Der Brunnenputzer von Mildenstein
8. Türchen
Wer riskierte im 17. Jahrhundert beinahe sein Leben beim Säubern des Mildensteiner Burgbrunnens?
Christian Eckert ist Bergmann. Doch anstatt in den Stollen einzufahren, taucht er diesmal in eine andere Tiefe hinab: den Mildensteiner Burgbrunnen. Im Jahr 1683 bekommt er den Auftrag den Brunnen zu reinigen. Dass dafür ein Bergmann benötigt wird, hat seinen Grund. Denn die Arbeit im Brunnen ist gefährlich und kann sogar tödlich enden. Hier braucht es Erfahrung und ja, auch ein wenig Heldenmut.
Christian Eckert schuftet mit zwei anderen Hilfsarbeitern 37 Tage bis der Burgbrunnen wieder sauber ist. Steine, Holz und anderer Abfall haben den Brunnen, der eigentlich 66,5 Meter tief ist, bis auf die Hälfte verfüllt. Mit Spitzhacken und Schaufeln legen sie den Schacht wieder frei und transportieren mit Kübeln und Muskelkraft den Abraum Meter für Meter nach oben.
Im Brunnen ist es dunkel und stickig. Die schleichende Ansammlung von Gasen und die fehlende Frischluftzufuhr können zum Erstickungstod führen. Durch die auf- und abfahrenden Eimer ist die Gefahr sich zu verletzen sehr groß. Nischen dienen normalerweise als Unterstand und Schutzmöglichkeit, damit der Brunnenputzer den vorbeiziehenden Eimern oder herabfallenden Teilen ausweichen kann. Doch solche Zufluchten gibt es im Mildensteiner Brunnen nicht. Nach der „gefährlichen Mühe“, wie Eckert es selbst bezeichnet, erhält er vom Amtsschreiber 17 Taler und 15 Groschen. Als man ihn ein Jahr später in Leisnig sucht, ist er bereits verzogen. Wahrscheinlich arbeitet er schon im nächsten Stollen oder Brunnen.

Letzte Änderung: 24.11.2025
