erfolgen. Primär werden wir Stiel-Eichen, Winter-Linden und Rosskastanien aufziehen. Schon in zwei Jahren, also bis 2026 sollen die ersten Stiel-Eichen aus der Schule in die Fläche ausgepflanzt werden. Durchschnittlich bleiben die Bäume maximal vier bis sechs Jahre in der Baumschule.

Ein Roboter als Gartenhelfer
Das Gießen ist die Königsdisziplin bei der Pflege unserer Gärten. Gleichzeitig wird der Arbeitsaufwand aufgrund zunehmender Trockenheit in Zukunft höher werden. Gut ausgebildetes Personal wird demnach immer wichtiger werden. Um Gärtnerinnen und Gärtner bei der Arbeit zu entlasten, wird ein Prototyp eines halbautonomen Gießroboters entwickelt.

Nährboden für die Zukunft
Wenn Zweige und Äste verkohlt werden, entsteht der schwarze Superstoff: Pflanzenkohle.
Bei der Pyrolyse entsteht durch die hohen Temperaturen bei gleichzeitigem Sauerstoffmangel Kohle statt Asche. Pflanzenkohle kann zur nachhaltigen Verbesserung des Bodens beitragen, da sie die Speicherfähigkeit für Nährstoffe und Wasser erhöht. Somit bekommen die Pflanzen beste Bedingungen für ein gesundes Wachstum. Aus diesem Grund planen wir den Bau einer Pyrolyseanlage im Großen Garten.
Guter Boden, glücklicher Baum
Besonders leiden im Großen Garten Stiel-Eichen, Rot-Buchen und Altbaumbestände. Unter Buchen ist der Boden oft extrem verdichtet, wodurch Wasser schlechter versickert. Außerdem ist der Boden nicht gut durchlüftet, wodurch es weniger Bodenleben gibt.
Um den Boden zu verbessern, nutzen wir die sogenannte Phytomelioration. Dabei wird im erweiterten Bereich der Baumkrone eine spezielle Saatgutmischung aus krautigen Pflanzen in den Boden eingebracht. Das sind zum Beispiel Ackersenf, Lupine, Ölrettich und Perserklee. Diese Pflanzen schlagen intensive und tiefe Wurzeln, wodurch der Boden gelockert wird. Bereits nach wenigen Wochen dringen die sich rasch entwickelnden Wurzeln durch die obersten Bodenschichten. Gleichzeitig sorgen Faserwurzeln für die horizontale Verzweigung. Für noch mehr Tiefenlockerung werden zusätzlich Regenwürmer eingesetzt. Ein Umgraben wird somit überflüssig.
Kurz vor der Samenreife werden die krautigen Pflanzen gemäht. Die im Boden verbleibenden Wurzeln verrotten recht zügig und hinterlassen zahlreiche Kanälchen, die die Porösität des Bodens verbessern. Das heißt, es gibt nun viel mehr Hohlräume. Das Wasser kann folglich besser versickern und auch das Wasserhaltevermögen des Bodens erhöht sich. Davon profitiert neben der Buche auch das Bodenleben.
Bodenverdichtung ist ein Problem, was durch warme und trockene Sommer in Folge klimatischer Veränderungen noch verschärft wird.

Der Klimawandel und seine Folgen werden uns in Zukunft mehr und mehr beschäftigen. Für den Erhalt unserer grünen Oasen zählt jedes Engagement – ob im Kleinen oder im Großen.
Mehr wissen. Gezielter handeln.
In verschiedenen Veranstaltungsformaten informieren wir zum Klimawandel und seinen Auswirkungen auf unsere örtlichen Grünanlagen. Gemeinsam mit Fachleuten und Interessierten diskutieren wir Herausforderungen und Chancen der klimatischen Veränderungen und stellen uns der Frage, wie wir unsere historischen Gärten und Parks schützen können. Beim Parkseminar im Großen Garten kann jeder selbst mit anpacken.

Kleiner Aufwand. Großer Effekt.
Mit Blick auf den Klimawandel und seine Folgen mag sich bei manchen Menschen Verunsicherung oder gar ein Ohnmachtsgefühl einstellen. Wichtig ist, dass wir unseren Optimismus behalten, zusammen aktiv sind und uns auf das besinnen, was es zu bewahren gilt: unsere grünen Oasen.
Wer aufmerksam in unseren Gärten und Parks spazieren geht, wird feststellen, dass bei starker Nutzung des Parks vermehrt Müll an den Wegesrändern und auf den Wiesen zurückbleibt. Das sieht nicht schön aus und ist schädlich für die im Park lebenden Tiere. Bitte nimm deinen Müll mit zurück, wenn die örtlichen Mülleimer voll sind. Gern kannst du auch Müll, an dem du vorbeikommst, aufsammeln und in den nächsten Mülleimer geben.

Dresden gießt
Nicht nur die historischen Gärten und Parks leider unter der durch den Klimawandel verursachten Trockenheit. Auch die Stadtbäume geraten unter Stress. Deshalb ruft die Initiative „Dresden gießt“ zu Gießaktionen auf. Durch regelmäßiges gemeinsames Gießen soll den Stadtbäumen geholfen werden.
Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen, vor der wir Menschen stehen. Es geht um den Erhalt einer Umwelt, in der Menschen überhaupt lebensfähig sind. Dafür braucht es große politische Entscheidungen. Und auch unser aller Engagement ist gefragt.

Wie wir sehen, wirkt der Klimawandel direkt vor unserer Haustür. Dem können wir entgegenwirken, indem wir der Umwelt nicht weiter schaden und zum Beispiel weniger Flächen versiegeln, mehr Schutzgebiete einrichten, anstelle von Steingärten insektenfreundliche Vorgärten anlegen, auf Einweg-Plastikartikel verzichten, häufiger Rad fahren oder den Anteil erneuerbarer Energien erhöhen.
Gemeinsam können wir es anpacken, um in einer noch lebendigeren, schöneren und grüneren Stadt zu leben. Die Zukunft kommt. Gestalten wir sie aktiv mit. Damit es schön hier bleibt.
Du hast Fragen oder möchtest mehr über unsere Maßnahmen zur Anpassung der historischen Gärten und Parks an den Klimawandel erfahren? Schreib uns an klimawandel@schloesserland-sachsen.de


Letzte Änderung: 03.05.2024




