Wie kam der Gutsherr zu seinem Herrschaftsrecht in Rammenau? Ein Ausflug in die Geschichte des historischen „Ritterguts“.
Bei Rittern denkt man an Kämpfer mit Rüstung und Pferd oder an das Mittelalter. Auf diese Zeit geht der Name „Rittergut“ zurück. Der Begriff stammt aus dem Lehnswesen. Der Landesherr, zum Beispiel ein Kurfürst, vergab Land (das Lehen) leihweise an einen Ritter. Im Gegenzug war der Ritter dem Landesherrn zum Kriegsdienst verpflichtet. Während die Ritter im Laufe der Zeit an Bedeutung verloren, blieb der Begriff erhalten, sodass noch im 18. Jahrhundert von Rittergütern die Rede ist. Ebenso haben sich die Privilegien, aber auch die Pflichten für Rittergutsbesitzer nicht wesentlich verändert.
Welche Regeln Gutsherr und Bevölkerung zu befolgen hatten, war in der “Rammenauer Punctuation“ genau geregelt. Dieser Gesetzestext wurde 1717 geschrieben und war in ähnlicher Form bis in das 19. Jahrhundert gültig. Beispielsweise gehörten dem Rittergutsbesitzer große Teile des Landes in der Umgebung von Rammenau. Die Bewohner des Dorfes bekamen dieses Land zur Bewirtschaftung.
Arbeitseinsatz für den Gutsbesitzer
Im Gegenzug für das Land mussten die Bewohner von Rammenau Abgaben und Arbeitsdienste leisten. Welche Arbeiten das waren, ist durch überlieferte „Arbeitstagebücher“ bekannt. Für die Jahre 1777-1779 lies der Gutsherr detailliert Buch über anstehende Arbeiten führen. Zu den Tätigkeiten gehörten beispielsweise das Dreschen von Klee, der Transport von Gütern oder die Verarbeitung von Flachs.
Und eine weitere Sache wurde in den Büchern notiert: das Wetter. Das wurde für fast jeden Tag des Jahres vermerkt. Der Grund dafür ist nicht überliefert. Vielleicht wollte der Gutsherr Erfahrungswerte sammeln und hat deshalb Statistik geführt. Vielleicht hatte es auch mit den Arbeitsdiensten zu tun, weil manche Wetterlagen bestimmte Arbeiten unmöglich gemacht hätten.
Heute bieten diese Daten Einblicke in das Wetter der damaligen Zeit. Die Akten verraten beispielsweise, dass es 1777 vermutlich „weiße Weihnachten“ gegeben hat. Für den 24.12.1777 ist zwar Sonnenschein vermerkt, zwei Tage zuvor hatte es aber geschneit.
Quellen und Literatur
- Schlossarchiv Rammenau, V 1432 S, Tagebuch über die auf dem Ritterguth Rammenau täglich verrichtete Arbeit 1777.
- Schlossarchiv Rammenau, V 1391 S, Registratura Rammenau den 27. April 1745.
Letzte Änderung: 02.07.2025

