Entdecken Sie mehr Dokumente und Fotos zum Schloss nach 1945 bis in die 1990er-Jahre.
Nach 1945 erfuhr die Schlossanlage Rammenau den bisher größten Bedeutungswandel ihrer Geschichte. Schloss, Park und Meierhof gingen in staatliches Eigentum über. Im neu gegründeten sozialistischen Staat DDR unter sowjetischem Einfluss zogen neue Menschen und Nutzungen in das Schloss ein. Dieser Umbruch prägt die Schlossanlage bis heute.
Von großen Träumen und der realen Umsetzung in der direkten Nachkriegszeit
Bereits in der direkten Nachkriegszeit gab es einige Pläne zum Umgang mit der Schlossanlage. Die Rede war etwa von der Einrichtung eines Lehrgangs für Rechtspfleger, einem Fichtemuseum sowie einem Schulungszentrum und Erholungsstätte für „verdiente“ Personen der Arbeiterbewegung. Auch der Abriss der Schlossanlage stand im Raum.
Es muss weitergehen …
Die landwirtschaftliche Nutzung des Meierhofes ging unterdessen weiter. Schließlich musste die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Nach der Enteignung der Familie von Helldorff 1945 wurde der bis dahin zusammenhängende Grund und Boden in der Umgebung an landlose Neubauern und landarme Kleinbauern verteilt. Da die Ernteerträge jedoch zu wünschen übrig ließen, wurden in den 1950er-Jahren die ersten Kleinbetriebe zusammengelegt und in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) integriert. Um die allgemeine Versorgungslage zu verbessern, wurde der Meierhof mit seinen Wirtschaftsgebäuden in den 1960er-Jahren in die LPG „Johann Gottlieb Fichte“ eingegliedert, die bis 1990 bestand.
Gleichzeitig wurden das Schloss und einige Wirtschaftsgebäude nach dem Krieg von ehemaligen Bediensteten und neuen Angestellten mitsamt ihren Familien bewohnt. Die Räume wurden so genutzt, wie Wohnfläche benötigt wurde – unabhängig ihrer früheren Nutzung.
Und da haben wir uns einfach eingerichtet [...] mit den Habseligkeiten, die wir hatten. In dem jetzigen Vogelzimmer, […] das war unser Kinderzimmer.“
Erholung im Schlosspark – Sommerateliers der Hochschule für Bildende Künste und Kinderferienlager in den 1950er-Jahren
Anfang der 1950er Jahre hatte man sich für eine neue Nutzung des Schlosses entschieden. Die Dresdner Hochschule für Bildende Künste begann die herrschaftlichen Räume für Sommerakademien, Lehrveranstaltungen und Ausstellungen zu nutzen. Zu den Sommergästen gehörten u.a. Gerhard Richter und Ursula Schmidt, geb. Breitfeld.
Die Zeit in Rammenau [war] eine goldene Zeit, weil dort alles noch ganz war, [...] Es war eine wunderbare Freiheit, die wir hatten, nachdem wir den Krieg erlebt haben.
Erste Sozialistische Künstlerbrigade
Ab 1955 wurde das Schloss darüber hinaus in den Sommermonaten als Betriebs-Kinderferienlager genutzt. Die Kinder von Hochschulangehörigen konnten hier „frohe Ferientage verbringen, die ihnen verhelfen zur Kräftigung ihrer Gesundheit und Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit, […] zur Liebe zur Heimat und zur Vergrößerung ihres Allgemeinwissens.“ Die etwa 40 Kinder schliefen auf Holzbetten im Schloss und wurden von der Schlossküche verpflegt. Es gab Tagestouren in die nähere Umgebung, Sportwettkämpfe, Kostümfeste, Theateraufführungen und vieles mehr.
Teilweise waren das Schloss und die Wirtschaftsgebäude noch immer bewohnt.
Von der Gedenkstätte zum Kreismuseum in den 1960er-Jahren
Darüber hinaus wurde bereits 1948 beschlossen, Schloss Rammenau für „museale Zwecke und Schulzwecke“ zu nutzen. Im Erdgeschoss sollte ein Johann Gottlieb Fichte-Museum eingerichtet werden.
1962, anlässlich eines großen Festaktes zum 200. Geburtstag des Philosophen, wurden die museal genutzten Schlossräume zu einer neuen Fichte-Gedenkstätte umgestaltet. Mit der Übernahme des Schlosses durch den Rat des Kreises Bischofswerda 1963 entwickelte sich aus der Gedenkstätte ein Kreismuseum.
Seit 1968 sorgt das Schlossrestaurant für das leibliche Wohl der Museums- und Veranstaltungsgäste. Dieses umfasst den Gartensaal, das Jagdzimmer sowie im westlichen Flügel des Schlossgebäudes das Vogel- und Kornblumenzimmer. Ein zusätzliches niedrigpreisiges Angebot wurde in den 1970er Jahren mit einem Imbisskiosk im Park geschaffen.
Von Brigadefeiern und Mückenkino in den 1970er- und 80er-Jahren
Ab den 1970er-Jahren fanden im Schloss Weiterbildungen der Kulturakademie des Bezirks Dresden statt. Schlafmöglichkeiten für Übernachtungsgäste wurden im Dachgeschoss des Schlosses geschaffen. Gleichzeitig wurden die Räume des Obergeschosses für Betriebs- und Brigadefeiern, wechselnde Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Im Park gab es Tanzveranstaltungen und Freiluftkino.
Jeder hat sich drauf gefreut im Dorf. Wenn man abends, wenn es warm war [...] hier ins Mückenkino konnte […] dann haben wir uns auf die Wiese gesetzt und Film geguckt, das war super.
Literatur und Quellen:
- Archiv Hochschule für Bildende Künste Dresden, Akte 03/0255.
- Archiv Hochschule für Bildende Künste Dresden, Akte 03/1256.
- Hauptstaatsarchiv Dresden, Hauptverwaltung der Staatlichen Museen, Schlösser und Gärten, 11402, Nr. 70, Blatt 10 und Blatt 113.
- Gespräch mit Friedrich Hartmann 29.07.2024, unveröffentlicht.
- Gespräch mit Gören Barthel am 16.04.2024, unveröffentlicht.
- Gespräch mit Prof. Siegfried Börngen am 29.07.2024, unveröffentlicht.
- Gespräche mit Ulrike Gatzsche 09.08.2024, 25.10.2024 und 28.01.2025, unveröffentlicht.
- Gespräche mit Ursula Schmidt am 04.03.2022 und 29.07.2024, unveröffentlicht.
- Donath, Matthias/Dießner, Falk: Barockschloss Rammenau, Leipzig 2015.
- Jacoby, Petra: Kollektivierung der Phantasie?: Künstlergruppen in der DDR zwischen Vereinnahmung und Erfindungsgabe, Bielefeld 2007.
- Pätzig, Birgit (u.a.): Barockschloss Rammenau – Schlosspark. Gartendenkmalpflegerische Rahmenzielstellung, bearbeitet von Birgit Pätzig, Heidrun Richter, Kathrin Franz im Auftrag vom SIB, 01.08.2019, Maßnahme Nr. 02 04601 E1601, unveröffentlicht.
- Staadt, Jochen: „Die Eroberung der Kultur beginnt!“ Die Staatliche Kommission für Kulturangelegenheiten der DDR (1951–1953) und die Kulturpolitik der SED, Frankfurt am Main (u.a.) 2011.
Letzte Änderung: 28.06.2025






















