Alltagsheldinnen: Die Porzellan-Malerinnen von Meißen
23. Türchen
An der Zeichenschule in Meißen wurden seit 1764 auch Mädchen aufgenommen, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Die Anzahl ihrer Unterrichtsstunden war geringer als die der Jungen. Lernten die Mädchen etwa schneller?
Um es gleich vorwegzunehmen: Über die genauen Gründe können wir nur spekulieren. Vielleicht durfte die Ausbildung der Mädchen nicht so kostenintensiv sein wie die der Jungen? Oder hatte sie möglicherweise nicht denselben Stellenwert wie die der männlichen Mitschüler? Klar ist jedenfalls: Die Porzellanmanufaktur benötigte dringend Nachwuchskräfte. Frauen, die hier mitarbeiteten, bedeuteten vor allem eines: niedrige Löhne pro Person und pro Stück bei gleichzeitig großer Geschicklichkeit. Eine akademische Ausbildung an der Kunsthochschule Dresden blieb Frauen noch lange verwehrt.
Im Handwerk, wo es traditionell üblich war, dass die ganze Familie mitarbeitete, boten sich für Mädchen eher Ausbildungschancen. An der Porzellanmanufaktur in der Albrechtsburg gab es bereits 1765 eine Gruppe von Malerinnen. Auch eine Aufseherin gehörte dazu.
Nach den Napoleonischen Kriegen, im Jahr 1818, betrug das Fixum – der feste Lohn – der Aufseherin Friederike Eleonore Schmidt 13 Taler. Der Gehalt ihres männlichen Kollegen lag bei 15 Talern. Die Bunt- und Goldstaffiererinnen sowie die Malerinnen waren für die Dekoration von Gebrauchs- und Zierporzellan verantwortlich, einschließlich der Herstellung von Figuren. Auch in diesem künstlerischen Bereich waren also Frauen in der Manufaktur tätig.
Die Fotoaufnahmen zeigen Porzellane, an deren Bemalung oder Staffage auch Frauen beteiligt gewesen sein könnten, sicher belegen lässt sich dies jedoch nicht. Bekannt ist, dass in der Abteilung der blauen Unterglasurmalerei ab 1765 auch Frauen arbeiteten. Zwar sind bei vielen Objekten bestimmte Maler genannt, doch handelt es sich meist um jene, die das Dekor entwarfen. Wer die Entwürfe anschließend in größerer Zahl ausführte, bleibt meist unbekannt. Eine Beteiligung von Frauen lässt sich daher nicht sicher nachweisen, ist aber wahrscheinlich; hier wäre weitere Forschung nötig.
Letzte Änderung: 06.03.2026




