Wie wohnte Gräfin Amalie von Hoffmann in Rammenau? Die Einrichtung um 1780.
Originale Schlosseinrichtung – Fehlanzeige! Diese ist heute fast gänzlich verschwunden. Dank eines Inventars aus dem Jahr 1780 wissen wir jedoch sehr genau, wie die Räume der Gräfin in ihren letzten Lebensjahren eingerichtet waren.
Johann Albericus und Amalie von Hoffmann hatten, wie damals üblich, getrennte Wohnräume, sogenannte Appartements. Jedes Appartement bestand aus einer festen Abfolge von Räumen. Die Räume der Gräfin waren im Erdgeschoss des Schlosses zum Park hin gelegen. Zu ihnen gehörte ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und ein Kabinett. Darüber hinaus verfügte Amalie von Hoffmann über eine Garderobe und ein kleines Vorzimmer. In unmittelbarer Nähe befanden sich das Schlafzimmer ihrer Tochter und die Kammerjungferstube für ihre Dienerinnen.
Im Schreibschrank:
An Büchern:
Amalie von Hoffmann besaß zahlreiche religiöse Schriften, bildete sich jedoch auch zu anderen Themen weiter. Sie besaß ein Buch über die Eroberung Mexikos, mehrere Werke zu Gesundheitsthemen und ein Kochbuch.
Im Wohnzimmer der Gräfin stand ein blau-weißes Sofa oder auch Canapé. Neben einer Kommode und einem Tisch aus Nussbaumholz gab es noch acht Stühle, einen vergoldeten Spiegel und einen Ofen. Die Wände waren mit blau-weißen Tapeten bespannt. Vor den beiden Fenstern hingen gestreifte Leinenvorhänge.
Diese hochwertige Einrichtung diente in erster Linie der Repräsentation. Unsere heutige Vorstellung von Gemütlichkeit kam erst wenige Jahrzehnte später in der sogenannten Biedermeierzeit (1815-1848) in Mode.
Geschlafen hat Amalie von Hoffmann in einem Himmelbett mit weiß-blauen Baumwollvorhängen, das im angrenzenden Raum stand. Sieben Kissen und vier Decken sorgten für eine angenehme Nachtruhe. Zum Vergleich: In der Kammerjungfernstube befanden sich zwei einfache Bettstellen, die sich die Dienstmädchen teilten.
Neben zahlreichen Büchern in deutscher, englischer und französischer Sprache befanden sich im Inventar der Gräfin auch allerlei persönliche Dinge von der Fliegenklatsche bis zum Schmuckkästchen – aber auch ein Fass gebackener Pflaumen im Garderobenschrank und eine Männerschlafmütze in ihrem Schlafzimmer. Warum war die wohl da?
Literatur und Quellen:
- Inventar über den Nachlass von Joh. Albericus von Hoffmannsegg und seiner Frau Amalie Elisabeth geborene Miltitz, 1780, Sächsisches Staatsarchiv, Staatsfilialarchiv Bautzen, 50196 Gutsherrschaft Rammenau, Nr. 198.
Letzte Änderung: 28.06.2025



