Katharina von Sachsen

Von Beruf Kurfürstin
Katharina von Sachsen (1421–1476), Kurfürstin von Brandenburg, steht nicht in der ersten Reihe berühmter Fürstinnen.
Ihr Leben hält dennoch einiges bereit, das uns das Schicksal adliger Frauen im Mittelalter näherbringt. Kostbare Gewänder, eine Hochzeit mit Ritterturnier, ein Leben im Schloss – es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das zeigt Katharinas Leben ganz deutlich, denn es gibt auch: Krankheit, Eheprobleme und Sorgen um die Kinder.
Die Suche nach Spuren ihrer Geschichte gleicht einem Puzzlespiel, viele Hinweise formen ein Bild und zeigen uns heute, was es damals hieß Kurfürstin zu sein.
Warum fehlt sie an den Wänden der Albrechtsburg?
Katharina verlässt ihre Herkunftsfamilie. 400 Jahre nach ihrem Tod findet sie daher keinen Platz in der wettinischen Familiendarstellung. Ihr Bruder, der sächsische Kurfürst, hingegen schon, denn es wird ausschließlich die männliche Erbfolge gezeigt. Dass wettinische Frauen außerhalb Kursachsens auch für die Dynastie wirken, bleibt unsichtbar.
Ehen schaffen ohne Waffen
Katharinas Ehe mit Friedrich II. von Brandenburg soll ein Zeichen des Friedens setzen. Ihrer Verlobung im Jahr 1439 gehen langjährige Spannungen zwischen den Wettinern und den Hohenzollern um Gebiete in der Lausitz voraus.
Ein Ehevertrag regelt die finanziellen Angelegenheiten: Katharinas Familie muss 19.000 rheinische Gulden Mitgift aufbringen. Das ist damals eine enorme Summe, die nur in Raten beglichen werden kann. Eigentlich ist alles abgemacht, als neu aufkeimende Streitigkeiten das Eheprojekt in den Hintergrund rücken.
Im Kloster geparkt
Im Alter von nur sechs Jahren verliert Katharina ihren Vater. Um sie versorgt zu wissen, bringen ihre älteren Brüder sie im Frauenkloster Seußlitz in der Nähe von Meißen unter.
Frauen haben hier eine Perspektive jenseits der Ehe. Im Kloster lebt die junge Katharina ein einfaches, frommes Leben. Sie genießt dennoch Vorteile: Ihre Brüder statten sie mit zwei Hofdamen, Geld und Wein aus. Katharinas Aufenthalt ist nicht für die Ewigkeit geplant.
Als sogenannte Laienschwester legt sie nie das Ordensgelübde ab. Das ist ein Hinweis darauf, dass sie im Kloster von ihren männlichen Verwandten nur „geparkt“ wurde. Mit der Eheschließung verlässt sie Seußlitz.
Ein Schloss für eine Prinzessin
Über die ersten Ehejahre Katharinas ist wenig bekannt. Ab 1451 lebt Katharina mit ihrem Ehemann Friedrich II. im neugebauten Stadtschloss, das beide gemeinsam in Cölln an der Spree (heute Berlin), zwischen 1443 und 1451 errichten lassen. Die Zeit des Umherreisens ist damit weitgehend vorbei. Berlin wird zum festen Wohnsitz des Hohenzollern-Paares. Aus Briefen wissen wir, dass sie auch als Witwe ihr eigenes Appartement im Schloss bewohnte.
Von diesem Schloss ist nichts mehr übrig. Wie der Bau aussah, kann nur noch vermutet und durch bauhistorische Forschungen rekonstruiert werden. Heute steht an dieser Stelle das Humboldt Forum.
Von Schwänen und Gebeten
Im Leben der Menschen des Mittelalters spielt der Glaube eine fundamentale Rolle. So auch für Katharina, die als Landesfürstin eine besondere Vorbildfunktion hat. Im Jahr 1443 erlässt sie gemeinsam mit ihrem Mann und anderen Adligen die Statuten des drei Jahre zuvor gegründeten Schwanenordens. Diese religiöse Vereinigung dient der Verehrung der Jungfrau Maria. Der Orden erfüllt auch eine politische Funktion: Er soll Frieden unter den märkischen Adligen stiften und sie an das Fürstenhaus binden.
Der Schwanenorden steht adligen Frauen und Männern gleichermaßen offen. Die Mitglieder sollen für Sittlichkeit und wohltätige Werke eintreten, täglich ein Gebet für Maria sprechen und alle Marienfeiertage besonders ehren. Gründungs- und Versammlungsort des Schwanenordens ist die heute nicht mehr existierende Stiftskirche Harlungerberg bei der Stadt Brandenburg an der Havel.
Ein besonderes Schmuckstück
Das Erkennungszeichen des Schwanenordens ist eine prunkvolle goldene Halskette. Die Kettenglieder sollen sogenannte "premtzen" darstellen. Das sind Vorrichtungen am Zaumzeug zur Bändigung von Pferden. Blutende Herzen sind in die Glieder eingelassen. An der Kette hängt ein Emblem, das die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind vor einem Strahlenkranz und über einem Halbmond zeigt. Als Zeichen der eigenen Sterblichkeit und der Reinheit des Herzens befinden sich darunter ein Schwan sowie ein unbeflecktes Tuch, das kunstvoll herabhängt.

Mittelalterliches Upcycling
Gewänder wie dieses sind im Mittelalter unermesslich teuer. Der Stoff stammt aus Italien, die Stickereien hat eine Nürnberger Werkstatt angefertigt. Das Gewand wird deshalb auch mehrfach umgearbeitet und wiederverwendet. Zuerst für ein Kindergewand, später für eine Kasel. Dieser Umhang dient als besonderes Festgewand bei liturgischen Feiern und Messen des Schwanenordens.
Das Scheitern der Erbfolge
Katharinas auferlegtes Ziel innerhalb der Ehe ist es, einen männlichen Erben zu bekommen, an den der Kurfürstentitel später weitergegeben werden kann.
Dazu kommt es nicht. Sie bringt zwar einen Jungen zur Welt, dieser stirbt aber schon im Kindesalter. Es gibt leider sehr wenige Informationen zu ihren Kindern, sodass deren Lebensdaten zum Teil nur vermutet werden können.
Katharinas Kinder
Markgräfin Dorothea: wohl 1446 geboren, gestorben im März 1519, beigesetzt am 20. März 1519 im Dom zu Ratzeburg. Heiratet 1464 Johann V., Herzog zu Sachsen-Lauenburg (1439 –1507).
Markgräfin Margarethe: wohl um 1447/vor 1452 geboren, gestorben 1489 in Wolgast. Heiratet 1477 Bogislaw X., Herzog von Pommern (1454 –1523). Die Ehe gilt als nicht besonders glücklich.
Markgraf Johann: vor dem 13. Dezember 1452 geboren, von seiner Existenz ist erstmals 1452 zu lesen. Im Jahr 1454 wird er in den historischen Quellen als verstorben bezeichnet und später gar nicht mehr als Erbe erwähnt.
In Sorge um die Tochter
Mehrere Versuche für ihre Tochter Margarethe einen standesgemäßen Ehemann zu finden, scheitern. Voller Verzweiflung schreibt Katharina 1473 einen Brief an ihren Schwager Albrecht Achilles, der als männlicher Vormund für das „Eheprojekt Margarethe“ zuständig ist. Ein seltener, wenn nicht der einzige Brief Katharinas, der direkt von ihr stammt und Einblicke in ihre Gefühlswelt gibt:
Besonders, dass sich die Sache unserer Tochter so in die Länge zieht und nicht vorangeht, das geht uns* sehr zu Herzen und bekümmert uns* schwer.
Darum, und weil wir hier elend und allein sind und bei niemand anderem Zuflucht, Hilfe und Rat finden als bei Euch, bitten wir Euch Lieben von ganzem Herzen, dass ihr unsere Betrübnis und unser Elend anerkennt und euch unserer Tochter annehmt und sie bedenkt und versorgt.
![Conradus Kyeser, [Speiseszene] Conradus Kyeser, [Speiseszene]](/fileadmin/_processed_/c/e/csm_Bellifortis_-_Cod._Durlach_11__fol_139r_b908db4763.jpg)
Lieber Berlin als Spandau
Katharina ist in keiner guten Verfassung und sieht sich außerstande den Witwensitz in Spandau zu übernehmen. Deshalb bittet sie ihren Schwager um ein Apartment im Berliner Stadtschloss. Dieses besteht aus einer Wohnstube, einer Kammer, sowie Schlaf- und Speiseräumen für Katharinas Gesinde. Ihre Tochter Margarethe, die auch im Schloss lebt, bewohnt eigene Räumlichkeiten.
Im Goldenen Käfig

Katharina verfügt, wie es sich für eine Adlige gehört, über eigenes Personal. Der Hofmeister steht an der Spitze des Personalstabs. Für Katharina persönlich zuständig sind die Hofdamen Ursula Haken und Katherina Wilmerstorf sowie die „alte Kammerfrau“ Anna Hesin. Außerdem verfügt sie über Tischdiener, gewöhnliche Diener, Heizer, Silberknecht, Koch mitsamt Gehilfen, Mundschenk und Schneider samt Schneiderknecht. Für die seelsorgerische Betreuung sorgt der Kaplan Johann Pful.
Katharinas Tochter Margarethe hat eigenes Personal, darunter auch einen Mann, der in den Quellen als „Zwerg Diderick“ bezeichnet wird.
Eine Hochzeit und ein Todesfall
Katharina stirbt am 23. August 1476 gegen Mittag im Alter von 55 Jahren - zur Unzeit, denn ihr Neffe Johann feiert gerade sein mehrtägiges Hochzeitsfest. Um Katharinas Ableben wird wenig Aufhebens gemacht: Damit die Hochzeit nicht gestört wird, bringt man sie in aller Stille aus dem Schloss und bestattet sie im Kloster Lehnin. Wo genau sich ihr Grab dort befindet, ist heute nicht mehr bekannt.

Letzte Änderung: 31.03.2026
Das Titelbild dieser Seite wurde von der Illustratorin Viola Lippmann angefertigt.












