Katharina von Braunschweig-Lüneburg

1386/1395-1442

Was wissen wir über Katharina?

 

Katharina von Braunschweig-Lüneburg ist die einzige Tochter von Herzog Heinrich dem Milden und Sophia von Pommern. Sie kommt zwischen 1386 und 1395 zur Welt. Über ihre Kindheit wissen wir fast nichts.
Nach einer gescheiterten Verlobung heiratet sie im Februar 1402 den meißnischen Markgrafen Friedrich IV., später genannt „der Streitbare“. Damals war sie vermutlich gerade erst zwölf Jahre alt – denn bei ihrer ersten Verlobung legt man als Heiratsdatum fest: ‘wanne se erst twellff Jar olt is‘.

 

 

Wie begegnen wir Katharina in der Albrechtsburg Meissen?

 

Wer durch die Albrechtsburg geht, trifft zuerst auf Katharinas Ehemann Friedrich: Er ist seit Ende des 19. Jahrhundert als überlebensgroßes hölzernes Standbild und in einem der Wandbilder präsent, dargestellt in Rüstung und mit den Ehrenzeichen der Kurwürde.
Und Katharina? Sie erscheint nur an seiner Seite. Mit lang wallendem Haar, Blumen an die Brust gedrückt, die Hand zaghaft am sächsischen Wappen. Ihre eigenen Lebensdaten fehlen, ebenso das Wappen ihrer Herkunft. Fast so, als sei sie nur eine zarte Randfigur der Geschichte – und nicht die erste Kurfürstin der Wettiner.

 

 

Katharinas Bild wirkt wie eine Illustration der Minnesang-Zeilen im Frauenzimmer, die auf Schriftbändern über den Türen des schmalen Raums im 2. Obergeschoss zu lesen sind:

Treu ist das heimeliche kleid das uns got hat geschnitten an.

Hochdeutsch: „Treue ist das unsichtbare Kleid, das uns Gott geschneidert hat.“

Die Frauen sind der höchsten saelde Schrein kein meistr mag ihr hohes lob voldenken.

Hochdeutsch: „Den Frauen ist der Schrein der höchsten Seligkeit bestimmt; kein Mensch vermag ihr hohes Lob voll zu würdigen.“

Zwei Kunstwerke ihrer Zeit

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Der Wandbildzyklus in der Albrechtsburg

Der Fürstenzug in Dresden

 

Der mehr als 100 Meter lange Fürstenzug am Stallhof des Dresdner Schlosses zeigt nur Männer. Frauen fehlen vollständig. Geschaffen wurde das monumentale Werk vom Historienmaler Wilhelm Walther zur 800-Jahrfeier des Hauses Wettin im Jahr 1889. Es gilt bis heute als das größte Porzellanwandbild der Welt.

 

Hochzeiten besiegeln Bündnisse

 

Mit der Hochzeit am 7. Februar 1402 schmieden die Wettiner und Welfen ein Bündnis gegen den Erzbischof von Mainz. Vielleicht reist Katharina mit ihrem Vater schon zuvor zum Fürstentag nach Eisleben – dort wird ihre Mitgift festgelegt.
So kommt die junge Fürstentochter an den Meißner Hof. Das frühe 15.Jahrhundert ist eine krisenhafte Zeit: Auch in der Markgrafschaft Meißen drohen aus dem benachbarten Böhmen kriegerische Hussiteneinfälle.
An Katharina werden klare Erwartungen gestellt: Zusammen mit ihrem Mann soll sie die Dynastie sichern und für das Wohl von Land und Leuten sorgen. Das ist die Rolle einer adligen Frau.

 

Krieg liegt in der Luft

 

 

Nach dem Tod Kaiser Karls IV. im Jahr 1378 bricht ein Machtkampf um die Thronfolge aus. 1400 wählen die Fürsten des Reiches einen neuen König. Gleichzeitig zerreißen innere Konflikte die römisch-katholische Kirche: Gleich drei Päpste herrschen zeitweise über die westliche Christenheit.
In Böhmen wächst unter Jan Hus eine kirchenkritische Bewegung. Nach seiner Hinrichtung 1415 ziehen die Hussiten mit starken Heeren durchs Land und bedrohen auch die Nachbargebiete.
Mitten in diese turbulente Zeit fällt Katharinas Leben am Meißner Hof.

Katharina regiert

 

 

An der Seite ihres Mannes, Friedrich des Streitbaren, übernimmt Katharina auch Regierungsaufgaben. Mit seiner Erhebung zum Kurfürsten im Jahr 1423 wächst ihre Verantwortung.


Sie vertritt Friedrich in Finanzfragen, sammelt Geld für Landkäufe oder Kriegszüge und nimmt Bittschriften der Untertanen entgegen. Für deren Anliegen kann sie eintreten solange ihr Mann zustimmt. Gemeinsam mit ihm fordert sie Steuern ein, steht als Kurfürstin in Kontakt mit anderen fürstlichen Häusern des Alten Reichs und wirkt in Streitfällen als Vermittlerin.

So gestaltet Katharina Politik mit.

Die Reiseherrschaft

 

Im frühen 15. Jahrhundert regiert man „aus dem Sattel heraus“, denn Herrschaft wird nur durch Anwesenheit ausgeübt. So ziehen auch Katharina und Friedrich, oft getrennt voneinander, mit großem Gefolge durch die Markgrafschaft und halten an wechselnden Orten Hof.
Katharinas Mitwirkung an der Herrschaft ist für ihre Zeit keine Ausnahme. Auch andere Fürstinnen, etwa Anna von Schwarzburg in Thüringen oder Elisabeth von Bayern in Brandenburg, übernehmen Regierungsaufgaben.

 

 

Familienbande

 

Als Mutter und damit Bewahrerin der Dynastie kommt Katharina große Bedeutung zu. Sie bringt sieben Kinder zur Welt, sechs sind namentlich bekannt. Ihr Erstgeborener ist ein Sohn, der erhoffte Nachfolger.

Katharinas Kinder:

  • Friedrich II., „der Sanftmütige“ (1412–1464)

  • Sigismund (1416–1471), Bischof von Würzburg

  • Anna (1420–1462), 1433 verheiratet mit Landgraf Ludwig I. von Hessen

  • Katharina (1421–1476), 1441 verheiratet mit Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg

  • Heinrich (1422–1435)

  • Wilhelm III., „der Tapfere“ (1425–1482), Landgraf von Thüringen

 

 

 

Krieg ist Alltag

 

In den ersten Ehejahren begleitet Katharina ihren Mann nach Pirna, Königstein und Altenburg. Doch mit den Hussitenkriegen verändert sich ihr Alltag: Während Friedrich das vergrößerte Territorium bereist, tritt Katharina als seine Stellvertreterin auf.
Sie reist nach Meißen, Bischofswerda und Löbau, wo sie Feldzüge gegen die Hussiten vorbereitet. Für eine Fürstin des frühen 15. Jahrhunderts war Krieg kein Ausnahmezustand, sondern Teil der täglichen Verantwortung.

 

 

 

Frommes Handeln

 

Katharinas Wallfahrten waren wichtiger Ausdruck fürstlicher Frömmigkeit. Besonders Ebersdorf bei Chemnitz spielte für die Wettiner eine Rolle: Dort verehrte man ein wundertätiges Marienbild. In der Marienkirche hat sich bis heute ein Altaraufsatz erhalten, in dessen Schrein zwei kniende Fürstenfiguren neben der Madonna erscheinen.
Vielleicht sind Katharina und Friedrich gemeint. Auch wenn es kein Porträt sein dürfte, zeigt sich die Fürstin Katharina hier in unmittelbarer Nähe zum Göttlichen. Möglicherweise bat das Paar um himmlischen Beistand für die Auseinandersetzungen mit den böhmischen Hussiten?

 

 

Was der Schrein von Ebersdorf verrät

Der Schrein aus der Ebersdorfer Kirche wurde 2023 von Fachleuten erforscht und restauratorisch untersucht. Die Ergebnisse und der aktuelle Stand der Forschung zeigt dieser Film.

 

Fehlstelle Grab

 

 

Katharina wurde in der Fürstenkapelle des Meißner Doms beigesetzt, darin besteht kein Zweifel. Doch wo genau ihr Grab liegt, ist unbekannt.
An ihren Ehemann erinnert ein prunkvolles Hochgrab, mehr als 20 weitere Grabstätten von Familienmitgliedern sind durch Messingplatten oder Steinkreuze markiert. Katharinas letzte Ruhestätte aber lässt sich nur durch eine Stiftung ihrer Söhne erahnen. Warum ging das Wissen um ihren Begräbnisplatz verloren?


 

 


Letzte Änderung: 30.09.2025