Ein Gutsverwalter auf geheimer Mission
9. Türchen
Während des Zweiten Weltkriegs kümmerte sich Martin Gatzsche um die bombensicher verwahrten Kunstgüter aus Dresdner Museen.
Als Gutsinspektor der Schlossanlage Rammenau lenkte Martin Gatzsche den Schloss- und Gutsbetrieb durch die bewegten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 1939 kam er aus Elstra nach Rammenau, um im Auftrag der adligen Gutsbesitzerin Margarethe von Helldorff die Land- und Teichwirtschaft zu organisieren und zu verwalten. Auch trug er Sorge für die Sicherheit des Guts – eine Aufgabe, die ab 1942 besonders heikel wurde.
In jenem Jahr begannen die Dresdner Museen, ihre wertvollen Sammlungen vor den Luftangriffen in Sicherheit zu bringen. Kunstwerke aus der Porzellansammlung, dem Residenzschloss, dem Tier- und Völkerkundemuseum sowie aus privaten Sammlungen wurden in sächsischen Schlössern und Burgen eingelagert – auch im Schloss Rammenau.
Martin Gatzsche war einer der wenigen Eingeweihten. Er überwachte die Einlagerung der Kunstgüter in Rammenau, kontrollierte die Lagerbedingungen und wahrte Stillschweigen – denn die gesamte Mission war streng geheim.
Nach Kriegsende änderten sich die Verhältnisse grundlegend. Im Zuge der Bodenreform wurde Margarethe von Helldorff enteignet. Damit verlor Gatzsche nicht nur seine langjährige Arbeitgeberin, sondern auch seinen Posten als Gutsinspektor. Aufgrund seiner Nähe zur ehemaligen Besitzerin wurde er 1947 entlassen. Dennoch blieb er dem Gutsbesitz treu. Er pachtete die umliegenden Teiche und kümmerte sich auch unentgeltlich weiter um die Schloss- und Parkanlage.
Mein Großvater war ja hier Inspektor. Der hat die Landwirtschaft geliebt und eben die Teichwirtschaft. [...] Er war ein ganz liebenswürdiger Mensch. Wenn er etwas gesagt hat, dann hat er dazu gestanden.
Nach dem Tod von Martin Gatzsche im Jahr 1977 lebte seine Familie noch bis 1998 im östlichen Kopfbau des Wirtschaftshofs, dem sogenannten Storchenhaus. Zu DDR-Zeiten verkaufte Martin Gatzsche gemeinsam mit seinem Sohn sonntags Karpfen aus einem großen Bassin im Hinterhof.
Die letzte adlige Schlossbesitzerin
Letzte Änderung: 24.11.2025


