Achtung, Qualitätskontrolle! Historische Dokumente mit echten Wollproben beweisen, wie die Zuchterfolge akribisch protokolliert wurden

Ein Hauptzweig der Landwirtschaft in Rammenau war die Schafzucht. 1765 wurden bis dato fast ausschließlich in Spanien gehaltene Merinoschafe zur Veredelung der Herden in die Oberlausitz gebracht. Ziel war es, nicht nur die dezimierten sächsischen Schafbestände nach dem Ende des Siebenjährigen Kriegs wiederaufzubauen. Es sollte vor allem die heimische Wirtschaft angekurbelt werden, indem die Schafzucht modernisiert und die heimische Tuchproduktion gefördert wurden. Das Geschäft war lukrativ: Die Preise für die wesentlich feinere Merinowolle überstiegen die herkömmlichen Wollpreise um 1800 um mindestens das Dreifache. 

Click

Neue Rassen

Aus der ersten Verteilung der Zuchtböcke in Sachsen im Jahr 1765 erhielt der Gutsherr Johann Albericus von Hoffmann vier spanische Merino-Schafböcke. Diese setzte er so klug ein, dass er schon ein Jahr später 104 veredelte Schafe und damit feinere Wolle besaß. 1770 wuchs die Herde auf 374 und 1777 auf 564 Tiere an. Damit stiegen auch die Einnahmen des Gutsbetriebs durch den Wollverkauf an. 


Wie ein Unternehmer denkend und handelnd, dokumentierte Johann Albericus von Hoffmann akribisch seine detaillierten Beobachtungen und Zuchterfolge. Er untersuchte die Wollpreise im Gegensatz zu der „gemeinen Land Wolle des Orts“, setzte sich mit den Krankheiten der Tiere auseinander und fragte, womit diese behandelt werden konnten.

Seine Akribie zeigte Erfolg: Im Wirtschaftsjahr 1777/1778 standen die Gewinne aus der Schäferei schon an zweiter Stelle nach der Holzwirtschaft, die den Löwenanteil am Gesamtgewinn hatte.

Click

Landwirtschaftliche Fachliteratur

Literatur und Quellen:

  • Acta betrf. Die VerEdlung der hiesig Rammenauisch. Schäferey durch spanische Stähre, 1765-1780, Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 50196, Nr. 98.
  • Boelke, Willi: Bauer und Gutsherr in der Oberlausitz, Ein Beitrag zur Wirtschafts-, Sozial- und Rechtsgeschichte der ostelbischen Gutsherrschaft, Bautzen 1957.
  • Biele, Gunter: Quellen in den Beständen des Hauptstaatsarchivs Dresden über die Merino- und die veredelte Schafzucht in Sachsen, Wissen – Wolle – Wandel. Merinoschafzucht und Agrarinnovation in Sachsen im 18. und 19. Jahrhundert, hg. v. Sächsischen Staatsarchiv, Halle 2016, S. 174-190.
  • Ludwig, Jörg: Ein königlich-spanisches Geschenk. Die Beschaffung von Merinoschafen in Spanien 1764/65,  in: Wissen – Wolle – Wandel. Merinoschafzucht und Agrarinnovation in Sachsen im 18. und 19. Jahrhundert, hg. v. Sächsischen Staatsarchiv, Halle 2016, S. 137–154.
  • Schirmer, Uwe: Landwirtschaft und ländliche Gesellschaft in Sachsen zwischen 1720 und 1830 – Bemerkungen zu Verfassung, Wirtschaft und Alltag, in: Sachsen 1763–1832. Zwischen Rétablissement und bürgerlichen Reformen, hg. von Uwe Schirmer (Schriften der Rudolf-Kötzschke-Gesellschaft, 3), Beucha 1996, S. 128–171.

Letzte Änderung: 28.06.2025