Tapetenwechsel

Wenn eine Ledertapete restauriert werden muss

Das Gästezimmer ist normalerweise ein Raum wie jeder andere auch. Doch zurzeit fehlen die meisten Möbel, Ausstellungsstücke und vor allem die Tapeten, die eigentlich an den Wänden hängen. Diese Tapeten, gefertigt aus Ziegenleder, werden derzeit restauriert. Warum? Und was passiert jetzt mit den Tapeten?

Ein Blick in die Geschichte

Ledertapeten galten zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert als besonders hochwertige Raumausstattung und waren unter wohlhabenden Adeligen sehr beliebt. Auch August der Starke, der Anfang des 18. Jahrhunderts umfangreiche Umbaumaßnahmen in Moritzburg vornehmen ließ, war davon beeindruckt. Sechzig Räume wurden mit Tapeten ausgestattet.

In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden Tapeten umgehängt, verkauft oder gingen verloren. Der Bestand blieb trotzdem vergleichsweise groß, sodass Schloss Moritzburg heute einen der größten Bestände von Goldledertapeten weltweit besitzt.

Etwa 300 Jahre haben aber auch Spuren an den Tapeten hinterlassen. Manche wurden ab- oder umgehängt und dabei nicht sehr pfleglich behandelt. Andere haben Schäden durch unsachgemäße Restaurierung oder durch Insektenbefall erlitten. Viele Gründe, um sich die Tapeten genauer anzuschauen. Nach und nach werden sie nun untersucht und restauriert.

 

Die Restaurierung beginnt

Für eine umfangreiche Restaurierung sind sehr viele Schritte notwendig. Zuerst muss die Tapete von der Wand genommen und für die weitere Behandlung in die Restaurierungswerkstatt gebracht werden. Danach erfolgt die Reinigung der Vorder- und Rückseiten. Um sie später wieder korrekt zuzuordnen, bekommen die einzelnen Teile Nummern. Außerdem müssen mit Kleister festgeklebte Leinwandstreifen, Überbleibsel früherer Restaurierungen, entfernt werden. Der Kleister hatte Brotkäfer angelockt, die sich in den Leim und die Tapeten fraßen.

 

Auch die Bemalung der Tapeten muss gesichert werden, denn die Farbe hat sich teilweise von dem Leder gelöst. Außerdem wurde die Bemalung restauriert.

Durch Schäden und unsachgemäße Behandlung hat sich das Leder an manchen Stellen verformt, weshalb die Tapete geglättet werden muss. Danach können Schäden ausgebessert werden, die zum Beispiel durch menschliche Einwirkungen oder durch Insekten entstanden waren. Dünne Stellen werden verstärkt, Risse oder Löcher mit Leder geschlossen.

Nach Abschluss können die Tapeten wieder an Ort und Stelle gehängt werden. Bei allen Arbeiten muss äußert vorsichtig und präzise vorgegangen werden, um die empfindlichen Tapeten und vor allem deren Bemalung nicht zu beschädigen.

 

Und hinter der Tapete?

Die fehlenden Tapeten ermöglichen einen besonderen Blick hinter die Kulissen. Die Wände des Raumes bestehen eigentlich aus Ziegeln und wurden mit Mörtel verputzt. Über den Putz wurde ein Rahmen eingebaut, der die Ledertapeten halten soll.

An manchen Stellen steckt Holz in der Wand. Es sind Dübel zur Aufhängung von Gemälden oder Spiegeln. Damals gab es noch keine Dübel im heutigen Sinne. Man musste ein Loch in die Ziegelwand bohren und in dieses Loch Holzstücke stecken. Die wurden beispielsweise mit Mörtel an Ort und Stelle gehalten. In das Holz konnte man dann einen Nagel schlagen.