Anna von Sachsen

Die Fürstin schreibt!

 

Anna von Sachsen (1437–1512) hat viele Spuren hinterlassen. Diese finden wir vor allem in ihren Briefen. Sie sind für uns heute ein großer Schatz und geben Einblick in ihr Leben als dreizehnfache Mutter, passionierte Jägerin und Herrscherin. Mit Feder, Tinte und Geschenken spannt Anna ein großes Netz: zur Familie, zu Herrschaftshäusern, Adligen und Nichtadligen.

 

Wer ist Anna?

 

Anna kommt in Meißen zur Welt. Sie ist die zweite Tochter des sächsischen Kurfürstenpaares Margarethas von Österreich und Friedrichs dem Sanftmütigen. 
Die Prinzessin heiratet Albrecht von Brandenburg, verlässt Sachsen und zieht nach Ansbach in Franken. 
An der Seite ihres Mannes wird sie Kurfürstin von Brandenburg. Anders als ihre Großmutter Katharina von Braunschweig-Lüneburg, ruft Anna zwar keine Heere zusammen, Macht und Einfluss hat sie trotzdem. 

Wie setzt sie diese ein? Finden wir es heraus!

Wo ist Anna?

 

Anna ist Kurfürstin – allerdings nicht in Sachsen! Deshalb fehlt sie im Wandbildzyklus der sächsischen Dynastiegeschichte im Meißener Schloss. Oder vielleicht doch nicht? Werfen wir einen Blick auf das Bild der Verlobung ihres jüngeren Bruders Albrecht mit der böhmischen Königstochter Zdena. Seht ihr die junge Frau, die sich zwischen den Säulen auf der linken Bildseite hervorbeugt? Sie schaut zu dem Mann im dunkelroten Mantel mit schwarzem Hut, der hinter dem Brautpaar steht. Das werden Anna und ihr Mann Albrecht von Brandenburg sein.

Bild unten: Die Verlobung Albrecht des Beherzten mit Sidonia, Wandbild von Heinrich Hofmann, 1879, Albrechtsburg Meissen, Kleine Tafelstube.                    Foto: SBG, Frank Höhler. 

Die Verlobung Albrecht des Beherzten mit Sidonia, Wandbild von Heinrich Hofmann, 1879, Albrechtsburg Meissen
Anna und die Fürstinnen stehen unter dem steinernen Baldachin. Albrecht Achilles (1414-1486), Annas Ehemann und Kurfürst von Brandenburg ab 1470.Die Verlobung Albrecht des Beherzten mit Sidonia, Wandbild von Heinrich Hofmann, 1879, Albrechtsburg Meissen, Kleine Tafelstube. Foto: SBG gGmbH, Frank Höhler.

Anna als Kind

 

Ein halbes Jahr ist Anna alt, als sie in die Kinderstube auf Burg Mildenstein kommt. Hier verbringt sie ihre Kindheit und Jugend zusammen 
mit ihren Geschwistern. Die Eltern sind in Regierungsgeschäften unterwegs und werden per Brief über das Befinden ihrer Sprösslinge auf dem Laufenden gehalten. Um die Kinder kümmern sich eine Hofmeisterin und weiteres Personal. Unterricht gibt es natürlich auch. Ob sie Latein lernen? Die Kinder bekommen Geschenke wie Wildbret, Singvögel und Leipziger Pfefferkuchen von Mutter Margaretha.

 

 

Eine Wettinerin in Franken

 

Anna heiratet im Jahr 1458 den Witwer Albrecht Achilles, Markgraf von Brandenburg. Er erhofft sich einen Vorteil im Fürstenkrieg durch die Verbindung mit den Wettinern. Denn Annas Familie gehört nun zu den Verbündeten. Er kämpft um die Vorherrschaft in Franken. Dieser Krieg dauert fünf Jahre.

 

 

Die erfolgreiche Fürstin

 

Anna und Albrecht heiraten am 12. November 1458 in Wittenberg mit zahlreichen Gästen. Zum Fest gibt es Turniere und andere Vergnügungen. Schließlich zieht die Gesellschaft nach Ansbach. Dort wird die Hochzeitsnacht gefeiert. Ab 1460 bringt Anna dreizehn Kinder zur Welt, hinzu kommen vier Stiefkinder. Eine große Familie soll Nachfolge, Bündnisse und politische Stabilität sichern. Anna ist eine erfolgreiche Fürstin!

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Die Hochzeitsnacht

Dreizehn Kinder

 

Aus der ersten Ehe ihres Mannes nimmt Anna vier Stiefkinder in ihre Obhut. Sie selbst bringt sage und schreibe dreizehn Kinder zur Welt, acht von ihnen erreichen das Erwachsenenalter. Anna unterstützt die Heranwachsenden in vielen wichtigen Angelegenheiten, vor allem gegenüber ihrem Vater. Wenn Albrecht nicht da ist, wird Anna zum Familienoberhaupt. Entscheidungen über den Lebensweg des Nachwuchses trifft das Paar jedoch gemeinsam: Wer heiratet wen? Wer schlägt eine geistliche Laufbahn ein? Die Entschlüsse der Eltern gefallen den Kindern nicht immer. Doch das dynastische Netzwerk wächst.

 

 

Residenz statt Reichweite

 

Mit dem Übergang der Reise- zur Residenzherrschaft verändert sich das Leben für Fürstinnen von Grund auf: Sie verlieren den eigenen Hof, ihre Mobilität und große Teile ihres Personals. Die Herrschaft wird zunehmend an Behörden übertragen. Frauen büßen damit einen Teil ihrer Stellvertretungsfunktion und ihre relative Unabhängigkeit ein. Sie wirken aber weiter in Bereichen der soft power, als Konfliktvermittlerinnen zum Beispiel. 

Wie die "Herrschaft aus dem Sattel" funktionierte, die sich dann zur Residenzherrschaft entwickelt, erfahren Sie in diesem kurzen Video. Erklärt anhand der Reisewege von Annas Eltern: 

 

Was ist ein Frauenzimmer?

Obwohl Annas Hof aus Versorgungsgründen den Standort noch wechseln muss, ist die Zeit der Frauenhöfe in Franken vorbei. Anna lebt im Frauenzimmer.  
Das Wort kommt in ihrer Zeit erstmals auf, zusammen mit den frühen Residenzschlössern. Frauenzimmer hat mehrere Bedeutungen – einerseits sind es die Wohnräume der Fürstin und ihres Hofstaats. Sie liegen meist über den Gemächern des Fürsten und sind von außen abschließbar. Mit Frauenzimmer sind andererseits auch die Fürstin selbst und ihr Personal gemeint. In Ansbach gehören dazu zehn Frauen, der Türhüter, der Hofmeister und andere Angestellte. Seine abschätzige Konnotation als Bezeichnung für Frauen kam erst später auf. 

 

 

Goldener Käfig?

 

Annas ältere Schwester Amalie lebt nach 11 gemeinsam verbrachten Ehejahren mit ihrem Frauenzimmer in Burghausen. Ihr Gemahl Herzog Ludwig von Bayern-Landshut legt nicht nur den neuen Wohnort fest, sondern verfasst auch ein strenges Regularium darüber, was Amalie und ihre Jungfrauen im Alltag dürfen und was nicht. Verantwortlich für die Einhaltung ist Amalies Hofmeisterin, genannt die "Eysenhoferin".

Hofordnungen wie diese zeigen uns, welche Veränderungen es durch das Ende der Reiseherrschaft im Leben fürstlicher Frauen gab. Mit der Residenzbildung waren sie von den Regierungsgeschäften weitgehend ausgeschlossen, sowie in ihrer persönlichen Bewegungsfreheit und in ihren Kontakten eingeschränkt. Es sei denn, sie wurden Witwe mit eigenem Herrschaftssitz. 

 

 


Behalte den Schlüssel zum Frauenzimmer immer bei Dir und gib ihn nicht aus der Hand. Schließe die Tür jede Nacht persönlich zu und morgens wieder auf. Öffne sie nachts nur im Notfall, wenn Du es mir gegenüber verantworten kannst. Stelle vorher bereit, was man während der Nacht oder morgens braucht. Bringe diese Dinge schon abends ins Frauenzimmer, damit morgens nicht aufgeschlossen werden muss. Ich befehle Dir, dass Du keine Unbekannten oder fliegende Händler zu meiner Gemahlin lässt und auch keine Kostbarkeiten oder Schmuck kaufst. Das tue ich selbst. Wenn sie etwas braucht, soll sie es mir sagen. 

1463

Die neue Würde

 

 

Anna wird 1470 an Albrechts Seite Kurfürstin von Brandenburg, bleibt jedoch mit ihrem Mann in Franken. Ihr Stiefsohn Johann regiert stellvertretend für seinen Vater in Berlin. Dennoch genießt Anna die Vorteile der Rangerhöhung: 6000 Reiherfedern im Jahr erhält sie von Johann. Mit diesen besonderen Federn schmückt Anna Kopfbedeckungen.

Ehe zwischen den Zeilen

Fürstliche Ehen werden nicht aus Liebe geschlossen. Die Ehe von Anna und Albrecht wird dennoch als harmonisch beschrieben. Herzlich und ehrerbietig klingen Annas Briefe an Albrecht. Besonders viele schreibt sie, als er am Krieg des Kaisers gegen den Herzog von Burgund teilnimmt. Trotz der Zuneigung des Ehepaars füreinander gibt es in der Beziehung eine klare Ordnung: Albrecht als Bestimmer, Anna als Nachfolgende und als Bittstellerin. Die Fürstin erinnert ihren Mann stets an ihre Treue, Liebe und die Sorge um ihn. Und so - scheint es - werden 
auch Wünsche erfüllt, zum Beispiel, wenn sie jagen möchte.

„Mein herzer lieber her, 
euer gesuntheit pin ich von 
gantzem meinem hertzen 
erfreut, got geb lang, vnd 
pit euer lieb, mir das oft zu 
ferkunden, wen ich sunst 
kein kurzweil noch freud 
hab, dan ich wys, wie es 
euer lieb zustet: vnd ich 
danck euer lieb, das mir 
euer lieb erlaubt hat zu 
jagen; aber euer lieb hat 
nicht gemelt, wo ich jagen 
sul, das wolt ich gern wis-
sen, das ich nicht wider 
euer lieb det, vnd pit, euer 
lieb las mich dasselb auch 
wissen."

Anna an Albrecht

„Mein herzlieber Herr,
dass Ihr gesund seid,  
was Gott so erhalten soll, 
freut mich von ganzem  
Herzen und ich bitte Euch, 
mir oft darüber zu berichten,  
da ich nur Kurzweil und 
Freude habe, wenn ich 
weiß, wie es Euch geht.
Und ich danke Euch für  
die Erlaubnis zu jagen,  
jedoch habt Ihr mir nicht  
gesagt, wo ich jagen soll. 
Das möchte ich nun fragen,  
um nicht gegen Euren 
Willen zu handeln und bitte 
Euch um Mitteilung."

Erotische Fantasien

1475 – neue Briefe von  
Albrecht: Anna soll ja nicht 
zu dünn werden! Vor allem  
der arß muss fayßt und 
starck sein. Bei seiner 
Rückkehr will er sie und  
ihre Hofjungfrauen besehen 
und ‘pfeffern’. Befremdlich  
für Anna? Das wissen wir 
nicht. Während der langen 
Trennungsphasen tauscht 
das Paar auf Albrechts 
Wunsch erotische und 
scherzhafte Fantasien aus. 
Anna schreibt allerdings zu-
rückhaltender als ihr Mann  
und liest die Briefe vermut-
lich zur Unterhaltung im 
Frauenzimmer vor. 

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„Bathseba im Bade“ neu betrachtet

„So uns gott glückseliglich heimhilffet, wöllen wir dich mit dem jungen Albrecht und die jungfraun mit der rüten pfeffern, das wir euch das neu jar zu unserer zukunfft nit umbsust dörffen geben. Der jung Albrecht will stark werden.“ 

Wenn wir mit Gottes Hilfe heimkehren, wollen wir dich mit dem kleinen Albrecht (das heißt mit dem Penis) und die Jungfrauen mit der Rute pfeffern, sodass wir 
euch das neue Jahr bei unserer Ankunft nicht umsonst geben werden. Der kleine Albrecht will groß werden.

26. Dezember 1474

Fränkische Schwanenritter

 

Anna und Albrecht stiften in Franken einen Ableger des Schwanenritterordens, der seinen Hauptsitz in Brandenburg hat. So werden die Eliten beider Regionen miteinander vernetzt. Anna steht im Orden an der Spitze der adeligen Frauen in Franken, was ihre Stellung als Fürstin stärkt. In der Ansbacher St. Gumbertus-Kirche sehen wir die Stifterportraits Annas und Albrechts auf dem Ordensaltar.

 

 

Herrin im Haus und darüber hinaus

Anna handelt auch über den engen Familienkreis hinaus, zumal sie Albrecht vertreten kann: In seiner Abwesenheit empfängt die Fürstin hohe Gäste und hält beispielsweise Fastnachtsfeiern ab. Die durchreisende dänische Königin Dorothea lädt sie ins Schloss nach Ansbach ein. Und das nicht ohne Grund: Dorothea streitet mit ihrem Onkel Albrecht um das Ehegut. Anna beschwichtigt die Königin mit einem gebührenden Empfang, Jagden und nicht immer freiwilligen Geschenken. 

 

Dorothea von Brandenburg 1430-1495), Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden, Herzogin von Schleswig und Holstein, Gräfin von Oldenburg.Dorothea trägt ein so genanntes Gebende vor dem Mund und um das Kinn. Es entspricht den Vorstellungen von Sittsamkeit und Bescheidenheit, die einer Witwe wohl anstehen.Bild: Unbekannter Künstler (nach einem Altarbild aus Turø), König Christian I. und Königin Dorothea, 16. Jahrhundert, Öl auf Holz. Frederiksborg, Dänisches Nationalmuseum. Foto: Frederiksborg / Iben Kaufmann

Auch so wolt sy mein kleinet seehen, da wolt ich sye yr nicht seehen lasen, ich sprach, ich het sy nit pey mir, ich het sye czubehalten geben. Wen sy sach, das wolt sye haben: ich trug das gerinst welsch gespent, das must ich ir geben, […] vnd sy drat fur den spigel vnd gefil ir selbst ser wol vnd drat hinaus fur ir leut, dye musten sye auch sehn. Wen ich sieh doch wol, das kein alter fur kein dorheit hilft: das pruf ich an yr vnd an vnser aler [Muhmen] vnd an mir wol, wen wir vns so hubsch duncken, das wir der runthseln vm die augen an vns selbst nit seehen. […]

Auch wollte sie [die Königin] mein Kleinod sehen, da wollte ich es ihr nicht zeigen, ich sagte, ich hätte es nicht bei mir, sondern es in Obhut gegeben. Als sie sagte, sie wolle es haben, musste ich ihr den Kopfschmuck, den ich trug, geben. […] Und sie trat vor den Spiegel und gefiel sich selbst sehr wohl und trat hinaus zu ihrem Gefolge, die es auch sehen sollten. Da sehe ich doch gut, dass Alter nicht vor Torheit schützt: ich erkenne es an ihr und unser aller Tanten und an mir, wenn wir uns so hübsch finden, dass wir die Runzeln um unsere Augen nicht mehr sehen.“

Ansbach, 3. April 1475

Hemden und Hauben

Am fränkischen Hof fliegen Geschenke ein und aus. Anna und Albrecht stehen mit vielen Höfen in Kontakt. Man schenkt sich Jagdhunde, Schmuck und Marienbildnisse. Anna näht Hemden, stellt Federbüsche und Hauben her. Diese schickt sie an Albrecht, ihre Kinder und Geschwister und festigt damit die Verbindungen zwischen den Familien. 

 

 

Heilung erwünscht

 

Die Sorge um die Gesundheit ist Alltag: Die Pest geht noch immer um und die Kindersterblichkeit ist hoch. Heilmittel sind im Spätmittelalter vielfältig: Anna lässt für Albrecht Messen lesen und sendet ihm Medikamente. Bei Schwangerschaften leiht sie aus Thüringen Reliquien der heiligen Elisabeth als wirkmächtige Geburtshelfer. Und sie stellt selbst Heilmittel her: Heidekränze und geweihte Muskatnüsse.

Anna und die Jagd

In Franken blüht die Hofkultur, bei der das Jagen eine zentrale Rolle spielt. Um die Adelssitze Cadolzburg, Baiersdorf und Neuhof liegen reiche Jagdgründe. Und Anna ist eine begeisterte Jägerin. Zum Jagen gehören im Mittelalter Falken und Hunde. Aus ihren Briefen wissen wir, dass Anna ihrer Stieftochter Elisabeth Windhunde schickt und im Gegenzug um einen guten Leithund, vier Jagdhunde sowie vier Hatzhunde für die Hirschjagd bittet.

Anna auf der großen Bühne

 

Mit der Verheiratung der Kinder und Stiefkinder wachsen die Verbindungen zu anderen Fürstenhäusern. Anna knüpft die Netze mit Briefen und Geschenken enger. Zusammen mit ihrem Mann bahnt sie weitere Ehen an, immer zum Wohl der Familie. Manchmal auch ohne Erfolg: Bei der unglücklich verheirateten Tochter Barbara will die Unterstützung nicht glücken. Beide Eltern schreiben Briefe – Anna an das ungarische Königspaar, Albrecht an einen Kardinal. Barbaras Mann, der König von Böhmen, weigert sich dennoch, seine Ehefrau anzuerkennen. Ein Drama für die adlige Frau, die nun weder zur alten noch zur neuen Familie gehört.

Bild oben: Landshuter Hochzeit. 1475 heiratet Annas Neffe die polnische Königstochter Hedwig. Wandbild, 19. Jh. von A. Spieß u.a. Malern, Rathaus Landshut, Foto: Stadt Landshut, Matthias Ammer. 

Landesmutter

Die Sorge für ihre Untertanen gehört zu den Aufgaben einer Fürstin. Anna erreichen Bittschriften ihrer Untertanen, die Unterstützung bei der Witwenversorgung oder bei Erbschaftsstreitigkeiten suchen. Einmal wird auf Annas Fürsprache ein Gefangener in der Stadt Eger freigelassen. Auch bei der Besetzung von Kirchenämtern engagiert sie sich.

Anna als Witwe

 

Im Jahr 1486 stirbt Albrecht und die Witwe Anna zieht nach Neustadt an der Aisch. Ein letztes Mal werden Verhandlungen um ihr Wittum geführt. Einen Teil der Einnahmen aus ihren Witwengütern überträgt Anna an ihre Söhne. Ihr Schmuck soll in der Stadt Rothenburg hinterlegt werden – er gehört ihr offenbar nicht persönlich. In Neustadt führt sie einen großen Hof mit den dazugehörigen Hofämtern, wie eine eigene Küche und Räte.

 

 

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Das Wittum

Der Witwenhof wird Familienzentrum

 

Anna nimmt ihre unglücklich verheirateten Töchter Elisabeth und Barbara auf und begleitet die jüngeren in die nächste Lebensphase: Für Dorotheas Ordensgelübde reist sie nach Bamberg, bei Anastasias Hochzeit ist Anna die Gastgeberin. Sie erzieht auch mehrere Enkel – darunter den späteren Kurfürsten Joachim. Ihre Unterstützung kennt auch Grenzen. Als ihre Söhne 1493 Barbara auf der Plassenburg einsperren, tritt Anna dem nicht entgegen. Barbara hat zuvor versucht ihre Ehe annullieren zu lassen – hinter dem Rücken der Familie. Außerdem verlobt sie sich heimlich und nicht standesgemäß mit einem Ritter. Für beides hat Anna kein Verständnis.

 

 

Das Testament

Zwei Jahre vor ihrem Tod macht Anna ihr Testament. Darin legt sie detailliert fest, wie ihre Bestattung abgehalten werden soll. Sie bedenkt ihren Sohn Friedrich und seine Frau Sophia, ihre Enkel Kasimir, Gumprecht und Johann bei ihrem Erbe. Einige Hofangehörige sollen Geldgeschenke erhalten. Als Grabstätte bestimmt Anna das Münster des Zisterzienserklosters in Heilsbronn, wo bereits Albrecht liegt, und plant ein repräsentatives figürliches Monument.

 

 

Wirkmacht & Präsenz bis heute

 

Das aufwendige Hochgrab wird bereits vor ihrem Tod aufgerichtet. Unmittelbar bei einer Quelle findet Anna hier nach ihrem Tod 1512 die letzte Ruhe. Die hochliegende Grabplatte zeigt sie überlebensgroß in Witwentracht mit Insignien und Wappen. Sie trägt die Kette des Schwanenritterordens und andere religiöse Zeichen. Die Wappen zeigen ihre dynastischen Verbindungen. An der Stirnseite ihres Sandsteingrabmals steht eine Figur der Heiligen Anna Selbdritt: Anna als Mutter von Maria und Großmutter Jesu – eine zentrale Mutterfigur. Ob Anna einen Bezug zur Heiligen Anna herstellen wollte, der über den der Namenspatronin hinausging? Was für eine Botschaft weiblichen Selbstbewusstseins wäre das: Kurfürstin Anna als Stammmutter!

 

Mit ihrer Hochzeit betritt Anna als Fürstin die Bühne. Allerdings haben sich die Zeiten für Frauen bereits geändert. Wir sehen Anna deshalb nicht in der Heeresorganisation oder als Herrin eines eigenen Hofs. Darüber kann sie erst als Witwe verfügen. Dennoch herrscht sie mit – als Vermittlerin, Netzwerkerin und Diplomatin – im Auftrag der Dynastie. Anna wirkt politisch! Innerhalb ihrer Familie hat sie vielfältige Kompetenzen. Sie unterstützt, mahnt, weist an. Die wesentliche Grundlage ihrer Handlungsspielräume ist das Verhältnis zu ihrem Mann. Das kann eine Fürstin nur begrenzt beeinflussen. Offensichtlich weiß Anna das Machtgefälle in ihrer Ehe geschickt zu nutzen. Ansehen gewinnt sie durch Klugheit, Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen.

Das Titelbild dieser Seite wurde von der Illustratorin Viola Lippmann angefertigt.


Letzte Änderung: 09.07.2026